Redaktionsgespräch mit Landrat Manfred Görig, der für weitere sechs Jahre im Vogelsberg kandidiert

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Redaktionsgespräch im Landrats-Amtszimmer im Lauterbacher Kreishaus (von links) : Redakteurin Daniela Eichelberger, Landrat Manfred Görig, Volontärin Antonia Schmidt und Redakteur Christopher Göbel.

Landrat Manfred Görig (SPD) möchte sich nicht auf Erreichtem ausruhen, sondern die Dinge, die er angestoßen hat, zu Ende bringen. Am 24. September wird gewählt.

Lauterbach - Manfred Görig ist seit 2012 Landrat des Vogelsbergkreises. Der SPD-Politiker gewann damals die Stichwahl gegen den CDU-Kandidaten Rainer-Hans-Vollmöller, den Lauterbacher Bürgermeister. Nun, rund sechs Jahre später, will Görig weitermachen. Bei der Landratswahl am 24. September tritt er erneut an – diesmal mit nur einem Gegenkandidaten, dem von keiner Partei unterstützten Friedel Kappes aus Vadenrod (siehe Interview in dieser Ausgabe). „Fulda aktuell“ und „Alsfeld aktuell“ trafen den Vogelsberg-Landrat zum Redaktionsgespräch in dessen Büro im Lauterbacher Kreishaus.

Stolz auf Erreichtes

„Seit meinem Amtsantritt hat sich viel geändert“, sagt Görig. Dazu gehören unter anderem eine Verringerung der Arbeitslosigkeit von rund sechs auf heute etwa vier Prozent, 2.100 Arbeitsplätze mehr und vor allem: Von einer Schuldenlast von minus 18 Millionen steht der Vogelsberg heute mit einem Plus von rund acht Millionen da. „Auch Bund und das Land Hessen haben bei Investitionen geholfen“, sagt Görig. Mit Geld seien manche Dinge finanzierbar, die ihm am Herzen liegen: Breitbandausbau im Vogelsberg, der weitere Ausbau der Infrastruktur im ländlichen Raum und vor allem die Schulen. „Unter den 40 Schulen sind auch sehr kleine Grundschulen. Aber ich möchte in Bildung investieren und alle Schulstandorte halten“, erklärt der Landrat. Pilotprojekte wie die „iPad-Klasse“ in Alsfeld oder die Umrüstung auf „Whiteboards“ statt der üblichen Schultafeln seien erste innovative Schritte.

Redaktionsgespräch im Landrats-Amtszimmer im Lauterbacher Kreishaus (von links) : Redakteurin Daniela Eichelberger, Landrat Manfred Görig, Volontärin Antonia Schmidt und Redakteur Christopher Göbel.

In den vergangenen sechs Jahren hat sich laut Görig die Bevölkerungszahl im Landkreis erhört. „Noch immer ist es leider so, dass mehr Menschen sterben als Kinder geboren werden, aber die Geburtenrate ist um 15 Prozent gestiegen und mehr Familien sind in den Vogelsberg gezogen“, so Görig. Das liege auch daran, dass es dort günstigen Wohnraum gebe und alles vor Ort zu finden sei: Ärzte, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten. „Eine Region kann sich nur entwickeln, wenn es Arbeit vor Ort gibt“, so der Landrat. Man müsse sich auch in Zukunft um Fachkräfte bemühen, die in den vielen kleineren Unternehmen und Handwerksbetrieben im Vogelsberg Arbeit finden. Görig hat deshalb einen „Unternehmer-Dialog“ ins Leben gerufen und arbeitet derzeit daran, ein Standortmarketing für die Region zu entwickeln. „Mit den Fachkräften kommen auch Familien“, so Görig. Und eines ist für ihn sicher: „Der Vogelsberg ist mehr als Fläche und Landschaft.“

Ärztliche Versorgung

Weitere Themen, die während Görigs Amtszeit im Landkreis Gestalt angenommen haben, sind die Breitbandversorgung, der Ausbau der Infrastruktur und nicht zuletzt die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum. „Zusammen mit der Uniklinik in Marburg haben wir derzeit 50 Medizinstudenten als Blockpraktikanten, die die Arbeit als Hausarzt im Vogelsberg kennenlernen. Der Landkreis vergibt auch Stipendien an diejenigen, die sich verpflichten, später als Hausärzte im Vogelsberg zu bleiben“, sagt der Landrat. Für die Zukunft sieht Görig allerdings weniger die kleinen Hausarztpraxen, sondern Zentren, in denen mehrere Ärzte praktizieren.

Dinge zu Ende bringen

„Ich trete für eine weitere Amtszeit an, weil ich Dinge begonnen habe, die jetzt im Werden sind, die ich aber noch beenden möchte“, so der SPD-Politiker. „Ich möchte den Vogelsberg fit für die Zukunft machen.“ Dazu gehört auch, die rund 350 Kilometer Kreisstraßen auf Vordermann zu bringen, 60 Millionen Euro bis 2019 in die Schulen zu investieren und grundsätzlich „das Erreichte weiter ausbauen“, so Görig. Im Vogelsberg regiert im Kreistag eine große Koalition, so dass die CDU darauf verzichtete, einen eigenen Landratskandidaten aufzustellen. „Es hätte wenig Sinn gehabt, wenn mein Erster Kreisbeigeordneter Dr. Jens Mischak und ich gegeneinander angetreten wären“, sagt Görig. „Unsere Arbeit hätte darunter gelitten“, ist er überzeugt. Die kleineren Parteien hätte die Möglichkeit gehabt, eigene Kandidaten aufzustellen. „Sie haben diese Chance nicht wahrgenommen“.

"Große Entfernungen"

Der Vogelsberg liegt in der Mitte von sieben hessischen Landkreisen. „Wir sind hier anders aufgestellt als die Nachbarkreise“, so Görig. „Wir haben keine große Stadt, auf die sich alles konzentriert. Der Vogelsberg ist sehr kleinteilig aufgebaut. Wir haben 106.000 Einwohner, die in 19 Gemeinden mit 186 Ortsteilen leben. Die größte Stadt ist Alsfeld mit rund 16.000 Einwohnern, dann folgt die Kreisstadt Lauterbach (rund 14.000 Einwohner). „Die großen Entfernungen bringen auch Probleme mit sich“, so der Landrat. Als Beispiel nennt er die Mobilfunk-Abdeckung im flächenmäßig drittgrößten Kreis Hessens: „Alles ist weit voneinander entfernt und dann gibt’s auch noch Berge dazwischen.“

Dennoch möchte Manfred Görig den Vogelsbergkreis weiter voranbringen. „Wir wollen im Mittelfeld vorne dabei sein“, so der Amtsinhaber. Man dürfe der Entwicklung nicht hinterherhängen, sondern müsse mit Innovationen beginnen und vorangehen. „Aber dazu muss die Politik auch den Mut haben, etwas zu verändern“, sagt der Politiker, der vor seinem Amtsantritt für die SPD im Hessischen Landtag saß.

„Geschäft auf Zeit“

Dem Wahlabend sieht Görig eher gelassen entgegen: „Vielleicht gehe ich mit meiner Frau Essen und schaue mir später die Ergebnisse im Kreishaus an“, sagt er. Görig hofft, dass seine Partei bei der Bundestagswahl gut abschneidet, vermutet aber, dass „der Chefposten ja schon vergeben“ sei. „Die Bundespolitiker – egal welcher Couleur – müssen uns zuhören“, ist Görig überzeugt.  Und natürlich hofft er, dass sein Ergebnis zur Wiederwahl als Landrat des Vogelsbergkreises ein gutes sein wird. „Politik ist immer ein Geschäft auf Zeit. Wenn die Vogelsberger mich wieder wählen, dann werde ich meinen Vertrag sechs weitere Jahre erfüllen“, sagt der Landrat.

Eine 80-Stunden-Woche ist nicht selten, wenn man Landrat ist. „Das Privatleben muss sich nach dem Arbeitsleben richten“, ist Görig überzeugt. Seine Frau habe es „akzeptiert“, als er beschloss, für eine weitere Amtszeit zu kandidieren. Entspannung findet er bei Spaziergängen mit dem Terrier-Mischling Edana, die er aus dem „Tierheim Alsfeld“ geholt hat. „Wir sind ein gutes Team“, schmunzelt er. Wenn es um das Thema Urlaub geht, dann fallen dem Landrat schnell zwei Ziele ein: die Ostsee und die Berge. „Meine Frau möchte ans Meer, ich in die Berge“, erzählt er. Und so fahren die Görigs im Sommer an die See und im Frühjahr oder im Herbst ins Gebirge. Das sind die Tage, in denen Manfred Görig nicht Landrat, sondern Ehemann ist.

„Jetzt warte ich aber erst einmal den Wahlabend ab. Dann zeigt sich, ob ich am Montag wieder ganz normal in meinem Büro arbeiten kann“, sagt Görig mit einem Lächeln.

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