"Gobi March": Sascha Gramm aus Hainzell marschierte 250 Kilometer durch die Wüste

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39-Jähriger absolviert 250 Kilometer langes Abenteuer als bester deutscher Teilnehmer / Anekdoten einer starken Gemeinschaft 

Hosenfeld - Der Stolz auf die eigene Leistung spiegelt sich in Sascha Gramms Zügen, wenn er beim Besuch der „Fulda aktuell“-Redaktion auf das große Abenteuer zu sprechen kommt, das ihn vom 29. Juli bis 4. August in die Mongolei geführt hatte. Denn dort nahm der 39 Jahre alte zweifache Familienvater aus Hainzell am 250 Kilometer langen so genannten „Gobi March“ teil – und dies mit herausragendem Erfolg.

Gramm: „„Bei diesem internationalen Rennen, bei dem rund 250 Läufer aus 48 Nationen am Start waren, konnte ich den 14. Gesamtplatz für mich verbuchen und bin somit bester deutscher Teilnehmer. Bei zwei der sechs Etappen landete ich sogar unter den ersten Zehn (10. + 5. Platz). Dies alles bedeutet, dass sowohl meine Vorbereitung als auch die Wettkampf- und Verpflegungstaktik voll aufgegangen sind. Für einen Freizeitsportler wie mich, der gleichwohl sehr ambitioniert ist, kann man das Ergebnis schon als kleine sportliche Sensation bezeichnen“. Geholfen habe ihm dabei sicherlich auch sein Glücksbringer, eine Kette, die ihm seine große Tochter mitgegeben hatte. Mitgebracht hat er schließlich noch einen weiteren Armschmuck, und zwar mit Steinen aus der Wüste Gobi.

Der 39-Jährige erinnert sich an die Unterstützung durch den erfahrensten und derzeit besten deutschen Wüstenläufer, Rafael Fuchsgruber, mit dem er als Mitglied des „Little Desert Runners Club" aktiv war. Fuchsgruber hatte anlässlich seines zehnjährigen Wüstenlaufjubiläums den Laufclub gegründet, um Anfängern die Möglichkeit zu geben, an Wüstenrennen teilzunehmen. Gramm: „Und ich war einer davon“.

Um bestehen zu können, bedurfte es freilich Einiges an guter Vorbereitung: Neben speziellem Training, angeleitet durch die deutsche „Lauflegende“ Hubert Karl, stellte für Gramm auch die Ausrüstungs- und Ernährungsfrage eine besondere Herausforderung dar. Denn außer dem Zelt musste man alles selbst auf dem Rücken mitnehmen. Außer dem lebensnotwendigen Wasser galt es, sich während der gesamten Tour selbst zu verpflegen. Hierzu waren Lebensmittel mit einer Gesamtkalorienzahl von 14.000 nachzuweisen, um überhaupt starten zu dürfen. Hinzu kamen die teils extremen Temperaturschwankungen.

Der gelernte Betriebswirt und Lauftrainer kommt ins Schwärmen, wenn er von der „solidarischen eingeschworenen Gemeinschaft“ spricht, mit der er tagelang unterwegs war. „Das war ein stetes Geben und Nehmen, ohne dass dies besonders betont worden wäre. Ein tolles Gefühl!“ Während des Laufs seien richtige Freundschaften entstanden; beispielsweise mit dem Polen Mikael, dem Briten Simon, mit Ryan aus den USA oder mit Malcolm aus Australien.

Und Gramm hat natürlich einige Anekdoten parat: So von dem Japaner Masoto, der von der japanischen Fußballnationalmannschaft einen Ball überreicht bekommen hatte: „Den hat er die ganzen 250 Kilometer am Fuß geführt. Und das über Berg und Tal“. Oder von den beiden jungen Frauen aus Afghanistan, die aus Furcht vor Repressalien nur geheim hatten trainieren können: „Obwohl eine von ihnen wegen Verletzung ausgeschieden war, wurde sie im Etappenziel mit standing ovations gefeiert und ihr so höchster Respekt bekundet. Das war schon Gänsehaut-Feeling pur“.

Der „Gobi March“ war Bestandteil der so genannten „4 Deserts-Serie“, die zu den zehn härtesten Ausdauer-Wettbewerben der Welt zählt. Dabei laufen Extremsportler durch vier faszinierende Wüsten: „Atacama Crossing“ in Chile, „Sahara Race“ in Namibia (ehemals Ägypten) und eben durch die Mongolei. Das Finale findet in der Eiswüste der Antarktis statt.

Der Hainzeller lobt die sehr gute Organisation mit den täglich rund 400 internationalen und einheimischen Helfern, die nicht nur den Auf- und Abbau der Lager bewerkstelligt, sondern auch für die Sicherheit, medizinische Versorgung und Betreuung der Teilnehmer gesorgt hätten. Übernachtet wurde übrigens zu Siebt in Jurten oder Zelten: Gemeinsam mit drei weiteren Läufern aus Deutschland und drei Dänen war Gramm in „Zelt Nr. 17“ untergebracht. Jedem stand etwa ein Quadratmeter zur Verfügung, und an Schlaf war nicht unbedingt zu denken. Was besonders mit dem harten Untergrund zu tun hatte.

Die Teilnahme am „Gobi March“ hatte für Gramm aber noch einen weiteren Effekt: Die „Stiftung Tapfere Kinder“. Denn pro gelaufenen Kilometer wollte er einen möglichst hohen Spendenbetrag für diese gute Sache akquirieren. Heimische Unternehmen haben immer noch die Möglichkeit, den Spendenbetrag weiter aufzustocken.

Diejenigen Firmen, die mit im Boot waren, um ihn zu unterstützen, will er im Umkehrschluss mit seiner Aktivität als Lauftrainer entgegenkommen. Dies können Laufworkshops, Lauf-Events, SightRunning-Touren durch Fulda oder auch Vorträge/Erlebnisberichte sein.

Einmal auf den Geschmack gekommen, gibt es natürlich neue Ziele: So hat Gramm das Angebot vorliegen, in 2019, passend zum 40. Geburtstag, beim 520-Kilometer-Rennen im australischen Outback unterwegs sein. Erst nach der Verarbeitung der aktuellen Geschehnisse entscheidet Gramm über eine mögliche Teilnahme.

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