Sind grüne Kartoffeln giftig?

Zu den Symptomen einer Solaninvergiftung gehören Übelkeit, Kopfschmerzen, Brennen im Hals, Bauchschmerzen und Durchfall.
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Zu den Symptomen einer Solaninvergiftung gehören Übelkeit, Kopfschmerzen, Brennen im Hals, Bauchschmerzen und Durchfall.

Mitte des 16. Jahrhunderts gelangten die Kartoffeln von Südamerika über Spanien und England nach Europa. Heute sind sie vom Speiseplan gar nicht mehr weg zu denken. Laut „Bundesinformationszentrum Landwirtschaft“ isst jeder Deutsche rund 55 Kilogramm Kartoffeln pro Jahr. Im Jahr 2000 waren es noch rund 70 Kilogramm, 1950 sogar 202 Kilogramm. Doch wissen wir wirklich alles über die Kartoffel?

Fulda. Beim Einkaufen mal nicht richtig aufgepasst, und schon liegt eine grüne Kartoffel im Kochtopf. FULDA AKTUELL hat bei der „Verbraucherzentrale Hessen“ und bei Tobias Wingenfeld vom „Rhönhof Wingenfeld“ nachgefragt was es auf sich hat mit den grünen Kartoffeln und ob sie giftig sind.

FULDA AKTUELL: Darf man eine gekeimte Kartoffel noch essen?

Tobias Wingenfeld: Gekeimte Kartoffeln kann man bis zu einem Keimlänge bis ca. 5cm noch essen. Man sollte jedoch die Keime gut entfernen, da diese giftig sind.

FULDA AKTUELL: Auf was sollte man beim Kauf, Lagern und Kochen beachten?

Wingenfeld:Beim Kauf sollte man darauf achten, ob die Kartoffel zum einen äußerliche Auffälligkeiten (grüne Stellen, Keime oder kleine Löcher hat). Zum anderen sollte man darauf achten womit die Kartoffeln behandelt wurden. Wurden eventuell chemische Mittel zur Keimhemmung eingesetzt? Optimal sind da natürlich Bio-Kartoffeln wie unsere, die mit keinerlei chemischen Mitteln behandelt werden.

Gut gelagert kann man die Kartoffeln über viele Monate lagern. Am besten lagert man die Kartoffel an einem kühlen dunklen und trockenen Ort. Ideal ist da der Keller. Frühkartoffeln hingegen sollten nicht lange gelagert werden, aufgrund ihrer geringen Schalenfestigkeit.

Vor dem Kochen sollten auf jeden Fall Keime und eventuelle Verfärbungen entfernt werden.

FULDA AKTUELL: Auf was weisen grüne Stellen auf der Kartoffel hin?

Wingenfeld: Sowohl Chlorophyll als auch Solanin werden von der Kartoffel gebildet sobald sie mit Licht in Berührung kommt. Chlorophyll sorgt dabei für die grüne Färbung der Kartoffel, Solanin an sich ist jedoch farblos. Es besteht jedoch ein Zusammenhang zwischen Chlorophyll- und Solaninbildung. Daher kann man sagen, dass grünliche Kartoffeln wahrscheinlich mehr Solanin erhalten als nicht grün verfärbte Kartoffeln. Chlorophyll ist allerdings nicht giftig und ist in vielen Lebensmitteln mit typisch grüner Färbung enthalten wie Brokkoli, Spinat und Grünkohl.

Chlorophyll ist sogar hilfreich für den menschlichen Körper, da er die Sauerstoffverteilung unterstützt und Eisen- und Vitaminmangel vorbeugen kann.

FULDA AKTUELL: Warum produzieren Kartoffeln den Stoff Solanin?

Wingenfeld: Solanin kommt in vielen Nachtschattengewächsen wie der Kartoffel aber auch in Tomaten und Auberginen vor. Die Kartoffel bildet diesen bitteren Stoff, um sich vor Fressfeinden zu schützen.

FULDA AKTUELL: Ab wann ist Solanin giftig?

Wingenfeld: Eine Solaninvergiftung ist relativ unwahrscheinlich und hängt von Größe und Gewicht der Person ab. Jedoch müsste ein Erwachsener mehrere Kilogramm Kartoffeln essen, um Vergiftungserscheinungen zu bekommen. Zu den Symptomen einer Solaninvergiftung gehören Übelkeit, Kopfschmerzen, Brennen im Hals, Bauchschmerzen und Durchfall. Kinder und ältere Menschen können allerdings empfindlicher auf Solanin reagieren als Erwachsene. Jedoch sollte man keine Angst davor haben Kartoffeln zu essen. Solche Vergiftungen sind eher selten und die gesunden Eigenschaften der Kartoffeln überwiegen. Die Kartoffel verfügt nämlich über einen hohen Vitamin C Gehalt, viel Stärke und Eiweiß.

FULDA AKTUELL: Wie äußern sich Vergiftungserscheinungen durch Solanin?

Wingenfeld: Vergiftungserscheinungen treten 4 bis19 Stunden nach dem Verzehr auf. Es kann ein Völlegefühl und Benommenheit entstehen. Weitere Symptome sind Kopfschmerzen, ein Brennen im Hals, Bauchschmerzen und Durchfall. Bei sehr starken Vergiftungen ist das Nervensystem betroffen und es kann zu Muskelkrämpfen und Lähmungen kommen.

FULDA AKTUELL: Kann man Solanin rausschmecken?

Wingenfeld: Solanin kann einen bitteren Geschmack erzeugen, daher sollten bitter schmeckende Kartoffelspeisen nicht verzehrt werden.

FULDA AKTUELL: Werden grüne Kartoffeln weggeschmissen?

Wingenfeld: Stark keimende oder stark grün verfärbte Kartoffeln sollten entsorgt werden. Kartoffeln mit leichten Färbungen können jedoch noch verzerrt werden. Man sollte jedoch die grünen Stellen und die Keime großzügig entfernen. Solanin wird übrigens nicht durch Kochen oder Dämpfen der Kartoffeln zerstört. Das Kochwasser von Kartoffeln sollte daher nicht weiterverwendet werden.

Verbraucherzentrale

Auch die „Verbraucherzentrale Hessen“ vermutet, dass grüne Kartoffeln immer mal wieder im Handel durch falsche Lagerung vorkommen können. Natürlich können Verbraucher solche versehentlich gekauften Kartoffeln mit einem entsprechenden Kassenbeleg reklamieren.

Wiebke Franz, Referentin für Marktbeobachtung und Öffentlichkeitsarbeit der Fachgruppe „Lebensmittel und Ernährung“, rät: „Verbraucher sollten darauf achten, dass die Kartoffeln beim Kauf fest sind, nicht keimen und keine grünen Stellen haben.

Damit sich keine Feuchtigkeit bildet, ist es gut, die Kartoffel nach dem Einkauf zuhause auszupacken. Auf keinen Fall sollten Kartoffeln im Kühlschrank gelagert werden. Die Gefahr, dass man eine Kartoffeln mit Solanin isst, kann außerdem vermindert werden, in dem man sie pellt oder schält. Auch sollten Verbraucher auf den Geschmack achten, denn eine Kartoffel sollte nie bitter schmecken.Und genau wie das Kochwasser der Kartoffeln sollte auch das Frittenfett nicht weiter verwendet werden.“

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