Sicherheit im Messenger: Verschlüsselung sollte ein Muss sein

Um mit anderen in Kontakt zu bleiben nutzen Millionen Menschen täglich Messenger-Apps wie „WhatsApp“ oder „Telegram“. 
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Um mit anderen in Kontakt zu bleiben nutzen Millionen Menschen täglich Messenger-Apps wie „WhatsApp“ oder „Telegram“. 

Chat-Apps unter der Lupe: Wie sicher sind „WhatsApp“, „Signal“, „Telegram“ und andere Kommunikationsprogramme?

Osthessen. Millionen Menschen in Deutschland tun es jeden Tag, teilweise stundenlang: Chatten. Der beliebteste Messengerdienst ist nach wie vor „WhatsApp“, dicht gefolgt von „Signal“ und „Telegram“. Wie sieht es in puncto Sicherheit, Verbreitung und Chatkomfort bei den Diensten aus? FULDA AKTUELL gibt Antworten.

Was alle Messengerdienste betrifft, so gehen die dahinter stehenden Unternehmen, die zumeist ihren Sitz nicht in Deutschland haben, mit dem Thema Datenschutz sehr unterschiedlich um. Die „Verbraucherzentrale“ rät, sich gut zu informieren und möglichst datenschutzfreundliche Dienste zu wählen, die beispielsweise eine standardmäßige oder zumindest einstellbare Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Chats anbieten.

Beginnen wir mit dem Platzhirsch „WhatsApp“. Laut aktuellen Zahlen von „Statista“ nutzen 83,4 Prozent der Deutschen diesen Dienst, den es für alle Smartphones gibt. Nach der Bekanntgabe des Mutterkonzerns „Meta“ (damals noch „Facebook“) im Jahr 2021 gab es einige Nutzer, die wegen der veränderten Allgemeinen Geschäftsbedingungen und dem damit einhergehenden verringerten Datenschutz „WhatsApp“ deinstallieren wollten. Das haben viele jedoch nicht getan. „WhatsApp“ ist durch seine große Reichweite im Vorteil. Denn zu einem anderen Messengerdienst zu wechseln würde auch bedeuten, dass der Freundeskreis ebenfalls wechseln müsste – sofern man weiterhin in Chatkontakt bleiben möchte.

„WhatsApp“-Chats sind standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Das bedeutet, dass das Unternehmen die Chats auf keinen Fall mitlesen oder auswerten kann. Was „Meta“ auswertet, ist beispielsweise das Nutzerverhalten, mit welchen Kontakten man am häufigsten schreibt, wie oft und ähnliches.

„Signal“ hat einen ähnlichen Funktionsumfang, ist aber weit weniger verbreitet. Ebenso wie bei „WhatsApp“ ist die Erstellung von Chatgruppen möglich, die ebenso wie Einzelchats komplett verschlüsselt sind. Die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer wird weltweit mit 40 Millionen Menschen angegeben. Angeblich soll auch Whistleblower Edward Snowden „Signal“ nutzen.

„Telegram“ steht seit der Corona-Pandemie vor allem in der Kritik, weil sich dort zahlreiche Menschen in so genannten „Querdenker“-Gruppen zusammengeschlossen haben. Nach Intervention der Bundesregierung sind allerdings tausende solcher Gruppen von „Telegram“ gelöscht worden. Auch der Querdenker Attila Hildmann hat(te) den Messenger zur Verbreitung seiner „Botschaften“ genutzt. Angeblich soll „Telegram“ sicherer sein als „WhatsApp“, was von Experten jedoch verneint wird. Ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung liegen die Chats der Nutzer offen sichtbar auf den Servern des Unternehmens – können dort also theoretisch komplett mitgelesen werden. Die Verschlüsselung muss ein Nutzer selbst aktivieren. Laut Pressestelle von „Telegram“ in Dubai sollen Nutzerchats „automatisch verschlüsselt“ sein.

Noch weniger empfehlenswert ist „WeChat“. Nach eigener Aussage des chinesischen Unternehmens nutzen rund 1,2 Milliarden Menschen den Messenger, rund 100 Millionen davon außerhalb Chinas. Laut „Wikipedia“ werden aber nahezu alle Daten der Nutzer an die Regierung in Peking weitergegeben, was auch Teil der Datenschutzbestimmungen von „WeChat“ ist, denen der Nutzer zustimmen muss.

„Threema“ aus der Schweiz ist ebenfalls ein Messenger, der allerdings nicht kostenlos ist, sondern derzeit einmalig mit 3,99 Euro zu Buche schlägt. Um „Threema“ nutzen zu können, ist weder eine Telefonnummer noch ein Klarname erforderlich, was die App in puncto Datenschutz sehr sicher macht. Auch Gruppen-Konversationen sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Rund neun Millionen Menschen weltweit nutzen „Threema“. Neben der Nutzung für Privatpersonen bietet das Unternehmen auch Firmen-Apps an, die auf die Bedürfnisse von Unternehmen zugeschnitten sind. In einem Pilotprojekt will die Schweizer Armee ab 2022 ausschließlich „Threema“ für die dienstliche Kommunikation verwenden will.

Ende der 90er-Jahre war das Programm „ICQ“ von „AOL“ bei den Nutzern von Computern sehr beliebt, ehe die App in der Versenkung verschwand. Mit einem ähnlichen Funktionsumfang wie „WhatsApp“ und nahezu alle weiteren Messenger kann der kostenlose Dienst, der nun als „ICQ New“ in den App-Stores zu finden ist, eine Alternative dazu sein. Allerdings fehlt hier eine Verschlüsselung.

Wer „Facebook“ nutzt, dürfte auch den „Facebook Messenger“ auf dem Smartphone installiert haben. Eine Verschlüsselung der Chats ist zwar möglich, muss aber beidseitig extra eingestellt werden. Wenn in einer Gruppe mindestens ein Teilnehmer vom Desktop-PC oder Laptop mitschreibt, ist keine Verschlüsselung möglich. Datenschützer kritisieren, dass die Chats auch von „Facebook“-Mitarbeitenden gelesen werden können. Dies sei unter anderem in einer „Melde-Funktion“ begründet, die auch bei verschlüsselten Chats vorhanden sei.

Für fast alle der hier genannten Messenger-Dienste gibt es Desktop-Versionen, was vielen Menschen die Kommunikation erleichtert. Denn statt auf der Handytastatur kann so die gewohnte Computertastatur genutzt werden. Um die App vom Smartphone mit einem Computer zu verbinden – teilweise geht das über eigene Programme oder das Internet – muss oft ein QR-Code mit dem Smartphone eingescannt werden, der dann die Verbindung herstellt.

Wer weitgehend anonym mit Bekannten und Freunden chatten möchte, sollte bei jeder Messenger-App beispielsweise auf den vollen Namen, ein Profilbild und Statusmeldungen verzichten. Auch die Abschaltung des „Online-Status“ oder der „Lese-Bestätigung“ kann dazu beitragen, weniger Informationen über sich selbst preiszugeben.

Noch ein Hinweis am Rande: Wer „WhatsApp“ dauerhaft den Rücken kehren möchte, muss zuerst sein Konto löschen, ehe die App vom Smartphone deinstalliert wird. Ansonsten bleibt das Konto mit allen im Backup gespeicherten Inhalten zunächst bestehen.

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