Redaktionsgespräch mit VR-Bank-Vorstand Manfred Gerhard

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Manfred Gerhard an seinem Schreibtisch in seinem Büro.

VR-Bank-Vorstand Manfred Gerhard geht in der kommenden Woche in den Ruhestand. Wir sprachen mit dem Finanzmann.

Fulda - Wer sich mit Manfred Gerhard trifft, um mit ihm eine Bilanz seines jahrzehntelangen Wirkens als Vorstandsmitglied der „VR Bank Fulda eG“ zu ziehen, der erlebt einen zufriedenen Menschen. Vor dem kommenden Mittwoch, 18. September, dem Datum seiner feierlichen Verabschiedung, hat der 62-Jährige, gebürtig aus Haselstein, keine Scheu. „Ich habe lange Verantwortung getragen und bin jetzt bereit loszulassen“, betont er im Gespräch mit „Fulda aktuell“.

Der – noch – vierköpfige Vorstand werde sich verjüngen und dann nur noch aus dem Trio Thomas Sälzer, Frank Mackenroth und Torsten Hopf bestehen, aus deren Reihen der neue Vorstandsprecher kommen wird. Gerhards Ruhestand beginnt offiziell am 1. Oktober er ist dann 32 Jahre Mitglied des Vorstandes gewesen, davon 18 Jahre als dessen Sprecher. Sein Wirken bei der „VR Bank Fulda eG“ begann am 1. Oktober 1986, zuvor hatte er unter anderem auf dem zweiten Bildungsweg sein Fachabitur gemacht und war danach zehn Jahre für einen Prüfverband tätig gewesen.

Folgende Zahlen mögen belegen, wie sehr sich in diesen 33 Jahren das Bankgeschäft verändert hat: „1986 waren wir 40 Mitarbeiter und hatten eine Bilanzsumme von (umgerechnet) 85 Millionen Euro. Heute sind 360 Frauen und Männer für uns tätig, die Bilanzsumme beläuft sich auf etwa zwei Milliarden Euro“. Sieben Fusionen hat Gerhard in dieser Zeit mitgemanaged und dabei verschiedene Firmenkulturen vereinen müssen. Von Vorteil dabei sei gewesen, „dass ich Menschen mag und stets versuche, authentisch und verlässlich zu sein“.

Lob für die Region

Sehr geprägt habe ihn schließlich auch die Grenzöffnung mit all‘ ihren Herausforderungen („Was aber Spaß gemacht hat“): Der 62-Jährige erinnert sich noch gerne an die Kolonnen von Trabis, die sich damals gen Fulda aufgemacht haben und freut sich immer noch darüber, dass Stadt und Landkreis seit nunmehr 30 Jahren mitten im Herzen des geeinten Deutschlands liegen. Zumal Gerhard sehr an dieser Region hängt und sich eigentlich nie hat vorstellen können, „in irgendeinem Turm in Frankfurt arbeiten zu müssen“. Der noch amtierende Vorstandssprecher der „VR Bank Fulda eG“ IST im Übrigen sehr stolz auf die Entwicklung, die die Stadt Fulda mit dem gesamten Umland genommen haben und noch nehmen. Es gebe einen gesunden Mittelstand, einen hervorragenden Branchenmix und nicht zuletzt eine expandierende Hochschule.

Gemeinsam mit Vorstandskollegen und Mitarbeitern hat Gerhard in den vergangenen Jahrzehnten eine ganze Menge an Veränderungen mitgemacht – rechtlicher, technischer und politischer Art. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis, die er im Gespräch formuliert: „DEN Kunden gibt es nicht mehr. Die Kunden von heute sind vielmehr vielfältig aufgestellt. Was sich allerdings nicht geändert hat, das ist die Notwendigkeit einer umfassenden Beratung vor Ort, beispielsweise in Fragen der Altersvorsorge oder des Wohnraums. Und wir von der Bank spüren und leben die Verantwortung für unsere Kunden.

Manfred Gerhard und „Fulda aktuell“-Objektleiter Michael Schwabe.

Ausgehend von unserem genossenschaftlichen Auftrag gehen wir von einer ganzheitlichen Sicht auf unsere Kunden aus und pflegen einen sehr sorgfältigen und sorgsamen Umgang“. Genossenschaft bedeute Selbst-Hilfe, Selbst-Verantwortung und Selbst-Kontrolle: „Unsere rund 26.500 Mitglieder sind zugleich unsere Arbeitgeber, denen wir öffentlich Rechenschaft über unser Tun ablegen müssen. Letztendlich sind es unsere Mitglieder, die den Vorstand haben erfolgreich sein lassen“. 60 Prozent des Alltagsgeschäft entfällt auf Firmengeschäfte, die restlichen 40 auf Privatkunden.

Zum bevorstehenden Abschied zitiert Gerhard Goethes „Faust“, der auch mit „zwei Seelen in meiner Brust“ konfrontiert worden sei: Als aktiver Mensch, der er sei, werde er nach seinem Eintritt in den Ruhestand dem Tag eine Struktur geben und sich unter anderem damit beschäftigen, was ihm Spaß mache und woran er Interesse habe: Da wären beispielsweise technische und Zukunftsthemen. Wahrscheinlich wird dazu auch die Frage gehören, ob wir nicht eines Tages ohne Bargeld leben werden – ein Punkt, den Gerhard relativ klar verneint. „Bargeld ist ein Synonym für individuelle Freiheit und wird nicht zuletzt aus diesem Grunde nicht von Markt verschwinden“. Bis zum 1. Oktober aber wird er noch sein Büro genießen, „mit dem schönsten Rundum-Ausblick, den Fulda zu bieten hat“.

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