An den Schwarzkittel

Osthessen/Wiesbaden. Sie sind zur Zeit in aller Munde. Wobei sich diese Aussage nicht ausschlielich auf den kulinarischen Aspekt be

Osthessen/Wiesbaden. Sie sind zur Zeit in aller Munde. Wobei sich diese Aussage nicht ausschlielich auf den kulinarischen Aspekt bezieht. Die Rede ist von Wildschweinen, die sich in den vergangenen Jahren in einigen Gegenden Hessens beraus stark vermehrt haben.

Deshalb hatte der Staatssekretr im Hessischen Umweltministerium, Karl-Winfried Seif, noch im alten Jahr zu einem zweiten so genannten Schwarzwild-Gipfel nach Wiesbaden eingeladen. Die in Hessen weiterhin regional durchaus sehr hohen Schwarzwildbestnde haben mich dazu bewogen, sagte Seif. Die zahlreichen Unfallmeldungen im Straenverkehr, die nicht abnehmen wollenden Anzeigen von Wildschden in der Landwirtschaft und die Ausflge von Wildschweine in stdtische Bereiche haben mich sehr bewegt. Wir mssen gemeinsam Wege finden, wie wir dieser Entwicklung entgegenwirken knnen! Schnell habe sich Einigkeit unter den anwesenden Vertreter verschiedener Behrden und Verbnde gezeigt, gemeinsame Lsungswege zu erarbeiten, um den Trend, der in den vergangenen 25 Jahren stetig angewachsenen Schwarzwildbestnde in Hessen zu brechen. Seif dazu: Eine nachhaltige Reduktion der Wildschweine ist dringend und auch aus der Sicht der Seuchenprvention erforderlich. Allein durch den letzten Ausbruch der europischen Schweinepest in Nordrhein-Westfalen sei ein volkswirtschaftlicher Schaden in Hhe von etwa 70 Millionen Euro verursacht worden. Es gelte nun, die in einigen Regionen bereits sehr erfolgreich praktizierten Bejagungsstrategien landesweit umzusetzen.

Der Staatssekretr fasste die Lsungsanstze zusammen. Nach intensiver Diskussion sehen wir folgende Manahmen als notwendig an:

Information der ffentlichkeit, insbesondere zum Thema Wildschweine im besiedelten Raum Appell an Hessens Jgerschaft zur flchendeckenden Umsetzung effektiver Jagdmethoden deutliche Bestandesreduktion verbunden mit dem Aufbau einer intakten Sozialstruktur bei den Wildschweinen Vorbeugung von Seuchen Intensivierung gemeinschaftlicher Bewegungs- und Ansitzjagden bevorzugte Bejagung von Frischlingen und berlufern verstrkte Anstrengung der Verpchter von Jagdrevieren - Eigenjagdbesitzer, Jagdgenossenschaften, Land Hessen bereits im Jagdpachtvertrag revierbergreifende Jagden verankern sowie Regelungen zur Futtermittelausbringung vorsehen. Verzicht auf die Ausbringung zustzlicher Futtermittel (der sogenannten Kirrungen) und Intensivierung der Kontrollen der genehmigten Kirrungen Einstellung der Nachtjagd auf Schwarzwild in Rotwildgebieten Fortsetzung der zahlreichen Beteiligung privater Jger auf den Jagdflchen des Landes Hessen Erarbeitung gemeinsamer Strategien von Polizei und Jgerschaft zum Umgang mit Wildtieren im besiedelten Raum und Verringerung von Wildunfllen Analyse der Verkehrsunfallschwerpunkte und deren Entschrfung durch geeignete Manahmen, unter anderem der Bau von Wildschutzzunen.

Seif zeigt sich zuversichtlich, dass durch gemeinsames Handeln die Schwarzwildpopulation in den Griff zubekommen sei. In der Eigenregie-Jagd des staatlichen Forstamtes Fulda wurden im vergangenen Jahr auf 11.000 Hektar 301 Stck Schwarzwild erlegt. Wir bejagen die Wildschweine gemeinschaftlich mit den Pchtern und Revier bergreifend sehr intensiv, weil wir die Schwarzwild-Population auf ein der Natur angepasstes Ma zurckfhren mssen. Sogar beim Wildpret-Aufkommen hat das Schwarzwild das Rehwild mittlerweile bertroffen, und auch der Fallwildanteil, also das, was nicht geschossen wird, ist angestiegen, sagt Jochen Rmann. Das Jagd-Programm vor Ort innerhalb der Hegegemeinschaften sieht eine konsequente Bestandsregulierung vor, eingegriffen wird auch bei Gemeinschaftsjagden in alle Altersstrukturen, mit Ausnahme der fhrenden Bachen, um den Sozialaufbau der Schwarzkittel nicht zu zerstren. Vor allem Frischlinge werden geschossen.

Rmann erklrt den gestiegen Bestand des Schwarzwildes unter anderem auch damit, dass in den vergangenen Jahren eine hufige Abfolge von Eicheln und Bucheckern-Masten zu beobachten war. Die Schden im Wald seien verhltnismig gering im Vergleich zum Freiland. Dort wrden regelmig und in groem Umfang Wiesen, sogar Sportpltze, umgegraben, und im Sommer stnden die Schweine wohlgenhrt monatelang in den Maisfeldern. Die Ausgaben von Jagdpchtern fr Wildschadens-Regulierungen seien bisweilen gewaltig gestiegen, wodurch es immer schwieriger werde, Jagdreviere zu verpachten. Die Gefahr besteht, dass in Zukunft die Allgemeinheit fr Wildschden aufkommen muss zumal der Stellenwert der Jagd in der heutigen Gesellschaft allgemein nachgelassen hat, so der Forstmann.

HINTERGRUND

Schwarzwild-Gipfel

Wiesbaden. Am zweiten Hessischen Schwarzwildgipfel nahmen folgende Institutionen teil: Hessisches Ministerium fr Umwelt, lndlichen Raum und Verbraucherschutz, Hessisches Ministerium fr Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, Landespolizeiprsidium, Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer Hessen, Waldbesitzerverband Hessen, Hessischer Bauernverband, Kreislandwirt Vogelsbergkreis, Landesbetrieb Hessen-Forst.

Verstrktes Monitoring - Hessen weitet Schweinepest-berwachung aus

Wiesbaden. Nach weiteren Verdachtsfllen von Klassischer Schweinepest (KSP) bei Schwarzwild in Nordrhein-Westfalen und weiteren seropositiven Fllen von KSP bei Wildschweinen in Rheinland-Pfalz sowie der davon ausgehenden potentiellen Gefhrdung der hessischen Hausschweinebestnde wird das bestehende flchendeckende berwachungsprogramm bei Wildschweinen in Hessen fortgefhrt und ausgeweitet.

Das bereits seit mehreren Jahren in Hessen etablierte berwachungsprogramm sieht vor, dass in jedem Landkreis halbjhrlich mindestens 30 Blutproben bei erlegtem sowie frisch verunfalltem Schwarzwild auf KSP zu untersuchen sind, uerte Landwirtschafsstaatssekretr Karl-Winfried Seif. Die besondere Gefhrdungslage durch weitere KSP-Flle in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz erfordert jetzt ein verstrktes berwachungsprogramm in den hessischen Landkreisen, die wegen ihrer rumlichen Nhe als besonders gefhrdet anzusehen sind, fuhr Seif fort. In diesen Gebieten sind zunchst befristet bis zum 31. Mrz 2009 bei allen erlegten Tieren Blutproben zur serologischen Untersuchung zu entnehmen. Ab dem 1. April 2009 sind bis zum Jahresende zustzlich mindestens 120 Blutproben serologisch zu untersuchen.Dem verstrkten Monitoring unterliegen folgende Gebiete:

Landkreis Waldeck-Frankenberg: Gemeinden Battenberg, Hatzfeld, Allendorf (Eder), Bromskirchen

Landkreis Marburg-Biedenkopf: Gemeinden Mnchhausen, Biedenkopf, Breidenbach, Lahntal, Clbe, Dautphetal, Steffenberg, Angelburg, Bad Endbach, Gladenbach, Lohra, Weimar, Marburg, Fronhausen

Landkreis Gieen: Gemeinden Biebertal, Wettenberg, Lollar, Gieen, Linden, Pohlheim, Heuchelheim

Landkreis Limburg-Weilburg: Gesamtes Kreisgebiet

Lahn-Dill-Kreis: Gesamtes Kreisgebiet Hochtaunuskreis: Gesamtes Kreisgebiet

Wetteraukreis: Gemeinden Mnzenberg, Butzbach, Rockenberg, Ober-Mrlen, Bad Nauheim, Rosbach v.d.H., Friedberg

Main-Taunus-Kreis: Gemeinden Eschborn, Schwalbach am Taunus, Sulzbach (Taunus), Liederbach am Taunus, Bad Soden am Taunus, Kelkheim (Taunus), Eppstein, Hofheim am Taunus

Rheingau-Taunus-Kreis: Gesamtes Kreisgebiet

Stadt Wiesbaden: Gesamtes Stadtgebiet

In diesen Gebieten wird darber hinaus eine verstrkte Kontrolle der Hausschweinebestnde durchgefhrt, sagte Seif. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf Freilandhaltungen gelegt. Hausschweinebesitzer sind aufgerufen, die Manahmen zur Seuchenprophylaxe nach der Schweinehaltungs-Hygieneverordnung einzuhalten und fr eine wildschweinsichere Lagerung von Futtermitteln und Einstreu zu sorgen.

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