Starker Nachwuchs: Feuerwehren im Kreis Fulda trotzen dem Trend

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Kreisbrandinspektor Adrian Vogler (links) im Gespräch mit "Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz

"Fulda aktuell"-Gespräch mit Kreisbrandinspektor Adrian Vogler über Existenzsorgen von Orts- und Stadtteilwehren  

Fulda - Bei einem Brand müssen Feuerwehren zehn Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort eintreffen. In Städten und Gemeinden mit weniger als 100.000 Einwohnern ist dafür die Freiwillige Feuerwehr zuständig. Das Problem: In vielen Regionen fehlt der Nachwuchs. Nicht so im Landkreis Fulda, wie Kreisbrandinspektor Adrian Vogler während eines Gespräches mit „Fulda aktuell“ schildert.

Ganz im Gegenteil: Die Attraktivität von Kindergruppen und Jugendfeuerwehren ist momentan ungebrochen, die Verantwortlichen verzeichnen entweder gleichbleibende oder sogar ansteigende Zahlen, was die Übertritte in die einzelnen Abteilungen betrifft.  Vogler: „Wir entwickeln uns derzeit also entgegen dem Trend auf Landesebene“.  

Im Kreis Fulda gibt es 22 Feuerwehren, die sich wiederum in Ortsteil- und Stadtteilwehren aufgliedern. Insgesamt unterstehen dem als Fachaufsicht fungierenden Kreisbrandinspektor rund 148 Wehren, die Stadt Fulda als Sonderstatusstadt ausgenommen. Vogler: „Neben sehr vielen Jugendfeuerwehren für Heranwachsende im Alter von zehn bis 17 Jahren verfügen wir alleine über 26 Kindergruppen. Diese stehen den Sechs- bis Zehnjährigen offen“.

Das Werben um Nachwuchs zahle sich aus, zumal es immer wieder besondere Aktionen wie beispielsweise den „Maus-Türöffner-Tag“ gibt.  Dieser sei in Flieden schon Tradition und locke aus einem Umkreis von fast 100 Kilometern über 300 Kinder mit ihren Eltern. Einen ähnlichen Erfolg habe die gleiche Veranstaltung der Feuerwehr Fulda im vergangenen Jahr gehabt, weiß der seit 1. Juli 2015 fungierende Kreisbrandinspektor.

In unserer ländlich geprägten Region komme der traditionell starke Zusammenhalt hinzu, oftmals werde die Mitgliedschaft in der Feuerwehr  über Generationen quasi „vererbt“. Zudem seien Ereignisse wie Hutzelfeuer oder der Osterputz fest im Jahresablauf einer örtlichen Gemeinschaft verankert, die Feuerwehr spiele bei der Organisation vielfach eine sehr wichtige Rolle. Auch könne deren Angebot im Freizeitbereich nicht hoch genug bewertet werden.

Der 31-jährige Vogler, der in Fulda  zu Hause ist: „Wenn die Feuerwehren attraktive Angebote schaffen, neue Ideen entwickeln und der Zusammenhalt weiterhin so stark bleibt, dann haben wir keine Nachwuchssorgen. Der Landkreis Fulda unterstützt und fördert die verschiedenen Initiativen im Kreisgebiet. Um dies noch besser umsetzen zu können, haben wir vor kurzem die Kommunen mittels eines Fragebogens hinsichtlich ihrer Interessen und Bedürfnisse befragt. Die Frist endet Anfang Januar, die Auswertung wird im weiteren Verlauf erfolgen“.

Die Attraktivität der Wehren zeige sich immer auch in der starken – und erfolgreichen – Teilnahme bei Wettbewerben. Stellvertretend hebt Vogler für den Nachwuchs die Jugendfeuerwehr Steinau und die Mädchengruppe aus Leimbach hervor. „Oder betrachten wir die alljährliche Leistungsübung für die Einsatzabteilungen. Da melden sich dann meist zwischen 60 und 70 Mannschaften an, die sich ehrenamtlich der Prüfung stellen und sich gegenseitig messen“. Erfolge feierten hier unter anderem die Wehren aus Margretenhaun, Ried, Magdlos, Bimbach, Michelsrombach und Stork.

Auf die Frage, ob sich kürzlich Feuerwehren aufgelöst hätten beziehungsweise ob ein solcher Schritt drohe, sagt Vogler: „In der jüngsten Vergangenheit nicht. Eine Auflösung ist und sollte immer die letzte Möglichkeit sein. Eine Bürgermeisterin oder ein Bürgermeister wird es von sich aus niemals wagen, eine Wehr aufzulösen. Trotzdem sollten alle Feuerwehren, auch im Landkreis Fulda, kontinuierlich an einer Perspektive und an einem Zukunftskonzept arbeiten.“

Positiv erachtet der 31-Jährige die Möglichkeit für kleinere Wehren, sich zusammen zu schließen, um so Synergien zu nutzen: „Solches ist immer sinnvoll und vorteilhaft, muss aber wohl durchdacht sein. Wenn ein gewollter Zusammenschluss eine Auflösung einer Orts- beziehungsweise Stadtteilfeuerwehr verhindern kann, sollte dem nichts im Wege stehen“. An Beispielen aus dem Kreis Fulda sind ihm im Bereich Hofbieber die Wehren aus Traisbach und Wiesen, im Bereich Hilders mit Eckweisbach, Liebhards und Unterbernhards sowie in der Gemeinde Ebersburg die Wehren aus Thalau, Altenhof und Stellberg bekannt, die fusioniert hätten.

Nach Kenntnis des Fuldaer Kreisbrandinspektors wurden  überdies vereinzelt bereits Flüchtlinge in die Feuerwehr integriert. „Die Herausforderung dabei ist allerdings, dass viele der Migranten noch gar keinen dauerhaften Wohnsitz im Landkreis haben und auch die Mobilität im Sinne von kurzfristiger Verfügbarkeit für Einsätze nicht immer gegeben ist. Hier sehe ich aber durchaus ein großes Potenzial für die Zukunft, weil die Feuerwehr auch über eine große Integrationskraft verfügt.“

Trotz der aktuell guten Aussichten hat Vogler auch Wünsche parat: Um beispielsweise den Stellenwert des Ehrenamtes zu verbessern, sollten die wachsenden Verwaltungsaufgaben auf hauptamtliche Sachbearbeiter übertragen werden. „Zudem dürfen freiwillige Feuerwehrkräfte durch ihr Ehrenamt weder direkt noch indirekt in der Arbeitswelt benachteiligt werden. Hier sind insbesondere die Arbeitgeber gefordert“. 

(In der nächsten Ausgabe beleuchtet „Fulda aktuell“ die Situation im benachbarten Vogelsbergkreis).

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