Reichspogromnacht: Auch in Fulda brannte die Synagoge

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Fulda. Zum Gedenken an den 9. November 1938 beginnt eine Gedenkstunde am 9. November an dem Ort, wo früher die Synagoge stand.

Fulda. Am 9. November jähren sich zum 75 Mal die schrecklichen Ereignisse der Reichspogromnacht, von denen auch die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger Fuldas nicht verschont blieben. Diesen Tag des Gedächtnisses und der Mahnung werden die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, die Stadt sowie die beiden großen christlichen Kirchen und die jüdische Gemeinde mit einer Gedenkfeier und anschließender Begegnung ab 19 Uhr in der Kapelle des Vonderau Museums sowie dem anschließenden Konzert "mir leben ejbik!" mit Danile Kempin und Dimitry Reznik begehen.

Synagogenbrand und Übergriffe

Nach kontinuierlichem Übergriffen des NS-Staates gegenüber den Juden kulminierte das Geschehen reichsweit in jener Novembernacht des Jahres 1938. In den Nachtstunden vom 9. auf den 10. November steckten Nazis und ihre Sympathisanten die Synagoge der jüdischen Gemeinde in Brand. Sie wurde völlig zerstört. Auch Schaufenster jüdischer Geschäfte und Fensterscheiben von Häusern jüdischer Mitbürger gingen zu Bruch, erinnert Vereinsvorsitzende Dr. Irena Ostmeyer an die schlimmen Ereignisse jener Nacht, die schließlich in der Schändung des jüdischen Friedhofs und Gewalt gegenüber Einzelnen mündeten. Juden wurden offen auf der Straße geschlagen. Viele jüdische Männer wurden nach Buchenwald deportiert. "Die Täter und die Opfer von damals sind kaum noch unter uns. An uns ist es, die Erinnerung an die Pogromnacht bewusst wach zu halten, damit sich die Geschichte nie wiederholt", bekräftigen Ostmeyer und Möller in der Ankündigung der Veranstaltung. Der Oberbürgermeister fügt hinzu:"Ich bin der Gesellschaft und insbesondere Frau Dr. Ostmeyer dankbar dafür, dass sie die diesjährige Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrtag auf so eindrucksvolle Weise um die Schülerpräsentation und das Konzert in der Kapelle des Vonderau Museums ergänzt hat, damit dieser Tag des Gedenkens eine noch tiefergehende Würdigung erfährt."

Die Stadt Fulda, die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Fulda e.V. und die beiden Kirchen laden deshalb zum Gedenken an die Pogromnacht vom 9. November 1938 ein. Die Gedenkstunde beginnt am Samstag, dem 9.11.2013 um 18.30 Uhr am dem Ort, wo früher die Synagoge stand: Am Stockhaus 2. Ansprachen werden Oberbürgermeister Gerhard Möller sowie Jugendliche, die an einer Studienreise nach Theresienstadt teilgenommen haben, halten. Bischof Heinz Josef Algermissen, Pfarrer Lange für die evangelische Kirche und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Fulda, Roman Melamed, werden anschließend Gebete sprechen. Musikalische wird der Chor der Jüdischen Gemeinde die Gedenkveran- staltung umrahmen.

Lesung und Konzert

In einer szenischen Lesung von Schülerinnen und Schülern der Freiherr-vom-Stein-Schule nach einer Textvorlage von Dr. Michael Imhof (Verein Zukunft Bildung) sollen die Ereignisse der Reichspogromnacht in Fulda in Erinnerung gerufen werden. Dabei kommen auch jüdische Zeitzeugen zu Wort, die das Novemberpogrom in Fulda als Kinder und Jugendliche erlebt haben. Staatliche und lokale behördliche Schreiben und Stellungnahmen machen die zahlreiche Mittäterschaft an den mörderischen Verbrechen gegenüber den jüdischen Mitbürgern und dem Judentum in der Region Fulda deutlich.Das Konzert mit den beiden Künstlern Daniel Kempin und Dimitry Reznik utner dem Titel "mir leben ejbik!" schließt sich unmittelbar um 20 Uhr an. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist übrigens kostenlos.

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