Sicherer unterwegs mit 80 km/h? Mögliches Tempolimit auf Landstraßen in der öffentlichen Diskussion

In Frankreich gibt es einen Aufschrei, weil auf Landstraßen Tempo 80 eingeführt worden ist. Was sagen Automobilverbände hierzulande zu diesem Thema?

Osthessen - Wenn es auf deutschen Landstraßen kracht, dann geschieht das leider allzu oft mit schlimmen Folgen. Kann da ein verschärftes Tempolimit von 100 auf 80 Stundenkilometer helfen? Könnte Frankreich ein Beispiel sein, wo ab Juli anstatt 90 nur noch 80 gefahren werden soll?

Nicht nur in unserem Nachbarland, auch bei den politisch Verantwortlichen in Deutschland, den Landespolizeipräsidien und verschiedenen Organisationen wird diese Frage derzeit heftig diskutiert. „Fulda aktuell“ hat sich mit der Thematik an die „Kreisverkehrswacht Fulda“ gewandt. „Die positive Prognose für die Zahl der Verkehrstoten im vergangenen Jahr mit rund 3.170 ist eine sehr erfreuliche Entwicklung und wäre der niedrigste Stand seit Bestehen der Bundesrepublik.

"Nicht zurücklehnen"

Bei den Verletzten rechnet man mit rund 390.000 Menschen“, argumentiert Gerhard Brink, im Kreis Fulda Vorsitzender der „Verkehrswacht“. Dennoch sei dies noch lange kein Grund zum Zurücklehnen oder gar für Zufriedenheit. Denn die jährlichen Opferzahlen dürfe man nicht als unvermeidbare Folge der Mobilität des modernen selbstständigen Menschen in Kauf nehmen oder gar akzeptieren. Brink: „Vielmehr müssen wir neue Wege zur Reduzierung der immer noch zu hohen Zahl von Verkehrstoten suchen.“ Die Mobilität des Menschen werde durch eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 80 Stundenkilometer auf Landstraße nicht eingeengt, sondern sicherer gemacht. Brink gegenüber „Fulda aktuell“: „Bei der Akzeptanz der Reduzierung auf Tempo 80 sollten wir fragen: Was gewinnen wir? Wir sollten nicht fragen, was für Nachteile im eigenen Vorwärtskommen hat diese Maßnahme? Wenn wir wollen, dann können wir den modernen Straßenverkehr sicherer machen und die Zahl der Getöteten weiter senken.“

Im Jahr 2016 wurden 3.206 Menschen im Straßenverkehr getötet. Davon mehr als jeder Zweite auf der Landstraße, nämlich 1.853, und fast jeder Dritte bei innerörtlichen Unfällen, nämlich 960. Und weniger als jeder Achte auf der Autobahn, nämlich 393. „Unser subjektives Empfinden gibt oft eine andere Reihenfolge vor“, so Brink. Der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht Fulda weiter: „Auf Landstraßen ist die Unfallgefahr am größten. Rund 46 Prozent der tödlichen Unfälle sind meist die Folge von zu hoher Geschwindigkeit. Am zweithäufigsten mit 25 Prozent sind Unfälle im Zusammenhang mit Überholvorgängen. Hier muss der Gesetzgeber ansetzen.

Geeignete Maßnahmen

Geeignete Maßnahmen für mich sind daher die Absenkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 100 auf 80 und das Ermöglichen von sicheren Überholvorgängen.“ Man dürfe jedoch auch nicht aus den Augen verlieren, dass immer noch jeder fünfte Getötete nicht angeschnallt und bei jedem zehnten tödlichen Unfall die Ablenkung durch Handy, Tablet oder andere technische Geräte eine Unfallursache gewesen war.

Brinks Fazit: „Aber ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern auf Landstraßen ist ein sehr geeigneter Schritt zur Reduzierung der Unfalltoten in Deutschland und im Landkreis Fulda.“ „Wenn die Zahl der Todesfälle im Straßenverkehr in Deutschland weiter sinken soll, dann müssen wir über angemessene Geschwindigkeiten auf Landstraßen reden", sagt auch Walter Eichendorf, Präsident des „Deutschen Verkehrssicherheitsrats“ (DVR). „Ich glaube, bei Straßen bis zu sechs Metern Breite wäre das auch in Deutschland sinnvoll", sagt Martin Burkert (SPD), ehemaliger Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag.

Ähnlich äußert sich der „ADAC“: Ein Vorstoß wie in Frankreich sei für kurvige Landstraßen mit einer maximalen Breite von sechs Metern sinnvoll. Eine zusätzliche Überholspur oder die Sicherung von Hindernissen seien aber oft effektiver. Der europäische Autoclub „ACE“ befürwortet ein generelles Tempolimit von 80 Stundenkilometern auf Landstraßen.

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