Schlosstheater Fulda ist seit 40 Jahren kulturelles Zentrum

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Gegen Ende der 1960-er Jahre war auch ein Kino im heutigen Schlosstheater untergebracht 
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Verabschiedung der langjährigen Theaterleiterin Angelika Lieder durch Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld. Rechts der jetzige Leiter des Schlosstheaters, Christoph Stibor.
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Einweihung im Juli 1978

Spielstätte wurde im Juli 1978 feierlich eingeweiht / Programmvielfalt erreicht Besucher aus nah und fern

Fulda - Die Faszination des Fuldaer Schlosstheaters ist auch nach 40 Jahren ungebrochen. Dies dürften auch all jene so empfunden haben, die am vergangenen Samstag die Premiere der mittlerweile dritten Wiederaufnahme des Musicals „Der Medicus“ miterlebten. Minutenlang bebte am Ende der über dreistündigen Inszenierung das Schlosstheater, entboten die Zuschauer standing ovations.

In seinem Jubiläumsjahr zeigt sich die im Juli 1978 feierlich eingeweihte Spielstätte einmal mehr als ein Ort der Vielfalt und geeignet für die unterschiedlichsten Veranstaltungen. Die nicht unbedingt kultureller Natur sein müssen, wie diverse Jahresempfänge beweisen. Vor fast 300 Jahren hatte Fürstabt Amand von Buseck nach den Plänen des Baumeisters Andrea(s) Gallasini den Schlossbau um eine barocke (Winter)-Reithalle ergänzen lassen. Der gut 20 Meter hohe Bau mit seinem in Richtung Schlossgarten weisenden barocken Walmdach war seitlich mit Stallgebäuden erweitert worden und hatte so bereits die Form, die man heute von der Schlossstraße erkennen kann.

1947 war im Freundeskreis um Michael Schmitt erneut der Gedanke aufgekommen, nach einem für Theater- und Opernaufführungen geeigneten Raum zu suchen. Dieser Wunsch stand Pate für die 1947 erfolgte Gründung der „Schlosstheater Fulda GmbH.“ Sie war es, die das 1746 ursprünglich als Reithalle erbaute und später als Turnhalle genutzte Gebäude von der Stadt in der Absicht pachtete, es umzubauen. Auch wenn sich die GmbH vor der Errichtung des Schlosstheaters auflöste (heute gibt es den Verein „Freunde und Förderer des Schlosstheaters“), so legte sie und einige ihrer Mitglieder auch finanziell den Grundstock für das neue rund 13,3 Millionen Mark teure Haus, das der damalige Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Hamberger als „gelungenes Beispiel moderner Architektur in historischer Bausubstanz“ bezeichnete und die Zielsetzung „Kultur in der Stadt – Theater für alle“ formulierte. Die „Fuldaer Sparkasse“ finanzierte knapp die Hälfte des Vorhabens, das unter Federführung des Architekturbüros „Gerhard Weber & Partner“ entstand und im kulturellen Bereich das größte kommunale Bauprojekt der 1970er Jahre darstellte.

Zum Erfolg des Schlosstheaters, bei dem man die kulturell ergänzenden Stätten wie Fürstensaal und Rokokosaal nicht vergessen sollte, hat eine hohe Kontinuität in der Theaterleitung beigetragen: Die Programmgestaltung lag zwischen 1954 und 1980 in den Händen von Hermann Antaszek, in der Zeit von 1980 bis 1999 bei Ulrich Vogt, danach bis Herbst 2016 bei Angelika Lieder und seitdem bei Christoph Stibor (siehe auch nachstehendes Gespräch).

Gespräch mit Theaterleiter Christoph Stibor

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Schlosstheaters Fulda hat „Fulda aktuell“ Theaterleiter Christoph Stibor mehrere Fragen zugesandt. Nachfolgend die Antworten Stibors, der im Herbst 2016 auf Angelika Lieder folgte und zuvor die Musikschule leitete.

Fulda aktuell: Welchen Stellenwert nimmt das Schlosstheater im kulturellen Leben der Stadt ein?

Stibor: Das Schlosstheater ist seit jeher einer der Dreh- und Angelpunkte der städtischen Kulturarbeit. Es ist das einzige Theater dieser Größe in der Region, in der immerhin 300.000 Menschen leben, und unterstreicht mit seinem vielseitigen Programm die Rolle Fuldas auch als kulturelles Oberzentrum. Für das Selbstverständnis als lebenswerte, liebenswerte und stetig wachsende Stadt ist ein anspruchsvolles und lebendiges Theater- und Konzertangebot einfach unverzichtbar.

FA: Wie hoch ist die Auslastung der Spielstätte im Jahr 2017 gewesen?

Stibor:  Eine Prozentzahl zu nennen (diese läge auf jeden Fall weit über 80 Prozent), ist wenig aussagekräftig, da die Zahl der maximalen Sitzplätze bei den einzelnen Veranstaltungen erheblich schwankt. Mal wird der Orchestergraben benötigt, mal steht ein Mischpult im Zuschauerraum, mal wird auf der Bühne gespielt. Wir zählen lieber die Besucher, und das sind pro Saison rund 31.000 im Theater (60 Aufführungen, im Schnitt 500 Besucher) und rund 4000 bei den Konzerten (15 Konzerte, im Schnitt 250 Besucher).

FA: Was macht das Erfolgsrezept des Schlosstheaters aus?

Stibor: In Fulda gaben sich in den letzten 40 Jahren viele prominente Künstlerinnen und Künstler die Klinke in die Hand. Das ist sicherlich einer der großen Vorteile eines Gastspielhauses, wenn es finanziell entsprechend ausgestattet ist. Zunächst aber gilt es, den kommunalen Kulturauftrag zu erfüllen, also allen Bürgern einen Zugang zur Kultur zu ermöglichen. Dies geschieht zum einen über ausgesprochen moderate Eintrittspreise, die zwischen vier und 28 Euro liegen. Für Berechtigte der „Fuldaer Tafel“ gibt es sogar kostenlose Restkarten. Zum anderen steht das Theater- und Konzertprogramm für eine enorme Vielfalt, denn im Gegensatz zu vielen Bühnen in den Metropolen kann und will sich das Schlosstheater nicht spezialisieren, sondern eine Rundumsicht auf die Theater- und Konzertlandschaft bieten. Es darf sein Publikum unterhalten, aber durchaus auch fordern, gerade wenn es um aktuellere künstlerische Entwicklungen und brennende gesellschaftliche Fragen geht. Ein schöner Beleg für die Vielseitigkeit ist die Abonnementstruktur: Es gibt zwei Schauspiel-Abonnements, ein Tanztheater-Abonnement, ein Operetten-Abonnement, zwei Konzert-Abonnements und zwei gemischte Abonnements, in denen vom Schauspiel über das Musiktheater bis hin zu Konzert und Kabarett oder Clownerie jeweils ein buntes Programm steckt.

FA: Gibt es eine Aufstellung darüber, woher die Besucher kommen?

Stibor:  Knapp die Hälfte aller Besucher kommt nicht direkt aus Fulda, sondern aus der Region oder auch von weiter außerhalb. Da man als Besucher ungern private Daten preisgibt, ist unsere Datengrundlage begrenzt. Wir registrieren aber bei besonders hochwertigen Veranstaltungen schon, dass auch Gäste beispielsweise aus dem Frankfurter Raum kommen. Was besonders erwähnenswert ist: Studierende, die inzwischen sehr gezielt angesprochen werden, finden immer häufiger den Weg in das Schlosstheater.

FA: Wie sehr pushen die Erfolge des „Musicalsommers“ das Schlosstheater?

Stibor: Ein Sommerfestival mit gerade mal drei verschiedenen Abendprogrammen kann den Kulturauftrag einer Kommune nicht ganzjährig erfüllen. Schließlich findet es in kompakter Form in der Ferien- und Urlaubszeit statt und hat somit eine sehr starke touristische Komponente. Hier werden zwar respektable Erfolge erzielt, das Schlosstheater mit seiner jahrzehntelangen Konstanz braucht jedoch keinen Push vom „Musicalsommer“. Eher ist es umgekehrt, denn würde das Schlosstheater in seiner spielfreien Zeit nicht dem Musicalsommer überlassen werden, könnte dieser gar nicht stattfinden. Für den städtischen Theaterbetrieb bedeutet das einen erheblichen organisatorischen Mehraufwand; das sollte man nicht übersehen.

FA: Was ist dem Schlosstheater für die nächsten 40 Jahre zu wünschen?

Stibor:  Das wunderbare Schlosstheater ist, salopp gesagt, nur eine leere Hülle, die immer wieder neu mit Leben gefüllt werden will. Es steht zwar in der Provinz, muss deswegen aber keineswegs provinziell sein. Durch die zentrale Lage in Deutschland kann man hier enorm viele spannende Bühnen- und Musikproduktionen zusammenführen, in der Jubiläumssaison etwa das „Deutsche Theater Berlin“, die „Münchner Kammerspiele“, das „Theater in der Josefstadt Wien“, das „Meininger Theater“, die „Elbphilharmonie“, Tanztheater aus New York, Montreal, Straßburg, Peking und viele mehr. Diesen Weg konsequent weiterzugehen und auch zu verteidigen, wenn es wirtschaftlich mal enger werden sollte, wäre dem Theater zu wünschen, denn die gesamte Region wird durch ein derart hochkarätiges Kulturangebot aufgewertet.

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