Sommer-Interview mit Brigit Kömpel

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Redaktionsleiter Hans-Peter Ehrensberger im Gespräch mit der Fuldaer SPD-Bundestagsabgeordneten zu Kreisarbeit, Kommunen, Kritik und Kollegen.

Fulda aktuell (FA): Wie sieht die politische Arbeit einer Bundestagsabgeordneten während der parlamentarischen Sommerpause in Berlin aus?

Brigit Kömpel: Ich erachte die Zeit der politischen Sommerpause in Berlin als sehr wichtig. Nicht, weil ich dann wochenlang die Beine hochlegen kann.  Vielmehr mache ich für diese Zeit viele Termine für Besuche und Gespräche mit verschiedenen Interessensgruppen und Entscheidern, die während den Sitzungswochen nicht stattfinden könnten. Ich bin ja schon zwei Jahre Abgeordnete. Aber es gibt weiterhin viele Menschen, die mich kennenlernen wollen. Diesen Wünschen komme ich gerne nach. Und als Mitglied in den Ausschüssen Verkehr und digitale Infrastruktur sowie Familie, Jugend, Frauen und Senioren habe ich wichtige Themen zu bearbeiten. In der Sommerpause finde ich die Zeit, mich an den Schreibtisch zu setzen und Ideen zu entwickeln. Und ich folge gerne den Einladungen zu Einweihungen, Vorträgen und Festen. Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne auf die Menschen zugehe und sehr unkompliziert bin. Aber natürlich verbringe ich auch Zeit mit meiner Familie und genieße es, einfach mal zuhause zu sein oder mich mit Freunden zu treffen.

FA: Welche Aufgaben stehen im Heimat-Wahlkreis aktuell sowie in der näheren und weiteren Zukunft an?

Kömpel: Wir müssen die Flüchtlingsproblematik im Kreis Fulda und im Vogelsberg lösen. Ich beschäftige mich seit Monaten mit diesem Thema. Besuche in Unterkünften und Kontakte zu Flüchtlingen sind für mich nichts Neues. Die Menschen haben fast alle ein unglaubliches Leid hinter sich. Oft war ich sehr traurig, als ich erfahren habe, was ihnen alles widerfahren ist. Es kommen aber auch viele junge  Leute nach Deutschland, die lernen ganz schnell unsere Sprache und haben ambitionierte berufliche Ziele. Man muss unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern aufzeigen, welch Potenzial in diesen Menschen steckt. Dabei müssen wir uns aber auch weiterhin anstrengen, dass wir alle Bürgerinnen und Bürger mitnehmen und uns um die Menschen kümmern, denen es nicht so gut geht. Ich denke da zum Beispiel an alleinerziehende Mütter oder Väter, junge Familien oder auch ältere Menschen, die unsere Solidarität und Unterstützung benötigen. Trotzdem dürfen wir andere Themen nicht vergessen. Weiterhin muss in der Region die Infrastruktur deutlich verbessert werden. Das gilt beispielsweise für den Breitband-Ausbau im Vogelsberg oder den Ausbau der Bahnstrecke Fulda-Frankfurt, wo in Sachen Trassenverlauf in nächster Zeit die Weichen gestellt werden. Und auch das Thema Verkehrslärm muss angegangen werden.

FA: Wie schätzen Sie selbstkritisch Ihre politische Arbeit ein, nachdem die  Online-Plattform "abgeordnetenwatch.de" Ihnen persönlich ja nicht unbedingt ein gutes "Zeugnis" ausstellte?

Kömpel: Ich denke mal, ich habe mich ganz gut eingearbeitet. Mein Standing in Berlin ist innerhalb und außerhalb meiner Fraktion gut. Und von vielen Bürgerinnen und Bürgern wird anerkannt, dass ich mich für ihre Belange einsetze. Auch aus Politik und Wirtschaft erhalte ich viel Lob für mein Engagement. Das ist für eine Sozialdemokratin im Fuldaer Land schon außergewöhnlich.Zum Thema "abgeordnetenwatch.de": Die Note "befriedigend" ist ungerecht. Eine laut "abgeordnetenwatch.de" unbeantwortete Frage war die nach meiner Mailadresse. Diese habe ich im direkten Kontakt beantwortet und mich mit dem Bürger direkt in Verbindung gesetzt. Alle anderen Fragen wurden von mir ordnungsgemäß beantwortet. Es lohnt sich genau hinzuschauen, denn die Zahlen drücken nicht aus, wie ich meine parlamentarische Arbeit erledige. Ansonsten finde ich dieses Portal sehr gut, denn direkte Bürgerbeteiligung ist ein Muss in unserer Demokratie.

FA:  Wie bewerten Sie die bisherige Arbeit in der großen Koalition auf Bundes- und Ihrem Kollegen Michael Brand sozusagen in der "kleinen  Koalition" auf unmittelbarer und direkter Wahlkreis-Ebene?

Kömpel: Natürlich gibt es Reibungspunkte in Berlin – denn die Große Koalition ist ja keine sogenannte "Liebesheirat" sondern ein Bündnis auf Zeit. Dennoch bin ich positiv überrascht, wie reibungslos die Arbeit in der Regierung funktioniert. Bei den großen Themen würde ich mir insgesamt mehr Mut wünschen. Beispiel: Es kann nicht sein, dass die gesetzlichen Krankenkassen ihre Beiträge erhöhen wollen, während der Staat über 21,1 Milliarden Euro Überschuss erzielt. Wir sollten die große Mehrheit in der Regierung nutzen, um weitere, wichtige Entscheidungen für die Zukunft unseres Landes zu treffen. Mit Michael Brand klappt die Zusammenarbeit ganz gut.  Als Kollege und Mensch schätze ich ihn. Eines ist doch vollkommen klar: Zwei Abgeordnete sind für den Wahlkreis besser als nur einer. Es gibt inzwischen genug Beispiele für verschiedene Förderungen vom Bund, bei denen klar geworden ist, dass wir zusammen mehr erreichen als alleine.

FA: Wie finden Sie die neuen Konstellationen in der hiesigen Kommunalpolitik mit neuem Fuldaer OB, neuem Bürgermeister, neuem Stadtbaurat, neuem Vize-Landrat?  Auf welchen  Feldern könnte die Arbeit zwischen Bundes- und Lokalpolitik (noch) verbessert werden?

Kömpel: Ich habe mit keinem der handelnden Personen in irgendeiner Form ein Problem und schon gar keine Berührungsängste. Dabei bin ich ja als Frau und Sozialdemokratin quasi ein Paradiesvogel in dieser CDU-Herren-Riege.  Mit den Herren Woide, Wingenfeld und Wehner arbeite ich ja seit längerer Zeit gut zusammen. Insgesamt – auch mit den Herren Schreiner (parteilos) und Schmitt - ist ein Generationswechsel vollzogen worden. Ich verbinde damit die Hoffnung, dass dies auch zu progressiven Entscheidungen in Stadt und Land führt. Grundsätzlich gilt für mich: Wenn es um die Belange des Landkreises und der Stadt Fulda geht, spielt die Parteizugehörigkeit keine Rolle. Das klappt mit den verantwortlichen Akteuren auch sehr gut. Aber natürlich hätte ich mir gewünscht, dass bei all den Neubesetzungen von wichtigen Funktionen auch einmal eine Frau berücksichtigt worden wäre.

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