Wie sieht die automobile Zukunft unserer Region aus? Fulda aktuell im Austausch mit lokalen Autohändlern

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Verlagsleiter Michael Schwabe (links) moderierte das erste „Auto-Forum“ des Zeitungsverlags „Fulda aktuell“ gemeinsam mit Redaktionsleiter Bertram Lenz.
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Reinhold Friedrich: „In unserer Region gibt es noch Besitzerstolz.“
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Klaus Diegelmann: „Wir sollten darüber sprechen, wie wir uns anpassen können.“
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Dass es auch in den nächsten Jahrzehnten Autohäuser in der Region geben wird, bezweifeln die Autohändler aus dem Fuldaer Land nicht – trotz der steigenden Konkurrenz durch das Internet.
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Eine lebhafte Diskussion gab es beim Thema Elektromobilität. Die regionalen Autohändler sehen nicht zuletzt die Medien als Verursacher der Verwirrung um das Thema.
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Philipp Atzert: „Ich glaube nicht, dass wir das Auto von heute in 15 bis 20 Jahren überhaupt noch sehen.“
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Lars Busse: „Ein Kleinst- oder Kleinwagen mit Batterie ist heute auf jeden Fall eine gute Entscheidung.“
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Jürgen Schneider: „Wir müssen unseren Kunden Zeit geben, die E-Mobilität zu verstehen.“

Der Verlag FULDA AKTUELL hatte zu einer Diskussionsrunde mit lokalen Autohändlern zum Thema automobile Zukunft geladen.

Osthessen - Unsere Welt befindet sich in einem rasanten Wandel, bedingt durch die fortschreitende Digitalisierung in allen Lebensbereichen. In einem solchen Veränderungsprozess steckt auch die Autoindustrie, die den heiklen Spagat bewältigen muss zwischen digitalem Wandel sowie dem Umwelt- und Klimaschutz. Große Teile der nationalen Medien sorgen durch ihre Berichterstattung für Verunsicherung bei den Verbrauchern, sprich den Autofahrern, die oftmals nicht mehr wissen, welche Antriebsform denn nun die beste ist. Um Klarheit zu schaffen und um Aufklärungsarbeit zu leisten, hatte „Fulda aktuell“ am Mittwochvormittag eine stark besetzte Runde mit Vertretern lokaler Autohäuser ins Fuldaer „Morgensternhaus“ eingeladen. Es ging um die Kernfrage, wie es um die Zukunft des stationären Autohandels, gerade auch in der osthessischen Region, bestellt ist. Die Initiative wurde von den Unternehmern rundweg positiv aufgenommen und das Ansinnen einhellig gelobt, die Kunden über ein solches Forum informieren zu wollen. Zumal bislang auch seitens der Politik wenig Konkretes auf den Weg gebracht wird, wie auch der jüngste „Autogipfel“ im Kanzleramt gezeigt hatte. Außer einer milliardenschweren Kaufprämie für E-Autos beziehungsweise deren Verlängerung bis Ende 2025 wurde nichts Entscheidendes bekannt. Das Pressegespräch mit unserer Zeitung fiel im Übrigen just auf den Tag, an dem bekannt wurde, dass das Unternehmen „Tesla“ eine neue Großfabrik südlich von Berlin plant. Dort sollen Akkus für Elektroautos und das „Model Y“ gefertigt werden. Seitens „Spiegel Online“ wurde die Ankündigung als „Angriff auf die deutsche Autoindustrie“ gewertet. Der Druck auf die Autohersteller steige damit, „sich von Grund auf zu erneuern“.

Das Fazit des eineinhalbstündigen angeregten Meinungsaustausches sei vorweggenommen und hierzu Hans Scheller vom gleichnamigen Autohaus zitiert, der als langjähriges Vorstandsmitglied der Innung des KfZ-Gewerbes Fulda gekommen war: „Der stationäre Autohandel vor Ort in dieser Region ist homogen. Um sich jedoch gegen den auch in unserer Branche um sich greifenden Onlinehandel zu wappnen, sind optimale Beratung und Betreuung vonnöten.“ Die Autos würden immer komplexer, so dass sich ein Händler nur durch einwandfreien Service und fundierte Beratung dem Onlinehandel entgegenstellen könne. Scheller: „Wir müssen dem Kunden einen erkennbaren Mehrwert bieten“. Dem pflichtete Jörg Schuhej vom „Autohaus Kreis“ bei, der vom Dreiklang „Gebrauchtwagen, Service, Reklamation“ sprach, während Lars Busse vom „Autohaus Kunzmann“ ergänzend die „sehr große Nähe zu unserer Kundschaft“ hervorhob, die auch künftig gewährleistet sein müsse. Kunden und Händler in unserer Region seien eine „sehr gesunde Einheit“, das Verhältnis sei von gegenseitiger Wertschätzung und Treue geprägt. Und auch Reinhold Friedrich („Autohaus Friedrich & Maier GmbH“) gestand ein, dass es zwar regionale Unterschiede gebe, „wir hier aber auf einer Insel der Glückseligen leben“. Busse zufolge ringt die Autoindustrie derzeit um Antworten, zumal man beide Seiten zufriedenstellen müsse: die traditionelle „analoge Welt“ und die „digital Natives“, also diejenigen Menschen mit einer hohen online-Affinität. „Darin besteht die Herausforderung“, mahnte er. Anders formuliert: Es gelte, zum einen den beginnenden Veränderungsprozess zu begleiten und massiv voranzutreiben und andererseits die „alten Technologien“ zu vermarkten und zu verkaufen. Busse sieht eine Metamorphose in Autohäusern voraus, deren Beschäftigte dann sowohl Elektroingenieure als auch Autoschlosser seien und sich zudem noch im Carsharing betätigten.

Scheller war es auch, der sehr engagiert in die Diskussionsrunde eingestiegen war und moniert hatte, dass das Thema „E-Mobilität“ derzeit die mobilen Schlagzeilen dominiere. Dabei werde die Realität verkannt, „denn da wird schneller gerannt, als die Füße tragen können und versucht, etwas mit Macht umzusetzen“. Besonders in einer ländlich strukturierten Region wie der unsrigen sei der Einsatz von E-Autos problematisch, zumal es viele Menschen gäbe, die täglich mit dem Wagen zur Arbeitsstelle pendelten. Es wäre besser gewesen, hätte die Industrie auf Hybrid gesetzt, so Scheller. „Der beste Kraftstoff ist der Diesel“, unterstrich auch Reinhold Friedrich, zu dem „etwa 90 Prozent Gewerbekunden kommen“. Und die seien darauf angewiesen, teils hohe Reichweiten mit dem Auto zurück zu legen. Sein Fazit: „E-Autos sind weder für Geschäftsleute noch dazu geeignet, Strecke zu machen“.

Aus den Reihen der Anwesenden kam ergänzend der Vorschlag, man könne sich ja für Urlaubsfahrten wie beispielsweise zum Gardasee bei den regionalen Autohändlern einen Wagen leihen. Und für die kurze Strecke das E-Auto nutzen. „Der deutsche Markt spielt bei diesen Überlegungen bezüglich E-Autos gar keine Rolle“, betonte Klaus Diegelmann von der „Auto & Allrad GmbH“, der damit auf China anspielte. Bei der ganzen Diskussion sei viel Gräuelpropaganda mit dabei. Philipp Atzert, der gemeinsam mit Maximilian Bolz die „atztert:weber“-Gruppe repräsentierte, konstatierte, „dass wir auch in Zukunft noch mehr unterwegs sein werden – aber anders“. Er erinnerte an seinen Großvater, „der einst mit Kutschen angefangen und mit Autos aufgehört hat, während wir mit Autos angefangen haben und mit Autos aufhören werden. Dabei wissen wir noch nicht, wie die Autos in Zukunft aussehen werden“. Atzert ging davon aus, dass künftig der Handel immer mehr online vonstatten gehen werde. Aus diesem Grunde sei es unabdingbar, über den Handel zu reden. Und er warf die Frage auf, was eigentlich sei, wenn „beispielsweise ,Amazon‘ oder ,Google‘ Lust darauf haben, den Handel zu übernehmen? Dann machen die das!“ Im Übrigen seien sämtliche Technologien tragbar, die derzeit auf dem Markt seien. „Der Kunde entscheidet“ Niclas Deisenroth vom „Autohaus Deisenroth und Söhne“ führte als Auslöser der gegenwärtigen Diskussion um E-Autos den „Zwang des Pariser Klimaschutzabkommens“ an. Wegen dessen Vorgaben versuche die Industrie mit Macht, die CO2-Ziele zu erfüllen. So solle in Deutschland der CO2-Ausstoß um zwei Prozent verringert werden, und ab 2020 würden die Händler an den CO2-Zielen gemessen. Letztendlich werde der Kunde entscheiden, wobei auch das veränderte Kaufverhalten eine Rolle spielen werde. Aus der Runde wurde in diesem Zusammenhang betont, dass man als Händler den Kunden „auf die beste Form der Mobilität hinweisen muss. Und das ist immer noch der Diesel“. Jürgen Schneider von „auto fahr“ formulierte es so: „Die Vorgaben der EU zur CO2-Abgabe sind waghalsig, zumal bei Nichteinhaltung Strafen drohen. Allerdings ist es richtig und wichtig, an die Umwelt zu denken und etwas für sie zu tun“. Die Politik sei gefordert, sowohl den Herstellern als auch den Händlern Zeit zu geben. Letztendlich aber entscheide der Kunde.

Einig waren sich dann alle darin, dass der Verbraucher anders agiere als noch vor zehn Jahren. Daher seien eine qualifizierte Beratung und kurze Wege von hoher Bedeutung. Im Übrigen verliere das Thema „Auto“ zunehmend an emotionaler Bedeutung in der Zielgruppe sehr junger Käufer, für die das Smartphone zum neuen Statussymbol geworden sei. Abschließend wurde dann noch das Thema „Wasserstoff“ gestreift. Hier war vor Kurzem bekannt geworden, dass in der Region verschiedene Akteure – darunter die Stadt Fulda und die „IHK“ – dabei sind, ein Feinkonzept zu entwickeln, das die Möglichkeiten zum Aufbau einer zukunftsfähigen Wasserstoffwirtschaft in Osthessen auslotet. Untersucht wird darin unter anderem die Anschaffung von mindestens 1.000 Brennstoffzellen-Nutzfahrzeugen. Geklärt werden müsse aber unter anderem die Frage, wie realistisch die Wasserstoff-Technologie für den täglichen Nutzer sei.

Handel gerüstet Am Ende der sehr leidenschaftlichen und informativen Gesprächsrunde wurde ersichtlich, dass der regionale Autohandel für die Zukunft der Mobilität und deren Herausforderungen im Sinne einer kompetenten und individuellen Kundenberatung bestens gerüstet ist – seien es E-Mobilität, Hybrid- oder rein fossile Antriebskonzepte.

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