Sommerlad-Ansiedlung an der Autobahn rückt realistisch näher

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Fulda. Der Lenkungsausschuss des Interkommunalen Gewerbegebietes hat sich für eine Sommerlad-Verlagerung an die A 7 positioniert.

Fulda/Petersberg/Künzell/Eichenzell. Der Lenkungsausschuss des Interkommunalen Gewerbegebietes der Stadtregion Fulda hat sich nun endgültig in der Verlagerungsdiskussion um die "Möbelstadt Sommerlad" positioniert. Waren schon vorher die Bürgermeister von Petersberg (Karl-Josef Schwiddessen), Künzell (Peter Meinecke) und Eichenzell (Dieter Kolb) pro neuen Möbelstandort  unmittelbar an der Autobahnausfahrt Fulda-Mitte im Gemarkungsgebiet Künzell, so hat nun auch Fulda OB Gerhard Möller die (nach eigener Aussage) "Kröte geschluckt" und dem seit Monaten heißdiskutierten und umstrittenen Großprojekt sein Plazet erteilt.

Vorbehaltlich der Zustimmung durch die jeweiligen Gemeindeparlamente und die Fuldaer Stadtverordnetenversammlung in den beiden nächsten  Monaten (Eichenzell kommende Woche, Fulda 17. Oktober, Künzell 30. Oktober und Petersberg 6. November) wird die ursprüngliche gemeinsame Vereinbarung vom 6. April 2010 in einigen wesentlichen Punkten geändert und das Industrie- in ein Gewerbegebiet "umgewidmet", in dem nun auch großflächiger (Möbel-)Einzelhandel möglich ist. Auf paralleler Schiene läuft zeitgleich ein Anhörungs- und Abwägungsverfahren in der Regionalversammlung beim Regierungspräsidium Kassel, dessen Zentralausschuss letztendlich in einem mehrheitlichen Beschluss die finale Entscheidung pro oder contra Sommerlad trifft. Nach Einschätzung von Meinecke könnte sich der Prozess bis Mitte kommenden Jahres hinziehen, bis 31.12.2015 muss Sommerlad aus seinem alten Petersberger Standort, der den Unternehmerfamilien  Kutsch und Link gehörenden Immobilie, 'raus. Meinecke zeigte sich hinsichtlich des zeitlichen Spielraums optimistisch, es könnte aber auch 2016 mit der Fertigstellung werden. Firmenchef Frank Sommerlad habe ihm von einem Projekt vergleichbarer Größenordnung berichtet, das in fünfeinhalb Monaen über die Bühne gegangen sei.

Möller informierte, dass sich der Lenkungsausschuss bei seiner Entscheidungsfindung wesentlich vom Gutachten des Stadtforschungsinstituts "Junker und Kruse" vom Juli/August 2014 habe leiten lassen. Auf dieser Basis könne der Verlagerungsansiedlung von Sommerlad nach Künzell und der Umwidmung von Gewerbe- respektive Industrieflächen in einen "Sonderstandort Möbel" zugestimmt werden.

Die wesentlichen Bedingungen/Einschränkungen sind folgende:

- die zentralrelevanten Sortimente Glas, Porzellan, Keramik, Haushaltswaren, Heimtextilien, Wohndekorationsartikel, Spielwaren sowie Baby- und Kinderartikel müssen auf 2.050 Quadratmeter begrenzt bleiben

- eine Verkaufsfläche für Bekleidung wird ausgeschlossen

- die Verkaufsfläche im Bereich Möbel wird auf 16.800 qm begrenzt

- die Gesamtverkaufsfläche darf 21.900 qm nicht übersteigen

- die Gemeinde Künzell verpflichtet sich, die Überwachung der Verkaufsflächen beziehungsweise  der Sortimentsbeschränkungen in Abstimmung mit dem Landkreis als Bauaufsichtsbehörde sicherzustellen.

Und - noch zwei ganz wesentliche Punkte: Für das Interkommunale Gewerbegebiet schließen die vier beteiligen Kommunen zukünftige weitere Einzelhandelsnutzungen und -ansiedlungen aus. Außerdem einigten sich Möller, Schwiddessen, Meinecke und Kolb darauf, die Entwicklung eines gemeinsamen Einzelhandelkonzepts für die Stadtregion zu beauftragen.

Nach Aussage Möllers ist Unternehmer Frank Sommerlad über die neue Faktenlage informiert. "Ja, nach unserem letzten Gespräch kennt er die Kerndaten und akzeptiert sie auch. Dass er darüber nicht gänzlich amüsiert ist, versteht sich von selbst." Fuldas OB infomierte, dass die ersten Sommerlad-Pläne für ihn zum damaligen Zeitpunkt nicht akzeptabel gewesen seien, heute seien sie im Kontext verträglich. Im Hinblick auf eine weitere fruchtbare Zusammenarbeit in der Stadtregion, gestützt auf das Gutachten und unter Berücksichtigung gewichtiger Eckdaten zur Wahrung der Interessen des Fuldaer Innenstadthandels,  habe man sich schließlich  auf eine gemeinsam Linie verständigt. Möller: "Die Stadtregion hat ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Ich habe essentielle Interessen Fuldas vertreten, auch unter dem Gesichtspunkt, dass wir keine zukunftsträchtigen eigenen Gewerbeflächen an der Autobahn haben."  Der OB warb für den "tragfähigen Kompromiss", an dem lange herumgedoktort worden sei. "Es gilt noch viel Terrain in der Stadtregion zu beackern. Ich habe eine Kröte schlucken müssen, nun habe ich keine Schluckbeschwerden mehr ."

Künzells Bürgermeister konnte sich ebenfalls mit dem gefunden Kompromiss "einverstanden erklären". Meinecke: "Wir werden unserer Kontrollpflicht nachkommen und keinen weiteren Einzelhandel im Gewerbegebiet zulassen"  - gleichwohl das Interkommunale Geerbegebiet seinerzeit unter der Prämisse großflächiger Einzelhandel installiert worden sei.

Petersbergs Bürgermeister bezeichnete die Entscheidung als "sehr guten Kompromiss". Auf lange Sicht wolle man auch weiterhin gut in der Stadtregion zusammenarbeiten. Schwiddessen: "Die Autobahn (A 7) ist schließlich eine Eins-A-Lage."

Laut Dieter Kolb  geht die Interkommunale Zusammenarbeit in der Stadtregion aus diesem Prozess gestärkt hervor. "Wir haben den schwierigsten aller Test bestanden und aus der Kunst des Machbaren einen vertretbaren Kompromiss zustande gebracht." Eichenzells Bürgermeister ist sich sicher, dass seine Gemeindevertretung kommende Woche in der Sitzung ihre Zustimmung erteilt.

"Wir begrüßen die Entscheidung und tragen den Kompromiss mit", sagte Unterrnehmer Frank Sommerlad zu "Fulda aktuell".  "Das war eine große Hürde, die jetzt genommen wurde. Wir werden unser Verkaufskonzept in den einzelnene Warengruppen entsprechend anpassen." Sommerlad appellierte an die Regionalversammlung, dass diese jetzt auch sein Projekt "verantwortungsbewusst" angehen solle. "Das ist kein Selbstläufer, wir sollten nicht vorher abheben", aber bisher sei noch nie vorgekommen, dass das Regierungspräsidium eine negative Entscheidung ausgesprochen hätte, wenn sich eine Region vorher darauf geeinigt habe. "Danach wird es erst richtig sportlich, in sechs Monaten Bauzeit gilt es das Projekt zu stemmen – was auch auf die Knochen und zu Lasten der Mitarbeiter geht", sieht Sommerlad darin auch "eine gewichtige Mitverantwortung in der einseitigen Kampagne und Berichterstattung der örtlichen Tageszeitung." Gleichwohl ziehe man das Ganze durch und bleibe auch bei der Bereitstellung von 100 neuen weiteren Arbeitsplätzen zu den schon bestehenden 130 Mitarbeitern. "Wenn man das hochrechnet, dann sind 450 Familien in der Region betroffen", so Frank Sommerlad abschließend.

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Schwenk: Eine schlechte Entscheidung für die RegionHünfelds Bürgermeister kritisiert Ansiedlungspläne für Möbelhaus auf der grünen Wiese

Hünfeld. "Es ist eine schlechte Entscheidung für die Region", mit diesen Worten kritisiert Hünfelds Bürgermeister Stefan Schwenk die Einigung der vier Bürgermeister der Stadtregion Fulda für die Ansiedlung eines großen Möbelhauses auf der grünen Wiese.

Auch wenn die Verkaufsflächen der geplanten Ansiedlung vermeintlich reduziert würden, bleibe es in der Summe bei einer erheblichen Ausweitung, da auch am Altstandort nach wie vor die Branche präsent bleibe. Verkaufsflächen für Möbel würden somit erheblich ausgeweitet, was zwangsläufig zu einer massiven Gefährdung für die bestehenden Möbelhäuser im Umfeld in Thalau, Gersfeld und Hünfeld führen werde. Dies sei aus den bekannt gewordenen Zahlen der gutachterlichen Untersuchung eindeutig abzulesen. Es gehe nicht allein um die Stadtregion Fulda, sondern die ganze Region. Deshalb bleibe nur die Hoffnung, so Hünfelds Bürgermeister Schwenk, dass die regionale Planungsversammlung ihrer Verantwortung gerecht werde und dieser Fehlentwicklung Einhalt gebiete. Den vier Bürgermeistern sei offenbar das Hemd ihrer Kommunen näher, als der Mantel der Region. Während er noch Verständnis für die Haltung der vier Bürgermeister aufbringen könne, die aus ihrer Sicht für ihre Standorte Partei ergriffen hätten, so habe er sich über Aussagen der SPD richtig geärgert. Da werde das Argument der Arbeitsplätze ins Feld geführt, aber dabei ganz allein die Stadtregion mit den beteiligten vier Kommunen betrachtet und mit dem drohenden Verlust von 150 Arbeitsplätzen bei Sommerlad argumentiert. Für die Region sei es sicher ein Pyrrhussieg, wenn als Folge des fragwürdigen Taktierens von Sommerlad in dieser Angelegenheit mit dem Erhalt von 150 Arbeitsplätzen argumentiert werde, auf der anderen Seite aber außerhalb der Stadtregion in vergleichbarer Größenordnung Arbeitsplätze verloren zu gehen drohten. Verräterisch sei dabei besonders die Aussage des Eichenzeller SPD-Fraktionsvorsitzenden Günter Strelitz, der festgestellt habe, dass man zwei große Möbelhäuser in der Region brauche. Im Umkehrschluss bedeute dies, dass es ihm offenbar völlig egal ist, was aus den bestehenden mittleren Möbelhäusern werde, die für Wettbewerb, Vielfalt und Arbeitsplätze in der Region sorgten. Deren Arbeitsplätze spielten für die SPD offenbar keine Rolle.

Der Gesetzgeber habe mit den Instrumenten der Regionalplanung solchen Fehlentwicklungen bewusst Grenzen setzen wollen. Deshalb appelliere er jetzt an die regionale Planungsversammlung, von diesen Instrumenten tatsächlich Gebrauch zu machen, um einer Kannibalisierung in der Einzelhandelsentwicklung Grenzen zu setzen, für die letztlich auch der Verbraucher die Zeche zahlen müsse, weil weniger Wettbewerb für weniger Auswahl und langfristig auch für weniger Vielfalt und Preiswürdigkeit sorgen werde.

Wenn die Stadtregion Fulda dafür eintrete, dass sich die gesamte Wirtschaftsregion gemeinsam nach Außen vermarkte, müsse dies im Umkehrschluss auch dazu führen, dass diese Wirtschaftsregion insgesamt, also einschließlich des Kreisgebietes außerhalb der Stadtregion Fulda ihre Angelegenheiten nach innen einvernehmlich zu lösen versuche. Das könne er hier nicht erkennen, betont Schwenk abschließend.

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