Sie sind immer im Einsatz: Pflegeserie (1) - Gespräch im „Mediana“

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Stark engagiert in ihrem Beruf und tätig im Wohnstift von „Mediana“ in der Fuldaer Friedensstraße: Cornelia Gremm, Sabrina  Damis und Stefanie Pfeffer (von rechts).

Fulda aktuell startet die Pflegeserie mit einem Gespräch mit Pflegekräften aus der Region.

Fulda -  Unter dem Titel „Lange Liste der Leiden – Was Senioren im Heim erdulden können“ hatte unsere Zeitung vor mehreren Wochen über die schlimmen Erfahrungen berichtet, die ein 83-Jähriger in einem Pflegeheim in der Region Fulda hatte machen müssen, bis er in einem anderen Heim nahe bei seiner Tochter in einem anderen Bundesland untergebracht worden war. Der Bericht hatte vielschichtige Reaktionen unserer Leser hervorgerufen.Um die vielen Facetten der Problematik aufzugreifen, waren vor Kurzem auf Einladung von „Fulda aktuell“ verschiedene Repräsentanten von Alten- und Pflegeheimen der Region zusammengekommen. Dieser „Runde Tisch“ stand Pate für eine Idee, die unsere Redaktion mit einer Serie umsetzen wird: Beispiele sollen aufzeigen, was Pflege ist und was sie bewirken kann. Und auch, welche Menschen dahinter stehen, die nicht im Licht der Öffentlichkeit stehen. Den Anfang machen Cornelia Gremm, Bereichsleitung der Pflegestation 4 im „Wohnstift Mediana“, und ihre beiden Kolleginnen, die examinierte Altenpflegehelferin Sabrina Damis und die examinierte Pflegekraft Stefanie Pfeffer. Deutlich wird in dem Gespräch mit „Fulda aktuell“ sehr schnell, wie breit das Spektrum an Arbeit ist, die geleistet werden muss, und dass die Tätigkeit nicht damit endet, dass man nach Dienstschluss das Haus verlässt.

Gremm ist seit 27 Jahren in der Einrichtung beschäftigt und hat in dieser Zeit „viele Phasen der Altenpflege durchgemacht, alle Höhen und Tiefen, viele strukturelle Änderungen und Ideen“. Als Pflegekraft sei man eben nicht nur siebeneinhalb Stunden im Dienst, „sondern quasi rund um die Uhr, auch in der Freizeit“. Denn häufig gebe es noch Anrufe von der Station, wenn es beispielsweise einem Bewohner sehr schlecht ginge. „Das ist kein Bürojob“, urteilt Gremm, die nach Lektüre des anfangs erwähnten Artikels gedacht hatte: „Wie kann man nur so etwas schreiben?“ Und weiter: „Das war schon ein Rundumschlag, der bis auf die Knochen ging“, eine sehr negative Darstellung einer Pflegeeinrichtung, so dass sie von vielen gefragt worden sei: „Ist das bei Euch denn auch so?“ Auch Damis kritisiert die „einseitige Darstellung“ und betont, „dass mindestens 90 Prozent derjenigen, die in der Pflege tätig sind, mit Herz, Empathie und Sorgfalt dabei sind“. Oftmals vermisse man ein Dankeschön, „dass wir an 365 Tagen 24 Stunden lang für die Bewohner da sind“. Pfeffer hat den entsprechenden Artikel gelesen „und musste erstmal schlucken. Denn es tut schon weh, wenn so über die Pflege geredet und geschrieben wird. Und dass, wo wir jeden Tag mit sehr viel Herzblut dabei sind“.

Bereichsleiterin Gremm erinnert daran, dass es permanente Überprüfungen beispielsweise vom „Medizinischen Dienst der Krankenkassen“ (MDK) gebe und die Dokumentation entsprechend lückenlos sein müsse. Und sie beschreibt das breite Spek-trum, in dem ihre Kolleginnen und sie tätig sein müssten, um allen gerecht zu werden: „Wir sind Seelsorger, Psychologen, Psychiater und müsssen all‘ diese Komponenten zum Wohle der Bewohner zeitnah auf einen Nenner bringen“. Dies sei besonders vielen Angehörigen so nicht bewusst. Von denen werde man oftmals reduziert auf die Begriffe „Satt“ und „Sauber“, um die Betreuung und Pflege auf einen Nenner zu bringen. Pfeffer ergänzt, dass die Pflegenden in vielen Fällen die eigentlichen Bezugspersonen der Bewohner seien – „wir sind dann deren Familie“. Denn es gebe Angehörige, die ließen sich nur einmal im Jahr, und dann zu Feiertagen, sehen – „und wollen dann diskutieren, was angeblich falsch läuft“. Die Gelegenheit, einmal monatlich die Sprechstunde im jeweiligen Bereich aufzusuchen, werde kaum bis gar nicht wahrgenommen. Abschließend sprechen Damis und Pfeffer noch ein weiteres Thema an: Viele Pflegekräfte seien oftmals die einzigen, die einen Bewohner beim Sterben begleiteten. Häufig wollten Angehörige nicht dabei sein, weil es sie zu sehr belaste oder weil sie – besonders nachts – nicht informiert werden möchten. „Viele Kolleginnen und Kollegen sind ehrenamtlich engagiert und begleiten Bewohner auf deren letztem Weg. Und dies häufig nach Dienstschluss“. Fazit des Gespräches über ein mit viel Emotionen besetztes Thema: Wichtig ist, dass ein gesellschaftlicher Umdenkprozess in Gang gesetzt wird. Dieser muss deutlich machen, wie fordernd und bereichernd zugleich der Pflegeberuf sein kann.

Altenpflegerinnen mit Herz: Besuch im „Mediana Pflegestift“

„Fulda aktuell“ besuchte Andrea Briselat, Jenny Bau und Viktoria Böhmel im „Mediana Pflegestift“.

Fulda - Jenny Bau und Viktoria Böhmel lieben ihren Beruf. Beide engagieren sich für das Wohl der Bewohner des „Mediana Pflegestifts“ in der Rangstraße 33. Einrichtungsleiterin Andrea Briselat ist stolz auf ihre Kolleginnen, die mit viel Leidenschaft und Fachwissen den Alltag der Altenpflegeeinrichtung mitgestalten. „Fulda aktuell“ hat die drei Damen an ihrer Arbeitsstelle besucht, um sich ein Bild von der Pflegesituation in der Region zu machen. „Unser Haus steht für jeden offen, der es sich mal anschauen möchte“, so Briselat. Für Bau und Böhmel sind die Bewohner des „Mediana Pflegestifts“ mittlerweile wie zu einer Familie geworden. „Das liegt zum Einem an den Hausgemeinschaften, die sehr familiär sind“, sagt Böhmel. „Zum Anderen aber auch, dass wir den Bewohner fast täglich sehen“, ergänzt Bau. Beide haben ihre Ausbildung bei „Mediana“ gemacht. Mit Vorurteilen haben sie nicht zu kämpfen. „Zu uns kommen häufig Menschen, die wir wieder aufpäppeln und die dann wieder zurück ins eigene Zuhause ziehen“, so Böhmel. „Auch kommen viele Bewohner zunächst in unsere Tagespflege, dann mal zur Kurzzeitpflege und eventuell irgendwann ganz zu uns“, sagt Bau, „so ist die Umstellung nicht so groß.“ Für die Damen gibt es keinen schöneren Beruf: „Die Ausbildung gleicht einem halben Medizinstudium, dieses Wissen ist auch im Alltag sehr praktisch“, so Bau. Dankbarkeit und Wohlbefinden der Bewohner seien der schönste Lohn für ihre Arbeit.

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