Sexueller Kindesmissbrauch: Versteckte Hinweise erkennen

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Nachfrage beim Städtischen Jugendamt, wie in der Stadt Fulda mit dem Thema umgegangen wird und wie Kinder geschützt werden können.

Osthessen. Seit den Kindesmissbrauchsfällen in Lügde, Münster und an anderen Orten des Landes ist das Thema wieder in den Fokus gerückt. In dieser Woche rückten bundesweit 180 Justizbeamte aus, um Wohnungen zu durchsuchen. Drei Einsätze gab es auch in Hessen. Im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen in Bergisch-Gladbach gibt es rund 30.000 bisher unbekannte Verdächtige.

Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht hat jetzt einen Entwurf vorgestellt, nachdem die Verbreitung von Kinderpornografie nicht mehr als Vergehen, sondern als Verbrechen geahndet werden soll – mit einer Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr. Die Ministerin plant ebenfalls, für Täter empfindlichere Strafen als bisher festzuschreiben. „Kein Täter darf sich vor Entdeckung sicher fühlen. Der Verfolgungsdruck muss deshalb massiv erhöht werden “, sagte Lambrecht.

„Fulda aktuell“ hat beim städtischen Jugendamt nachgefragt, wie dort mit dem Thema umgegangen wird und welche Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen getroffen werden. „Oft sind es direkte oder versteckte Hinweise von Betroffenen, Angehörigen oder anderen Personen, denen sich die Kinder und Jugendlichen anvertrauen“, so Magistratspressesprecher Johannes Heller. Das könne dann bei akuten Vorfällen häufig über eine medizinische Untersuchung „abgesichert“ werden. Ansonsten sei es eine Frage der Glaubwürdigkeit der gemachten Aussagen, „die zunächst grundsätzlich als hoch eingeschätzt wird.“

Manchmal seien es auch „seltsame“ Lebensumstände, Indizien, ungewöhnliches sexualisiertes Verhalten, die erste Hinweise geben. Gespräche mit den jungen Menschen, Inobhutnahme, medizinische Abklärung, Einbindung von Vertrauenspersonen des Kindes, Anrufung des Familiengerichts, Einschalten der Polizei/Staatsanwaltschaft oder andere Maßnahmen würden beim Jugendamt Fulda ergriffen, wenn Kindesmissbrauch geschehen ist oder der Verdacht sich erhärtet.

Gesetzliche Sprachregelung

„Zur sprachlichen Unterscheidung verwendet das SGB VIII ,Kind‘ für junge Menschen bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres in Abgrenzung zu Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren. Diese Unterscheidung gilt auch im Strafrecht: Sexueller Missbrauch an Kindern, vgl. § 176 StGB, im Unterschied zu sexuellem Missbrauch von Jugendlichen, vgl. § 182 StGB. Im Alltagsgebrauch und auch in der Sprache der Fachkräfte im Jugendamt wird aber häufig auch von Kindesmissbrauch bei jungen Menschen zwischen 14 und 18 Jahren gesprochen“, so Heller.

Für die Stadt Fulda gibt es keine belastbaren Zahlen, wie viele Fälle von Kindesmissbrauch in den vergangenen Jahren geschehen sind. „Gleichzeitig ist zu beachten, dass es gerade in diesem Bereich ein großes Dunkelfeld gibt“, sagt Heller. Auch ohne eine exakte Zahl könne aber schon gesagt werden, dass die Zahl der beim Jugendamt bearbeiteten Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch mit etwa zehn Fällen pro Jahr gering sei. Die Zahl der bearbeiteten Gefährdungsmeldungen – darunter aber etwa 20 Prozent Fehlmeldungen – pro Jahr liege jedoch bei rund 200. „Den höchsten Anteil haben hierbei Fälle häuslicher Gewalt, daran anschließend körperliche Gewalt und Verwahrlosung“, so Heller.

Zu den Maßnahmen des städtischen Jugendamts, um sexuellen Kindesmissbrauch zu verhindern, werden zwei Fachberatungsstellen für Kinderschutzfachberatung, die Einzelberatungen anbieten und Präventionsveranstaltungen, gefördert. „Über offene Jugendarbeit, Jugendförderung an Schulen und mehr versuchen wir grundsätzlich niedrigschwellige Zugänge für Kinder und Jugendliche zu schaffen, Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe zu begegnen und sich diesen anzuvertrauen. Die Fachkräfte in Kitas schulen wir im Blick auf die Sensibilität und die Verfahren im Umgang mit Kindeswohlgefährdungen“, sagt Heller.

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