Situation des Autohandels in Osthessen: Fragen an Lars Busse von "Kunzmann Fulda"

"Während des Lockdowns haben wir eine ,Digitalisierungs-Rakete' gezündet

Fulda - Lars Busse, Centerleitung Nutzfahrzeuge Fulda der „Kunzmann Fulda GmbH & Co. KG,“ zur aktuellen Situation.

FULDA AKTUELL: Wie ist Ihr Autohaus bislang durch die Krise gekommen?

LARS BUSSE: Wir sind sehr stolz auf den Einsatz und das Verständnis unserer Mitarbeiter im Umgang mit der Pandemie und den Auswirkungen. Bedingt durch Auftragsrückgänge und fehlende Auslastung in den Werkstatten haben wir zeitweilig Kurzarbeit eingeführt. Gleichzeitig haben wir kreative und unbürokratische Lösungen geschaffen, damit berufstätige Eltern den Ausfall von Schul- und Kindergartenbetreuung kompensieren konnten. Wirtschaftlich verspüren wir starke Einschnitte und nach den Lockerungen ist das Geschäft nicht auf dem vorherigen Niveau. Trotz der aktuellen Situation gilt es aber auch Zukunftssicherung zu betreiben: Wir stellen im Sommer analog des Vorjahres in unserer Autohausgruppe rund 60 Auszubildende ein. Wir haben uns zu unseren befristeten Mitarbeitern bekannt. Wir haben alle 2020 auslaufenden Befristungen zu Beginn der Krise um ein Jahr verlängert. Wir investieren weiter in unsere Betriebe, der Umbau in Alzenau ist abgeschlossen, Verkaufshaus und Serviceannahme in Aschaffenburg in vollem Gang und Fulda steht in den Startlöchern.

FULDA AKTUELL: Halten Sie den Lockdown im Nachhinein für gerechtfertigt und sinnvoll?

BUSSE: Als Unternehmer haben wir eine Verantwortung gegenüber unseren Kunden und Mitarbeitern. Die Gesellschaft hat geschlossen „an einem Strang“ gezogen, um die Infektionskurve abzuflachen. Die Gesundheit ist ein hohes Gut und die Voraussetzung für unsere Wirtschaft. Insofern tragen wir die Entscheidung der Politik zu 100 Prozent mit.

FA: Welche Erfahrungen haben Sie in den ersten Wochen der Lockerung gemacht?

BUSSE: Sukzessive spüren wir auch wieder vor Ort mehr Kundenbewegung. Es ist dennoch nicht vergleichbar mit der Situation zu Jahresbeginn.

FA: Wie begegnen Ihnen die Kunden?

BUSSE: Wir haben einen Kunden- und Mitarbeiterkreis mit einem vorbildlichen Hygieneverhalten. Unsere vor Ort umgesetzten Hygienemaßnahmen werden akzeptiert und wir erhalten sehr positives Feedback. Wir begegnen unseren Kunden mit der gleichen Beratungsqualität und Persönlichkeit wir vor der Pandemie: Dienstleistungen wie beispielsweise unser Hol-Bring Service oder der Schlüsselkasten zur kontaktlosen Fahrzeugübergabe werden vermehrt in Anspruch genommen. Auch beraten wir vermehrt zu Ozon- und Klimaanlagenreinigungen. Des Weiteren haben wir viele Möglichkeiten in den letzten Jahren geschaffen, wie der Kunde zu uns Kontakt aufnehmen kann: Wir haben eine Onlineterminbuchung, ein Onlineberatungsteam, einen Onlineshop für Zubehör und Accessoires und alle unsere Fahrzeuge sind tagesaktuell auf unserer eigenen Website www.kunzmann.de zu finden.

FA: Können/Wollen Sie etwas dazu sagen, wie sich das Kaufverhalten Ihrer Kunden bezüglich Neu- beziehungsweise Gebrauchtwagen verändert hat?

BUSSE: In der Zeit des Lockdowns haben wir bei uns die „Digitalisierungs-Rakete“ gezündet: Wir haben Lösungen für „deutschlandweite Fahrzeugzustellungen“ geschaffen und Kunden per Chat und Videochat beraten. Themen wie die Bewertung des Fahrzeugzustandes zur Inzahlungnahme oder auch die tatsächliche Probefahrt waren natürlich nur eingeschränkt oder gar nicht möglich. Auch das schriftliche Post-Ident Verfahren zur Identifikation des Kunden und die Auswirkungen von geschlossenen Zulassungsstellen waren noch sehr umständlich: Hier gilt es für uns weiter am digitalen Prozess zu arbeiten um Fahrzeuge vollständig online über Fernabsatz zu verkaufen. Die Nachfrage nach Neu- und Gebrauchtwagen ist im Lockdown stark gesunken – verständlicherweise: Viele unserer Kunden waren selbst in Kurzarbeit oder haben durch das Betreiben eines eigenen Gewerbes finanzielle Einbußen verspürt – dies hemmt die Nachfrage. Wir hoffen, dass die staatlich geförderten Maßnahmen wirken und sich die Gesamtwirtschaft schnell erholt.

FA: Wie bewerten Sie die Absage der Bundesregierung bezüglich Subventionen für den Kauf von Autos mit Verbrennungsmotor?

BUSSE: Wir haben bei Mercedes-Benz-Pkw, Transportern und „smart“ eine weitreichende Modellauswahl für Elektro- sowie Hybridfahrzeuge: Es ist für jeden Kunden etwas Passendes dabei und die aktuellen Leasing- und Finanzierungsangebote im Bereich Elektro und Hybrid machen den Besitz und Unterhalt eines eigenen Fahrzeuges günstiger denn je. Der „Daimler“-Konzern forciert Forschung und Absatz in neuen Antriebsmöglichkeiten, und wir als Autohaus unterstützen dies. Wir haben bereits einen eigenen Bereich rund um das Thema Elektromobilität im Unternehmen geschaffen und beraten auch zu Wallbox- und Ladesäulen-Lösungen.

FA: Werden Sie die abgesenkte Mehrwertsteuer an Ihre Kunden weitergeben?

BUSSE: Die Mehrwertsteuer-Senkung ist ein Instrument mit dem Ziel, dass Privathaushalte am Jahresende mehr Geld zur Verfügung haben und damit die Konjunktur der Gesamtwirtschaft unterstützen. Die Inhaber und Geschäftsführer haben sich entschlossen, die abgesenkte Mehrwertsteuer an unsere Kunden weitergeben: Eine verdeckte Preiserhöhung wird es bei uns nicht geben. Wir hoffen, dass sich der Ein oder Andere zusätzlich durch bessere Konditionen zum Kauf eines Fahrzeuges der Marken „Mercedes-Benz“ oder „smart“ bei uns entscheidet.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Mitarbeiter des Heimattiergartens: Wir stellen sie vor

Fulda aktuell und lokalo24.de stellen die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Heimattiergartens vor. Heute: Hijalmar Gärtner, der seit 37 Jahren dabei ist.
Mitarbeiter des Heimattiergartens: Wir stellen sie vor

„Frucht Hartmann" unterstützt den "Verein der Köche Fulda“

Fulda. Das regionale Unternehmen schenkt dem Verein 1.000 Euro für die Jugendarbeit.
„Frucht Hartmann" unterstützt den "Verein der Köche Fulda“

Umweltministerium warnt vor Waldbrandgefahr

Wer einen Waldbrand bemerkt, wird gebeten, unverzüglich die Feuerwehr (Notruf 112) oder die nächste Forstdienststelle zu informieren.
Umweltministerium warnt vor Waldbrandgefahr

Schlägerei vor Club: Drei Täter verprügeln zwei Männer aus Eichenzell

Am gestrigen Morgen kam es vor einem Fuldaer Club zu einer Prügelei. Drei Täter schlugen auf zwei Männer aus Eichenzell ein.
Schlägerei vor Club: Drei Täter verprügeln zwei Männer aus Eichenzell

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.