Schonungslos ehrlich: Nacktexperiment-Teilnehmer Markus Trott im Gespräch

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Markus Trott aus Rhina ist Teilnehmer der TV-Sendung „No Body is perfect“. Im Interview spricht er offen über Sexualität, Nacktheit und das Singledasein eines 30-Jähringen.

Markus Trott aus Rhina ist Teilnehmer der TV-Sendung „No Body is perfect“. Im Interview spricht er offen über Sexualität, Nacktheit und das Singledasein eines 30-Jähringen.

Osthessen - Markus Trott ist 30 Jahre alt, stammt aus Haunetal und lebt derzeit in Dortmund. Als Statist stand er schon bei mehreren TV-Produktionen vor der Kamera. Er war jetzt Teilnehmer der Sendung „No Body is perfect – Das Nacktexperiment“, bei der vier Coaches Menschen, die ihren Körper für nicht perfekt halten, dazu bringen wollen, zu ihrem eigenen Körper zu stehen und diesen lieben zu lernen.

 Gedreht wurde auf der griechischen Insel Mykonos, und die Coaches trugen die meiste Zeit nur Bodypaintings. Am vierten und letzten Tag dann allerdings nur noch Adams- beziehungsweise Evakostüme. Die drei Teilnehmer waren meist angezogen, aber auch an ihnen gingen Bodypainting-Auftritte und mehr nicht vorbei. Markus erzählt im Gespräch mit „Fulda aktuell“ von seinen Erfahrungen.

„Ich hatte mich beworben, weil ich einfach nicht von mir überzeugt war. Mir war einfach bewusst, dass mein Selbstvertrauen nicht da war, wo ich es erhofft hatte“, so der 30-Jährige. Schönheitsoperationen könnten nicht alles „korrigieren“, und er habe lernen müssen, seinen eigenen Körper mit allen seinen Merkmalen zu akzeptieren. „Auch das Umfeld machte so etwas schlimmer“, sagt Markus. „An meinem Körper finde ich meine Akne, meinen Bauch und meine Oberschenkel nicht besonders toll“, erzählt er.

Ein festes Ziel

Ehe er sich überhaupt beworben hatte, setzte sich Markus zum Ziel, zu all dem zu stehen, was bisher in seinem Leben geschehen ist. Für die Bewerbung hatte er ein Video eingesandt, wurde dann zu einem Casting nach Köln eingeladen und wurde erneut befragt und aufgenommen. Einige Tage später habe er die Mitteilung bekommen, dass er beim Dreh auf Mykonos dabei sei. „Es gab auf der Insel ein tolles Gespräch mit dem Coach Daniel, wo wir unter anderem über meine Sexualität sprachen. Ich bin bisexuell, weiß allerdings nicht, wie ich meine Gefühle erkennen kann. Derzeit ist der 30-Jährige Single. „Er oder sie soll keineswegs ein ,Püppchen‘ sein, sondern viel mehr einen guten Charakter, aber auch selbst Ecken und Kanten haben. Ich finde es schade, dass man ein ,Etikett‘ umgehängt bekommt, wenn man nicht heterosexuell ist. Es ist doch egal, was man ist. Hauptsache, man ist glücklich damit, was man ist“, sagt Markus voller Überzeugung

 „Ein tolles Team“

„Der Umgang mit den anderen Teilnehmerinnen Milana und Antje war super. Beide sind total nette Menschen, mit denen ich über alles reden konnte. Wir haben immer noch Kontakt und wollen uns auf jeden Fall nach der Ausstrahlung wiedertreffen.“ Sein Coach war Plus-Size-Model Daniel Schneider, aber auch Tanzpädagogin Sandra Wurster kümmerte sich um ihn. „Ich fand beide echt super. Sie zeigten mir, dass ich bestimmte Dinge nicht zu Herzen nehmen, gerade und nicht gebückt laufen oder mehr lachen soll. Es war einfach ein tolles Team vor der Kamera und jeder ging mit meinen Defiziten super um. Ich bekam Komplimente zu hören, die ich lange nicht mehr gehört hatte“, erzählt Markus.

Das Ziel des 30-Jährigen war, sein Selbstwertgefühl zu verbessern. „Das hat geklappt“, sagt er im Nachhinein. „Was ich mir erhoffen würde, wäre, dass man mich dann vielleicht mit mehr Respekt behandelt“, sagt er. Dazu solle man sich die Sendung aber auf jeden Fall anschauen.

Denn Markus hat auch ein gesundheitliches Problem, das Außenstehende nicht auf Anhieb erkennen können. „Vor rund einem Jahr bekam ich die Diagnose, dass bei mir ein Verdacht auf Autismus in einer leichten Form des Asperger-Syndoms vorliegt“, erzählt er. „Was auch Greta Thunberg hat“, schmunzelt er dabei. Er erkenne seine eigenen Gefühle nicht richtig, habe beispielsweise Probleme mit Ironie und Sarkasmus, habe Wutaffekte und eine „andere Verdrahtung im Kopf, sodass ich einiges anders verstehe.“

Da Markus auf der Suche nach einer festen Partnerin beziehungsweise einem festen Partner ist, würde er sich darüber freuen, über „Facebook“ angeschrieben zu werden. Bei „Instagram“ hat er den Account „Autismus_reise“.„Dort erzähle ich darüber, wie ich zum Verdacht auf Autismus kam und wie ich damit lebe“, so der 30-Jährige. Über beide Portale sei es möglich, ihn direkt zu kontaktieren.

Was Markus kurz vor Erscheinen dieses Interviews erfuhr: „Sat 1“ hatte die vierte und letzte Folge, deren Ausstrahlungstermin am kommenden Montagabend gewesen wäre, aus dem Programm genommen. „Ich finde es einfach nur schade. Die Sendung hatte Potenzial. Ich fühle mich, als ob ich überfahren wurde oder jemand gestorben ist“, sagt er traurig. Allerdings ist die Folge mit Markus Trott auf „Joyn“ zu sehen. Am „Weltfrauentag“ soll die Sendung auf „Sixx“ gezeigt werden. Er selbst weiß noch nicht, was die Coaches vor der Kamera über ihn sagten.

„Ob ich mir das alleine oder mit einer Freundin es anschaue, steht noch nicht fest“, sagt er hoffnungsvoll und mit einem Augenzwinkern. Denn trotz seiner Bisexualität wünscht er sich momentan eine Frau an seiner Seite, wie er am Ende des Interviews verrät.

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Wir berichteten bereits über den Haunetaler:  Wirkungsvoll in Szene gesetzt: Markus Trott aus Osthessen war Komparse bei mehreren Serien und einem Film

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