Schönstatt-Zentrum als fester Bestandteil im Leben von Dietershausen

Künzell/Dietershausen. Seit über 75 Jahren schon ist das Schönstatt-Zentrum, auf einer kleinen Anhöhe gelegen, ein prägender Teil von Dietershau

Künzell/Dietershausen. Seit über 75 Jahren schon ist das Schönstatt-Zentrum, auf einer kleinen Anhöhe gelegen, ein prägender Teil von Dietershausen. Die heute insgesamt 52 Marienschwestern gehören zur Gemeinschaft des Künzeller Ortsteils dazu, und selbst das nationalsozialistische Regime vermochte dieses starke Band  nicht zu zerstören.

Für Außenstehende mag es überraschend sein, doch das Schönstatt-Zentrum hat drei Oberinnen: Schwester M. Ilga Dreier steht dem Provinzhaus vor, Schwester M. Gerlindis Grimm der Altenstation und Schwester M. Annemonika Heil dem Josef-Engling-Haus. Mehrere Diözesen gehören zu einer Provinz der Schönstätter Marienschwestern – in diesem Falle Fulda, Hildesheim, Mainz, Limburg und Speyer. "In Deutschland gibt es 960 Marienschwestern, weltweit sind es 2.200, die auf allen Kontinenten vertreten sind", schildert Oberin Schwester M. Ilga. Das Schönstatt-Zentrum Dietershausen sei für die Schwestern der Provinz und die Schönstattfamilie in der Diözese Fulda "Heimat- und Schulungsort" zugleich, die Schönstatt-Kapelle eine Stätte der Gnade. Der Grundgedanke "Gottes Gnade baut auf der Natur des Menschen auf" und die Quelle der Schönstatt-Bewegung, die Beziehung zur Gottesmutter Maria, das so genannte "Liebesbündnis", kämen hier zum Ausdruck.

In 2014 feiert die Schönstatt-Bewegung, die am 18. Oktober 1914 von Pater Josef Kentenich gemeinsam mit einigen Jugendlichen bei Vallendar nahe Koblenz ins Leben gerufen worden war, ihr 100-jähriges Bestehen. "Bis zu diesem Jubiläum haben wir jedes Jahr unter ein ganz bestimmtes Leitmotiv gestellt", betont Schwester M. Ilga. 2011 stehe der "Gott des Lebens" im Mittelpunkt, was aufzeigen solle, dass Gott auch heute gegenwärtig und wirksam sei und von den Menschen in all ihren Lebensbereichen wahrgenommen werden könne. Pater Kentenich war übrigens zwei Mal zu Besuch in Dietershausen: 1946 und 1967.

"Die Schönstatt-Bewegung versteht sich als internationale Bewegung innerhalb der katholischen Kirche, als geistliche Familie von Priestern, Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern", lautet die Selbstdarstellung. Ziel sei, "im Bündnis mit Maria Menschen für Christus zu gewinnen und mitzubauen an einer Kultur der Liebe und an einer neuen christlichen Gesellschaftsordnung". Neben eigenen Angeboten, die diesen spirituellen Anspruch aufgreifen, nutzt man das Provinzhaus und das Josef-Engling-Haus, benannt nach einem der ersten Mitglieder der Schönstatt-Bewegung, der in den Weltkriegstagen 1918 im Alter von 20 Jahren gefallen ist, als "offenes Haus für Gastgruppen". Dazu zählen Familienkreise, Erstkommunionkinder, Firmgruppen, Dekanatskonferenzen, Schulendtage sowie familiäre Feiern wie Taufen und Tröster. Und da es um die Gastronomie von Dietershausen derzeit nicht gerade gut bestellt ist, gibt es immer mehr Anfragen, die man mit 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu bewältigen versucht. "Jeder kann kommen", lautet die Devise – und dies beschränke sich nicht nur auf katholische Christen.

Die Marienschwestern verstehen sich "als Ergänzung zu den Angeboten in Pfarrei und Pastoralverbund, nicht als Konkurrenz", wie Schwester M. Ilga unterstreicht. Gerade mit der Pfarrgemeinde gebe es eine enge Zusammenarbeit, was beispielsweise Krankenbesuche, Hilfen für pflegende Angehörige oder auch Sterbebegleitung betrifft. Den Schwestern werden zahlreiche Sorgen, Nöte und Anliegen anvertraut, die sie mit ihrem Gebet begleiten. Sehr gut seien auch die Kontakte zur politischen Gemeinde: "Auf Ortsvorsteher Holger Philipp können wir uns in vollem Umfang verlassen, unsere Angelegenheiten sind bei ihm in guten Händen. Und auch bei Künzells Bürgermeister Peter Meinecke spüren wir, dass wir in seinem Blick sind."

Die Basis für die enge Beziehung zur Bevölkerung wurde während des Dritten Reiches gelegt, als sich die Marienschwestern der Nazi-Herrschaft widersetzten und ihnen jede öffentliche Tätigkeit verboten wurde. Nach ihrer Enteignung hätten sie das Bistum Fulda eigentlich verlassen müssen, wurden aber von mutigen Dietershäusern auf eigene Gefahr aufgenommen. Bei Kriegsende wiederum war es eine Marienschwester, die den anrückenden amerikanischen Panzern mit der weißen Fahne entgegen ging und so das Dorf vor der möglichen Zerstörung bewahrte. 2010 war das 75-jährige Bestehen des Schönstatt-Zentrums, das parallel zur 1200-Jahrfeier des Ortes gefeiert werden konnte, sogar Motivation für den ansässigen Gartenfachbetrieb, eine "Marienhöhe-Rose" zu züchten.

Auch das Schönstatt-Zentrum Dietershausen hat mit dem demografischen Wandel zu kämpfen, liegt das Durchschnittsalter der Marienschwestern doch bei 73 Jahren. Daher sei es wichtig, das Zentrum zukunftsfähig zu halten und – wie in jüngster Vergangenheit geschehen – junge Frauen für das Leben als Schönstätter Marienschwester zu begeistern. Denn die Herausforderungen werden nicht weniger, zumal die Angebote aufrecht erhalten beziehungsweise ausgebaut werden sollen - so das alljährliche "10 Minuten an der Krippe" mit Weihnachtsliedern, Kinder- und Familiensegnung oder auch das "Projekt Pilgerheiligtum", an dem sich derzeit zahlreiche Familien in der Diözese beteiligen. "Dadurch wird das Interesse sowohl an der jeweiligen Pfarrei als auch an sozialen Fragen verstärkt", urteilt Schwester Ilga, die von einem "wachsenden sozialen Bindungsnetz" spricht.

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