Rothenkirchen feiert 850-jähriges Bestehen

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Zweiter Versuch: Das „ausgefallene“ Jubiläum des Burghauner Ortsteil.

Rothenkirchen. In der Vergangenheit waren die Aufzeichnungen über die Geschichte von Dörfern und Städten vermutlich nicht in allen Details bekannt und beachtet. Dieser Umstand führte dazu, dass Rothenkirchen im Jahr 1950 auf Grundlage der seinerzeit vorliegenden Daten sein 800-jähriges Dorfjubiläum gefeiert hat. Folglich stand im Jahr 2000 der 850. Gemeindegeburtstag an… Oder vielleicht doch nicht?!

Die Vorbereitungen zum Jubiläumsfest waren bereits im Gange, als ein besonders aufmerksamer Mitarbeiter des "Marburger Staatsarchivs" nach intensiver Auswertung der Gemeindedaten zu dem Ergebnis gelangte, dass man sich im Dorf an der Haune mit dem Feiern wohl noch etwas gedulden müsse. Ergebnis seiner Nachforschungen und Grundlage für eine überraschende Nachricht: Das Fest wurde aufgeschoben, aber nicht aufgehoben! Zur Erklärung zitierte der Marburger Archivar, dass der Ort Rothenkirchen in einem Güterverzeichnis der Reichsabtei Fulda, dem so genannten Codex Eberhardi zwar sicher erwähnt, die entsprechende Datierung jedoch unpräzise sei. Genannter Codex wurde nachweislich in der Amtszeit des Abtes Markward I. von Fulda erstellt. Dessen Amtszeit erstreckte sich auf den Zeitraum von 1150 bis 1165. Folglich liegt das Jubiläumsdatum Rothenkirchens innerhalb dieses Zeitfensters.

Auf Grundlage der mittlerweile korrigierten Daten wurde das Jahr 2015 als Jubiläumsjahr ermittelt und alle Aktivitäten darauf ausgerichtet.Das Motto dazu lautete: "Auf geht’s zum zweiten Versuch!"

Seit etwa zwei Jahren plant der Festausschuss als koordinierendes Gremium für die verschiedenen Arbeitsgruppen zahlreiche Aktivitäten, die sich über das gesamte Jahr 2015 verteilen. Beginnend mit dem Neujahrsempfang bis zum Weihnachtsmarkt am 28. November ist und war das Jahr gespickt mit zahlreichen Veranstaltungen, die sowohl im Veranstaltungskalender der Homepage unterwww.rothenkirchen.com als auch auf "Facebook" veröffentlicht werden.Parallel dazu werden (wurden) zahlreiche weitere Projekte realisiert. Beispielhaft genannt seien die "bunten Kugeln", die an zahlreichen Stellen das Ortsbild verschönern oder auch die "Strickgeländer", welche einige Geländer der Brücken über den Rainbach verzieren.

Höhepunkt der Feierlichkeiten ist das zentrale Festwochenende  vom 4. bis 7. September – dem letzten Wochenende in den Sommerferien. Das Festprogramm wird auch auf informativen Flyern dargestellt, die in zahlreichen Geschäften in und um Rothenkirchen erhältlich sind.

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Rothenkirchen hat seit seiner letzen Jubiläumsfeier – wie viele andere Dörfer auch – einen markanten Strukturwandel erlebt: Der ehemals landwirtschaftlich geprägte Charakter ist dem einer reinen Wohngemeinde gewichen. Lediglich ein Vollerwerbslandwirt ist noch aktiv, der überwiegende Teil der Bevölkerung ist als Tagespendler erwerbstätig.

Im Gewerbegebiet "In der Breit", dem Standort des ehemals weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannten "Rasthauses Haunetal", haben sich Kfz-Gewerbe, Betonteilefertigung, Schreiner und Fensterbauer angesiedelt. Ferner ist im Ort ein Traditionsunternehmen der Strumpfherstellung ansässig.

Bis zum Jahresende 1971 war Rothenkirchen eine selbständige Gemeinde, die schon damals von fortschrittlichem Gedankengut geprägt war. Bereits in den sechziger Jahren wurde eine Infrastruktur geschaffen, die ihresgleichen suchte. Sowohl die Wasserversorgung als auch das Abwassersystem mitsamt einer bilologischen Kläranlage waren ihrer Zeit voraus. Die Erweiterung des Schulbaues war ebenso Thema, wie die Renovierung der "Markuskirche" oder der Ausbau des Straßennetzes.

"Dorf hinter dem Bahndamm" titelte die Hünfelder Volkszeitung im April 1972. Kurz vorher wurde der Unterrichtsbetrieb in der dorfeigenen Schule eingestellt, die Kinder gingen nun nach Neukirchen beziehungsweise Burghaun zur Schule. Der Milchbock mit den zahlreichen Kannen der kleinen Landwirtschaftsbetriebe gehörte schon fast der Vergangenheit an und der alte Bahnübergang, über den man Rothenkirchen über die sehr schmale alte Haunebrücke erreichte, wich kurz darauf einem modernen Brückenbauwerk.

Der alte Ortskern entlang der Brunnenstraße verlor an Attraktivität und musste sich zunächst der Konkurrenz eines mittlerweile ausgedehnten Neubaugebietes geschlagen geben. Nach und nach jedoch greifen auch im Dorfzentrum Renovierungs- und Neubaumaßnahmen, die dessen ursprüngliche Funktion wieder aufleben lassen. Anlässlich des dort geplanten stehenden Festzuges am ersten Septemberwochenende kann man sich persönlich ein Bild davon machen.Rothenkirchen ist das Dorf der sage und schreibe 18 Brücken, die Bundesstraße, Gemeindewege, die Haune oder den Lauf des Rainbaches überqueren, der einst die Ortshälften "hib-debach" und drib-debach" teilte.

Von einer intakten Dorfgemeinschaft zeugt das rege Vereinsleben. Neben dem Sportverein "SV Roland 1919", seinen der Schützenverein "Lützow 1908", der Männergesangverein ("MGV 1891" – mittlerweile mit weiblicher Verstärkung) sowie die ehemalige Volkstanzgruppe genannt.

Rothenkirchen verfügt über ein modernes Dorfgemeinschaftshaus, ein Multifunktionsgebäude in der Ortsmitte, dem sogenannten Brunnenhof , der unter anderem Stützpunkt der Freiwilligen Feuerwehr und ihrer sehr erfolgreichen Jugendabteilung ist.

Ferner ein neues Backhaus, ein herrlich gelegenes Schützenhaus sowie ein Sportlerheim, welches vom einstigen Umkleideraum" zu einer modernen Einrichtung für Sport geworden ist, die Schauplatz einiger Meisterschaftsfeiern gewesen ist.

Sämtliche historischen Bauwerke konnten in den vergangenen 50 Jahren restauriert werden, so dass Geschichte und Geschichten, zum Beispiel der "Markuskapelle" als Wahrzeichen des Dorfes, der "Markuskirche", der "Totenbrücke" und des Salzbrunnens auch weit über das Jubiläum zum 850. Geburtstag hinaus erlebbar bleiben.

Von der Kreativität und Leistungsfähigkeit einer intakten Dorfgemeinschaft kann sich jedermann(frau) im Jubiläumsjahr gerne selbst überzeugen.

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