Risikofaktor Mensch beim Angriff aus dem Netz

Mit ein paar Zeilen Computercode können Cyberkriminelle ganze Webshops kapern und damit einen hohen finanziellen Schaden verursachen. Wie Verbrecher vorgehen, zeigten Roland Schrecksbach und Mark Seidel (kleines Foto) auf einer Infoveranstaltung des „Handelsverbandes Hessen“ am Dienstagabend in Fulda.
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Mit ein paar Zeilen Computercode können Cyberkriminelle ganze Webshops kapern und damit einen hohen finanziellen Schaden verursachen. Wie Verbrecher vorgehen, zeigten Roland Schrecksbach und Mark Seidel (kleines Foto) auf einer Infoveranstaltung des „Handelsverbandes Hessen“ am Dienstagabend in Fulda.

Cyberangriffe: Jeder vierte Einzelhändler wurde schon zum Opfer von Kriminellen. In Fulda gab es einen Aufklärungsvortrag des „Handelsverbandes Hessen“.

Fulda. „Während die Digitalinvestitionen im Einzelhandel vergangenes Jahr angestiegen sind, steigen auch die Risiken durch Hackerangriffe“, schreibt der „Handelsverband Hessen“. Um Geschäftsinhaber besser vor Angriffen auf deren Infrastruktur zu schützen, hatte der Verband am Dienstagabend zu einer Veranstaltung eingeladen, in der die Teilnehmer vor Ort und im Live-Stream verfolgen konnten, wie die Sicherheitsexperten Roland Schreckenberg und Mark Seidel von der Firma „ML Cybersec“ einen Live-Angriff auf einen Webshop starteten. Ziel der Attacke waren Manipulationen bei Preisen, Verfügbarkeit und die Verschlüsselung von Kundendaten.

Der Kasseler Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber war in Fulda dabei und begrüßte die zahlreich erschienenen Geschäftsleute.

Laut dem Verband belegen aktuelle Zahlen, dass rund 20 Prozent aller gehackten Unternehmen aus dem Einzelhandel stammen: „Daten, Mitarbeiterstrukturen und die Vielzahl eingesetzter technischer Systeme machen Handelsunternehmen zum attraktiven Ziel von Cyber-Kriminellen.

Der finanzielle Schaden eines Angriffes kann laut dem „Handelsverband Hessen“ mehrere hunderttausend Euro betragen. „Betroffene Unternehmen fürchten einen Imageschaden, Umsatz- und Vertrauensverluste. Daher ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen,“ so Marcel Rösel, Digitalexperte vom „Handelsverband Hessen“, der den Abend in Fulda moderierte. Laut Rösel werde zu wenig auf den Schutz vor Cyberangriffen geachtet. „Für kleine und mittlere Betriebe fehlen hier oft sinnvolle Angebote.“

Im Rahmen der Digitalisierungskampagne „handel.digital“, die vom Hessischen Wirtschaftsministerium und Technologieland Hessen gefördert wird, führt der „Handelsverband Hessen“ regelmäßige IT-Sicherheitsschulungen durch. Gemeinsam mit IT-Sicherheitsspezialisten des Hessischen „Cyber Competence Centers“ und Experten der Hessischen Landespolizei sollen Schwachstellen geschlossen werden.

Schreckenberg und Seidel führten dann vor, wie leicht Hacker eine ganze Online-Infrastruktur eines Webshops kapern können. „Man macht es den Cyberkriminellen einfach“, so Schrecksbach. Rund 220 Milliarden Euro Schaden seien in den vergangenen zwölf Monaten allein in Deutschland dadurch entstanden.

Schrecksbach sagte, dass die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ein „moralisches Gesetz“ sei, an das sich alle Menschen auf der Welt halten müssten. Dennoch würden viele Menschen die Gefahren aus dem Netz nicht erkennen. Sichere Passwörter, die Kontrolle von per E-Mail erhaltenen Links und aktuelle Software seien unabdingbar, um sein Unternehmen zu schützen. Auch fremde USB-Sticks und sogar Verbindungskabel könnten dafür sorgen, dass Verbrecher in die Computer-Infrastruktur eines Unternehmens eindringen können. Welche Möglichkeiten es gibt, zeigte der Sicherheitsexperte Thorsten Linge von der Firma „Perseus“ den Zuhörerinnen und Zuhörern in Fulda auf. In einer kurzen Schulung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kleiner und mittelständischer Unternehmen präsentierte Linge Möglichkeiten, wie Cybersicherheit und Datenschutz einfacher, günstiger und besser erreicht werden kann. „Der größte Risikofaktor ist der Mensch“, so Linge. 47 Prozent aller Mitarbeiter fänden einmal pro Woche eine potenziell gefährliche Mail im Postfach, bei 21 Prozent seien es fünf pro Woche.

Zum Schluss stellte Miriam Glück von der „Signal Iduna“ noch in Kurzform den digitalen Schutzschilde aus der“ CyberPolice“ und dem „Cyber Security Club“ für den Handel vor.

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