Redaktionshund Bruno: Geiz is(s)t Gaul

Jahrelang konnte ich mich glücklich schätzen, in einem tierliebenden Umfeld aufgewachsen zu sein, gehätschelt und getätschelt von Kind und Kegel,

Jahrelang konnte ich mich glücklich schätzen, in einem tierliebenden Umfeld aufgewachsen zu sein, gehätschelt und getätschelt von Kind und Kegel, von Frauchen und Herrchen bestens behütet. Doch nach dem jüngsten Lebensmittelskandal muss ich meine Rolle als Vierbeiner im Allgemeinen und im Speziellen als Redaktionshund mit frecher Schnauze wohl noch einmal hinterfragen. Ein unüberlegter Satz zum unpassenden Zeitpunkt, zur falschen Zeit am falschen Ort  – und schon könnte man   zu einem Fleischklops, in einer Tiefkühlpizza oder als Beef in einem Burger verwurstet sein. Und da denke ich noch nicht einmal an China, wo kritische Geister auch heutzutage noch mundtot gemacht und streunende Straßenköter in den Garküchen zu angeblichen Delikatessen verarbeitet werden.

Mein Blick schweift auf den Balkan, in die Bretagne und nach Großbritannien, aber auch nach Brandenburg, wo kaum noch Kutschen fahren und die sie ziehenden Pferde immer weniger, dafür die Anteile ihres Fleisches in den unterschiedlichsten Gerichten immer mehr werden. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Comedian den aktuellen Lebensmittelskandal in seinem Programm verwurschtelt: "Alle essen Pizza, nur der Bert isst Pferd." "Lasagne Black Beauty im Super-Sonderangebot". "Noch nie war es so günstig, seiner Tochter ein Pony zu kaufen". "Das Essen ist pfertig". "Mein Burger hat mehr PS, als dein getuntes Mofa je haben wird". "Geiz is(s)t Gaul." Die Liste der lustigen Argumentationshilfen zum Pferdefleisch-Skandal ließe sich beliebig fortsetzen, doch auch damit lassen sich meine latent vorhanden Existenz-Ängste nur schwer zerstreuen.

Ein Hund ist ja schließlich auch nur ein Mensch, und wenn man weiß, was sonst noch alles auf diesem Globus an Tier(teil)en verarbeitet wird, dann wirkt das nicht wirklich beruhigend auf mich: Hundehoden und Katzenköpfe, Froschschenkel und Weinbergschnecken,  Kängurukeulen und Krokodilsteaks, Meerschweinchenmedaillons und Schildkrötenschwänze. Die Grenzen des "guten Geschmacks" sind gefallen – da muss man noch nicht einmal in ein Dschungelcamp in den australischen Busch fahren, das findet man auch in "Spezialitätenrestaurants" hierzulande. Und zuletzt vermehrt auch in Fertiggerichten in Form von Pferdeund Eselsfleisch...

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