Was steckt hinter dem Eichenzeller "Schredderstreit"?

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Bürgermeister Dieter Kolb (links) im Gespräch mit "Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz

Was steckt hinter dem Eichenzeller "Schredderstreit"?

Eichenzell - Seit einigen Monaten bereits schwelt in Eichenzell eine sehr heftige Diskussion, von der Bürgermeister Dieter Kolb sagt, dass sie die Gemeinde in mehrere Lager spalte. Wobei die Argumente mitunter schier unversöhnlich aufeinanderprallen, gepaart mit heftigen Emotionen, insbesondere mögliche gesundheitliche Schäden betreffend.

Ausgangspunkt war das Bestreben der kommunal Verantwortlichen, das Unternehmen „Weider-Erdarbeiten“, das Bauschutt und Böden aufbereitet, vom Industriepark Rhön in Welkers in die Löschenröder Gemarkung „Im Oberfeld“ umzusiedeln. Um das dann freiwerdende Areal für Technologieformen zu nutzen. Ein Antrag auf Erweiterung am alten Standort, den das Unternehmen gestellt hat, liegt derzeit „auf Eis“.

Inzwischen hat es eine Bürgerversammlung gegeben, zu der Edwin Balzter als Vorsitzender der Gemeindevertretung eingeladen hatte („Fulda aktuell“ berichtete ausführlich) – und die es doch nicht schaffte, die Wogen zu glätten. Für kommenden Dienstagabend hat die IG „Kein Schredder“ um 19 Uhr in der „Kulturscheune“ eine weitere Informationsveranstaltung terminiert, wobei dann wohl auch die beiden Initiativen von SPD und „Bürgerliste“ zur Sprache kommen werden, der Gemeindevorstand solle sich von den Umsiedlungsplänen verabschieden.

„Am darauffolgenden Donnerstag, 11. Mai, wird es in der Gemeindevertretersitzung darüber noch keine Entscheidung geben“, formuliert Bürgermeister Kolb im gemeinsamen Gespräch mit der „Fulda aktuell“-Redaktion, an der auch Nico Schleicher, Leiter der Bau- und Liegenschaftsverwaltung sowie verantwortlich für Grundstücksangelegenheiten, teilnimmt. Allerdings werde man den Parlamentariern am 11. Mai eine Liste mit denjenigen Standorten vorlegen, die zwar alternativ geprüft wurden, aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht zur Verfügung stehen. Vor zwei Wochen habe es einen gemeinsamen Ortstermin unter anderem mit Vertretern des Regierungspräsidiums (RP) Kassel und des Landkreises gegeben, um zu prüfen, welche Örtlichkeiten realisierbar sind. „Wir sind mit hoher Priorität dabei, alternative Standorte zu finden. Allerdings muss das Areal auch verfügbar sein“, so Kolb. Ziel sei, den Gemeindevertretern am 22. Juni entsprechende Vorschläge zu unterbreiten.

Dem Bürgermeister zufolge spaltet sich die Gemeinde derzeit in drei Gruppen: zunächst einmal in jene, die Gegner der Ansiedlung in Löschenrod seien, „und die zum Teil mit Emotionen und nicht zutreffenden Veröffentlichungen haben mobilisieren können“. Dies betreffe vornehmlich den Kernort sowie Kerzell und Löschenrod. Dann gebe es die Gruppe derjenigen, die – dem „St. Florians-Prinzip“ folgend – eine Umsiedlung befürworteten und betonten, dass in Löschenrod alle Vorgaben eingehalten würden. Diese kämen vornehmlich aus Welkers und Rönshausen. Und dann sei da noch die neutrale Gruppe, die eine objektive Diskussion befürworte.

Eindeutig die Aussage Kolbs, wonach „Löschenrod nicht vom Tisch ist“ – genauso wie auch Äußerungen nicht zutreffend seien, dass Weider seine Pläne aufgegeben habe. Dem Bürgermeister zufolge gibt es letztendlich drei Möglichkeiten, um zu einer Lösung zu kommen: Man finde einen anderen geeigneten Standort und zugleich die dafür notwendigen Mehrheiten. Oder Weider siedle nach „Im Oberfeld“ um, verbunden mit weiteren vertraglichen Bedingungen wie Verbesserungsvorschlägen zu Lärmschutz und Betriebszeiten. Oder aber es komme zu einer Erweiterung am bisherigen Standort, wenn das Unternehmen vielleicht von Privatleuten weiteres Gelände erwerben könne.

Kolb wird übrigens nicht am Dienstag bei der Veranstaltung der IG „Kein Schredder“ zugegen sein. Hintergrund sei unter anderem der, dass die IG im Vorfeld der Bürgerversammlung sowohl die Namen der Sachverständigen als auch die Gutachten, die vorgestellt werden sollten, hätte vorlegen sollen. Was nicht geschehen sei. Das aber sei eine Sache der Fairness und habe mit einem offenen Umgang zu tun. Man selbst habe alle Unterlagen an die IG gegeben.

Mehr zum Thema Umsiedlung der Firma "Wieder":

- Kommentar: "Schredderstreit" sorgt für tiefe Gräben

- Hitzige Diskussion: Umsiedlung der Firma „Weider“ spaltet eine Gemeinde

- Einwohner sind in Sorge: Mehr Krebsfälle in Eichenzell?

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