Rettet die Bienen - „Wenn sie sterben, stirbt der Mensch“

Osthessen. "Wenn die Bienen sterben, stirbt nur wenig später die Menschheit" – soll sinngemäß schon Albert Einstein gesagt haben. Es br

Osthessen. "Wenn die Bienen sterben, stirbt nur wenig später die Menschheit" – soll sinngemäß schon Albert Einstein gesagt haben. Es brauchte bis heute, dass kluge Menschen etwas gegen das weltweite Massensterben von Bienenvölkern tun. 15 EU-Länder haben jetzt für das (vorläufig auf zwei Jahre befristete) Teil-Verbot von drei Pestiziden gestimmt, die in dringendem Verdacht stehen, für das Bienensterben (mit) verantwortlich zu sein.

Punktsieg für die Bienen, Niederlage für die Chemie-Industrie – darunter auch "Bayer" und "Syngenta". Deren Nervengifte aus der Gruppe der so genannten Neonikotinoide sollen dazu führen, dass Bienen nicht nur tödliche Vergiftungen erleiden, sondern auch ihren Orientierungssinn verlieren und nicht mehr in die Stöcke zurückkehren. "Bayer" bestreitet das. Bei richtiger Anwendung auf Mais, Raps, Sonnenblumen und Baumwolle seien die Stoffe nicht schädlich. Das Unternehmen sieht Umwelteinflüsse und Krankheiten  wie die Varroa-Milbe als Hauptgründe für das Bienensterben.

"Endlich sind Politiker einmal darauf aufmerksam geworden, was die Menschen den Bienen mit Massentierhaltung, Monokulturen und Insektiziden alles antun", sagt Dr. Dietrich Bertram. "Es war Zeit zum Handeln", so der stellvertretende Vorsitzende des Fuldaer Imkervereins. Er selbst hat in diesem Jahr 60 Prozent seiner Bienenvölker verloren, seinen Imker-Kollegen geht es kaum besser. "Bei sehr vielen gibt es große Verluste unter den Bienen." Die Gründe könnten vielfältiger Natur sein – Virusinfektionen, die Varroa-Milbe, andere Schädlinge, Insektizide, oder wie im Vorjahr das Wetter. "Wie bei allem, kommt es auf die Dosis an. Nichts ist giftiger als die Dosis", sagt Dr. Bertram. Der Arzt und "Naturbursche" weiß aber auch, dass in der landwirtschaftlich kleinflächig strukturierten Rhön  die drei verdächtigen Nerven-Pestizide Thiamethoxam,  Clothianidin und Imidacloprid eher eine untergeordnete Rolle spielen. "Wir haben hier bei uns keine Monokulturen von Mais und Raps, und wenn sich unsere Landwirte ordnungsgemäß verhalten und verantwortungsvoll die Mittel einsetzen, beispielsweise nicht beim Bienenflug, dann dürfte dies hier keine größeren Probleme bereiten."

Wie sich der reduzierte Einsatz von Giften im Allgemeinen auf die Umwelt und das Verbot der drei umstrittenen Pestizide im speziellen auf die Gesundung und Erholung der Bienenbestände auswirken, bleibt abzuwarten. "Andere Länder zählen Hummeln, wir Bienen als Indikatoren für eine intakte Umwelt", sagt der Fuldaer Bienenzüchter. EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg jedenfalls versprach, "alles zum Schutz unserer Bienen zu tun, die so wichtig sind für unser Ökosystem und jährlich mehr als 22 Milliarden Euro zur europäischen Landwirtschaft beitragen."

Und auch die Umweltschutzorganisation "Greenpeace" begrüßte die Brüsseler Entscheidung pro Bienenschutz. "Das Votum zeigt, dass es eine überwältigende wissenschaftliche, politische und öffentliche Unterstützung für das Pestizid-Verbot gibt", sagte deren Landwirtschafts-Experte Marco Contiero. Der "BUND"-Pestizid-Fachmann  Tomas Brückmann rief zu einer zügigen und überwachten Umsetzung des Verbots auf. "Außerdem sehen wir darin nur einen ersten Schritt." Der Einsatz anderer Agrar-Chemikalien müsse ebenfalls untersagt werden.

Die Bienen und ihr massenhaftes Sterben werden auch weiterhin ein großes Mysterium bleiben. Den Bienen verdanken die Menschen 30 Prozent dessen, was sie essen. Ohne sie gäbe es kein Obst, keine Kirschen, Äpfel oder Erdbeeren.  Und eines gilt unter Experten als sicher: Stirbt die Biene aus, folgt ihr der Mensch –  in einigen Regionen dieser Erde früher, in anderen später.

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