Rohstoffmangel bedroht die regionale Bau-Branche

Viele Menschen warten derzeit auf ihre Baumaterialien. Die Auftragsbücher sind voll – aber die Lager sind leer. 
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Viele Menschen warten derzeit auf ihre Baumaterialien. Die Auftragsbücher sind voll – aber die Lager sind leer. 

Sowohl für Privatpersonen als auch Unternehmen war es in letzter Zeit auffällig: Wer bauen oder sanieren wollte, hatte Probleme, sich die benötigten Materialien zu beschaffen, denn die Weltwirtschaft steht gerade vor einem massiven Ressourcen-Problem.

Fulda. Viele Rohstoffe wie Stahl, Holz und Steine werden knapp und es herrscht in vielen Bereichen akuter Rohstoffmangel. Binnen weniger Monate wurden viele Materialien deutlich teurer und manche Produkte sind gar nicht lieferbar. Doch woran liegt das? Und was bedeutet das für Verbraucher und Bauunternehmen? FULDA AKTUELL hat sich bei der „Kreishandwerkerschaft Fulda“, „Holzbau Gutmann“ und Firma „Siebert“ erkundigt.

„Der Rohstoffmangel wirkt sich auch in unserer Region massiv auf den Markt beziehungsweise die Wirtschaft aus. Das Problem besteht schon seit Monaten und ein Ende ist nicht in Sicht. Man kann sagen, dass es kaum ein Gewerk gibt, welches nicht betroffen ist. Manche Gewerke, die beispielsweise viel mit Holz oder Metall arbeiten, sind aber vor ganz besondere Herausforderungen gestellt. Es sind auch bereits Handwerks-Unternehmen wegen des Rohstoffmangels in Kurzarbeit, und es werden immer mehr“, so Tobias Binder von der „Kreishandwerkerschaft Fulda“.

Doch was geschieht wenn Aufträge da sind, aber der Rohstoff plötzlich fehlt? Binder sagt: „Im Idealfall kann man sich mit den Auftraggebern einvernehmlich auf eine Verschiebung einigen.“ Gelinge dies nicht, könne das Unternehmen die Aufträge nicht erfüllen.

Auch Dirk Gutmann, Geschäftsführer von „Holzbau Gutmann“ bestätigt: „Die Lieferzeiten sind lang und die Preise steigen. Wir beobachten das Geschehen täglich und tun unser Bestes aber ich denke, dass es noch drei bis vier Monate so weitergehen könnte. Ein, zwei Kunden haben wir auch schon auf nächstes Jahr vertröstet, da man die Hoffnung hat, dass sie dann günstiger weg kommen. Die Kunden, die ihr Material trotzdem haben möchten, müssen leider den Mehrwert bezahlen“. Wie es für die Handwerker nun weiter gehe, hänge davon ab, wie lange die Situation noch anhält. „Viele werden dies auf Dauer nicht durchhalten können“, so Binder.

„Die eklatante Baumaterialknappheit und die Preissteigerungen bei bestimmten Baumaterialien bereiten uns wirklich Sorgen. Wir schauen jeden Tag: Wo gibts Engpässe? Und dann versuchen wir natürlich auch, wo es geht, Lieferfähig zu bleiben und tun unser Möglichstes. Aber die enorme Preissteigerung können wir nun mal nicht auffangen, also wird es auch für den Verbraucher teurer,“ so René Siebert von der Hünfelder „Siebert Gruppe“. Weiter berichtet der Geschäftsinhaber von „Siebert“: „Es kommen mehrere Faktoren zusammen, warum die Situation ist, wie sie ist. Einmal die hohe Nachfrage, vor allem aus dem Ausland, Exporte, sowie steigende Preise bei den Fracht-

containern in Asien. Und Corona spielt natürlich auch eine Rolle. Durch Quarantäne oder Kurzarbeit wurde auch weniger produziert.“

Gutmann und Siebert sind sich einig: Beide berichten, dass die Tatsache, dass sehr viel Material nach Amerika verschifft wird, wesentlich zur aktuellen Situation beitrage.

„Mit Bestellungen haben wir auch massiv Probleme. Manche Bestellung werden derzeit erst nach Monaten geliefert. Teilweise warten wir noch auf Material, dass wir im Herbst bestellt haben“, berichtet Siebert. Derzeit wisse man nicht, ob die Preise in absehbarer Zeit wieder sinken oder vorerst so bleiben.

„Vor allem die Politik ist gefordert, hier Maßnahmen zu ergreifen, um die heimische Wirtschaft in dieser schwierigen Situation zu stützen. Unsere Unternehmen sind unverschuldet in diese Lage geraten und benötigen Unterstützung“, sagt Binder.

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