Regionale Kfz-Branche leidet durch die Pandemie

Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer
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Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer

Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer über die regionale Kfz-Branche in der Pandemie.

Osthessen. Die Coronakrise trifft auch den osthessischen Autohandel. Für „abgefahren“ stellten wir dem Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer Fragen zur aktuellen Situation. Krämer führt das gleichnamige „Mazda“-Autohaus in Fulda.

ABGEFAHREN: Wie steht es um das Kfz-Gewerbe in der Corona-Pandemie?

THORSTEN KRÄMER: Das Kfz-Gewerbe hat auch, wie viele andere Gewerke, unter den Auswirkungen von Covid19 zu leiden. Der Service ist, unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen, auch während der Lockdownphasen möglich gewesen. Hier stellen wir allerdings Umsatzeinbußen aufgrund der geringeren Fahrleistungen unserer Kunden fest. Der Handel hat bereits 2020 und natürlich auch jetzt in 2021 zu den Lockdownzeiten schließen müssen. Hier müssen die Betriebe erhebliche Einbußen hinnehmen.

ABGEFAHREN: Kaufen die Menschen mehr oder weniger Autos?

KRÄMER: Der Absatz an neuen Fahrzeugen ist fast in allen Segmenten, bis auf wenige Ausnahmen, deutlich zurückgegangen. Lediglich bei den vollelektrisch betriebenen Fahrzeugen gab es, aufgrund der erhöhten staatlichen Förderung seit letztem Jahr, Zuwächse im Absatz. Das Gebrauchtwagengeschäft ist stabil geblieben und hat eher an Bedeutung gewonnen während der Pandemie.

ABGEFAHREN: Welche Corona-Schutzmaßnahmen gelten in den Innungsbetrieben?

KRÄMER: Viele – mehr als ich hier aufzählen könnte. Natürlich gelten in allen Betrieben die gängigen Hygieneregeln. Abstand halten, Desinfizieren, medizinische oder FFP2-Masken. Dazu kommen das regelmäßige Testen der Mitarbeiter, das Anwenden der „LUCA App“, Plexiglastrennwände und – je nach Inzidenz – „Click&Meet“ oder „Click&Collect“. In den Betrieben wurden Teams gebildet um Infektionsketten zu verhindern und seit Ende April gehören einige Mitarbeiter der Kfz-Werkstätten laut Impfverordnung zur Personengruppe mit erhöhter Priorität, so dass schon einige Mitarbeiter zumindest einmal geimpft sind.

ABGEFAHREN: Gab es seit Beginn der Corona-Pandemie viel oder wenig Kurzarbeit in den Innungsbetrieben?

KRÄMER: Hier kann man nicht alle Betriebe über einen Kamm scheren. Betriebe, die sich ausschließlich im Kfz-Service betätigen und nicht ihre Betriebe schließen mussten, haben weitgehend auf Kurzarbeit verzichten können. Betriebe, die ihren Umsatz zu erheblichen Teilen im Handel generieren, haben während der Lockdownzeiten auch das Instrument der Kurzarbeit in Anspruch genommen.

ABGEFAHREN: Sind staatliche Hilfe angekommen?

KRÄMER: Mir ist nicht bekannt, dass Kfz-Betriebe im Jahr 2020 Soforthilfen oder Überbrückungshilfen in Anspruch nehmen konnten. Dies traf auf unsere Branche nicht zu. Ob und in welchem Umfang Liquiditätshilfen in Form von „KfW“-Darlehen in Anspruch genommen worden sind, kann ich nicht sagen und ob unsere Branche, bewiehungsweise einzelne Betriebe die Überbrückungshilfe III in Anspruch nehmen können, die bis 30. Juni 2021 gilt, kann ich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls nicht abschätzen.

ABGEFAHREN: Was wünschen Sie sich für das Kfz-Gewerbe mit dem Beginn des Sommers und den anstehenden Lockerungen?

KRÄMER: Die Rückkehr zu einem normaleren Geschäftsablauf – natürlich mit den geltenden Hygienemaßnahmen, die stellen uns nicht vor besonders große Herausforderungen. Aber die Ungewissheit, wann man öffnen kann, ob „Click&Meet“ oder gerade „Click&Collect“ erlaubt ist, oder ob der potenzielle Kunde lieber in einen Nachbarlandkreis mit niedrigerer Inzidenz und anderen Öffnungsmöglichkeiten abwandert, trifft uns als Branche schon sehr. Ich hoffe, dass wir bald wieder zu einem relativ normalen Geschäftsalltag zurückfinden können.

ABGEFAHREN: Wie sieht es mit Auszubildenden in der Kfz-Branche aus? Gibt es genügend Azubis?

KRÄMER: Nun, hier hat Corona ebenfalls seine Spuren hinterlassen. Es fanden in den letzten eineinhalb Jahren keine Betriebspraktika statt, keine Ausbildungsmessen in Präsenzform, keine lebenden Werkstätten und so ist uns der direkte Kontakt zu den Schulabgängern etwas abhanden gekommen. Das zeigt sich auch in weniger besetzten Ausbildungsplätzen. Allerdings sind wir schon seit einigen Jahren in der Situation, nicht für jeden freien Ausbildungsplatz einen Bewerber zu finden. Hier hat Corona die Situation etwas verschärft, aber sie ist für uns nicht neu. Wir gehen davon aus, dass wir mit einer Rückkehr zum normalen Schulalltag, zu Praktika und Ausbildungsmessen auch wieder mehr Lehrstellenbewerber bekommen.

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