Ruinen am Ring

Hnfeld. Die Firmen der Region scheinen besondere Beziehungen zur automobilen Rennszene zu pflegen. Baute vor drei Jahren das Holzunternehmen Dro

Hnfeld. Die Firmen der Region scheinen besondere Beziehungen zur automobilen Rennszene zu pflegen. Baute vor drei Jahren das Holzunternehmen Drott aus Simmershausen auf dem Luxusanwesen von Michael Schumacher am Genfer See eine Reithalle fr dessen Frau Corinna, so profiliert sich in diesen Tagen die Firma Bock aus Hnfeld: Mit einem personellen und maschinellen Kraftakt reit das Bauunternehmen derzeit auf dem legendren Nrburgring in der Eifel Tribnen, Gebude und Infrastruktur ab sozusagen in Formel-1-Geschwindigkeit.

Fr den kompletten Rckbau bleiben den Hnfelder Spezialisten nmlich nur gerade einmal drei Monate. Bis zum 29. Februar muss der gesamte Abriss ber die Bhne gegangen sein. Denn die Zeit drngt. Schon im Mai 2009 sollen beim Groen Preis von Europa wieder die Motoren der Formel-1-Boliden aufheulen. Bis dahin werden auf der jetzigen Grobaustelle eine neue Haupttribne, ein Shopping-Boulevard, eine Indoor-Arena, eine Event-Halle und weitere Attraktionen entstehen. Insgesamt investieren die Nrburg-Ring-GmbH und andere Privatanleger rund 215 Millionen Euro, informiert Bock-Bauleiter August Pfeffermann.

Doch bevor im Mrz der Grundstein fr das Projekt Nrburgring 2009 gelegt werden kann, muss erst mal die alte Bausubstanz weichen. Ende November 2007 erhielt die Firma August Bock & Sohn GmbH & Co. KG die Anfrage fr den Auftrag am Ring und schon wenige Tage spter, am 3. Dezember, war das Hnfelder Team mit neun Kettenbaggern, drei Radladern, einer Brecheranlage, rund 60 Containern und 30 Mann vor Ort an der weltbekannten Rennstrecke in der grnen Hlle der Eifel, wie sie im Rennfahrerjargon heit.

Neben dem Pressezentrum, Rennsportmuseum, der Kartbahn sowie einigen kleineren Bauten auf einer Gesamtlnge von 750 Metern waren die Tribnen T 3, 3a und 3 b der grte Brocken, den die Osthessen vor sich hatten. Um das 50 Tonnen schwere, an Drahtseilen hngende Tribnendach fachgerecht, vor allem aber sicher zu zerlegen, beauftragten die Firmenchefs Karl-Heinz und Andreas Bock eine Thringer Sprenggesellschaft.

Den historischen Moment vom 10. Dezember 2007 konnte ein Millionenpublikum dann am 4. Januar 2008 in einer Aufzeichnung am Fernsehschirm verfolgen, als die Star-Comedians Mario Barth und Atze Schrder spektakulr inszeniert auf den Knopf drckten und das Tribnendach krachend in sich zusammenfiel. Zuvor hatten sich beide vor groer Kulisse mit einem Ferrari und einem Porsche noch ein letztes Rennen geliefert. Der Verlierer Barth sprengte schlielich vor Wut und Verrgerung mit einem groen Knalleffekt die Tribne in die Luft.

Danach sah es auf dem Boxengelnde tatschlich so aus, als htte eine Bombe eingeschlagen: Betonteile, Stahlseile, Glasscherben, Schrauben, Lftungsrohre, Blech, Schrauben und vieles andere mehr lagen wst durcheinander. Doch auch hier wei die Firma Bock Bescheid: Die Unmengen an Stahlbeton, Bauschutt, Mineralwolle und Holz aus insgesamt 180.000 Kubikmeter berbautem Raum recyceln die Hnfelder direkt vor Ort. Auf einem eigens eingerichteten Sammelplatz werden die Materialien zerkleinert, sortiert und nach einem strengen Abfallkatalog entsorgt. Der weitaus grte Teil der Reste von den alten Gebuden wird sogar in Form von Sand und Steinen im Unterbau der neuen Anlage wiederverwendet.

Einen weiteren spektakulren Nebeneffekt gilt es in diesem Zusammenhang zu erwhnen: Die Firma Bock verfgt noch ber zahlreiche Schalensitze der Nrburg-ring-Arena, die bei Souvenirjgern uerst beliebt sind. Einige der begehrten Sammlerexemplare lieen Fans schon direkt auf der Baustelle mitgehen, der Groteil von 4.000 Stck soll nun bei eBay versteigert oder gegen ein Mindestangebot von 10 Euro, beispielsweise an Sportvereine der Region, abgegeben werden (Nachfragen bitte an Herrn Krauser von der Firma Bock, Telefon 06652/9620-0). Mglicherweise sitzen heimische Zuschauer dann mit ihren Popos auf Schalen, in denen schon Prominente wie der Papst oder Angela Merkel Platz nahmen. Die sollen auf Nummer 15 oder 18 gesessen haben ob das aber tatschlich der Fall war, kann ich nicht wirklich beweisen, schmunzelt Bauleiter August Pfeffermann.

Bis Ende des Monats sind die Hnfelder noch mit Bagger, Schrottschere, Sortiergreifer und Pulverisierer am Ring am Werk. Trotz der knapp bemessenen Frist liegen die Abriss-Experten gut im Zeitplan. Ein wenig Glck gehrte natrlich auch dazu, denn das Wetter spielte grtenteils mit und verschonte unsere Arbeiter weitgehend vor Schnee, sagt Firmenchef Karl-Heinz Bock. Zwar sei das Projekt an der berhmten Formel-1-Strecke eines der namhaftesten gewesen, das sein Unternehmen bis dato bernehmen durfte, mit vergleichbaren Umfngen habe man es aber fter zu tun.

Insgesamt beschftigt die Firma Bock, die kommendes Jahr 60-jhriges Bestehen feiert, rund 120 Mitarbeiter und ist vorwiegend im Abriss- und Recyclinggeschft sowie der Schadstoffsanierung ttig. Darber hinaus gehren der Straen-, Tief- und Hochbau zu den Kernkompetenzen des Traditionsunternehmens. (ehr)

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