Sommerlad-Chef: "Keine Panik-Strategie"

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Osthessen. Aktueller Stand der "Sommerlad"-Debatte - Firmenchef Frank Sommerlad äußert sich erstmals öffentlich zu den Neubau-Plänen an der A7.

Fulda/Petersberg/Künzell/Eichenzell. Es war Ende Juni, als die "Bombe platzte" und Frank Sommerlad, Firmenchef der "Möbelstadt Sommerlad" über "Fulda aktuell" erstmals öffentlich machte, dass er ein "Projekt Zukunft" in die Wege geleitet habe und ein neues Möbelhaus plane. Sein neuer, präferierter Standort liegt "über der Autobahn" an der Ausfahrt Fulda/Petersberg Mitte, auf Künzeller Gemarkung im "Interkommunalen Gewerbegebiet Fulda-Petersberg-Künzell-Eichenzell". Für die Immobilie am Standort Petersberg hat Sommerlad bei der Vermieterfamilie Link Ende 2012 gekündigt, bis Ende 2015 muss das Möbelunternehmen ausziehen. An Sommerlads Stelle folgt auf einem Teil der alten Fläche der Möbel-Discounter "Poco", der Vollsortimenter wie Sommerlad (und auch Buhl) freilich nicht wirklich ersetzen kann.

Mittlerweile sind gut vier Monate ins Land gezogen – und kein Thema hat Politiker, Wirtschaft, Regionalplanung, Medien und die Öffentlichkeit in Fulda und der Stadtregion zuletzt mehr beschäftigt als der "neue Sommerlad". Viel Porzellan wurde seither zerschlagen, Halbwahrheiten, tendenziöse Darstellungen verbreitet. Fast jeder meinte, sich äußern zu müssen, obwohl vielen die Hintergründe, der Gesamtzusammenhang, fehlte. Die täglichen "Wasserstandsmeldungen" sorgten für einen Imageschaden und permanenten Rechtfertigungsdruck beim Unternehmen Sommerlad, vor allem aber für große Verunsicherung bei hunderten von Mitarbeitern und deren Familienangehörigen sowie für Zweifel, ob sich denn nun die angedachten, bis zu 200 neuen Arbeitsplätze überhaupt realisieren lassen.

Nun gilt es für alle, am Findungs- und Entscheidungsprozess Beteiligten, das Gesicht zu wahren und die Anstrengungen zu bündeln – denn im Prinzip wollen alle nur das eine – das Beste für die Stadtregion und den Möbelstandort Fulda. Das Beste für Sommerlad (ein neues, modernes, den aktuellen Marktgegebenheiten angepasstes Möbelhaus), das Beste für die "Interkommunale Region" (Kunden, Kaufkraft und Gewerbesteuer-Einnahmen für Petersberg, Künzell, Eichenzell und Fulda generieren) sowie das Beste für die City Fulda (den innerstädtischen Einzelhandel stärken).Sonst könnte die Kaufkraft von hier ab- und woanders hinfließen – und das kann niemand wirklich und ernsthaft wollen.

Was fehlt, ist ein effektives regionales Einzelhandelskonzept. Dringender und nötiger denn je. Erforderlich ist ein Zusammenwirken und nicht "Gegeneinanderarbeiten" aller Verantwortlicher, eine konzertierte Aktion von Citymarketing, Politik, Gemeinden, Regionalplanung und den Möbelhäusern. Beider – Buhl und Sommerlad.

Doch die Wertigkeit des Möbelstandortes Fulda mit zwei Vollsortimentern und hoher Qualität vor Ort könnte auf der Strecke bleiben. Denn von Westen baut sich ein "Droh-Szenario" auf. Der Möbelgigant "Segmüller" will (und wird wohl auch) bei Bad Vilbel bauen. Einen 45.000 Quadratmeter großen Möbelmarkt mit einem Gesamtinvestitionvolumen von rund 120 Millionen Euro – auch wenn der Entscheidungsprozess in die nächste Etappe geht. Zum Vergleich: die geplante und veranschlagte neue Sommerlad-Größenordnung liegt bei 28.000 Quadratmetern und einem Invest von 30 Millionen.Durch Segmüller dürfte es zwangläufig zu noch mehr Wettbewerb, ja es könnte zu einer totalen Verdrängung auf dem Möbelmarkt kommen. Ein Experte drückt es so aus: "Durch den Druck aus Bad Vilbel kommt es zu einer gewaltigen Verschiebung von Kundeneinzugsgebieten, weit über den 70-Kilometer-Radius, der gängige Planungsradius großer Möbelhäuser, hinaus." Die Kaufkraft könnte abwandern, die Herabsetzung des Möbel- und Wirtschaftsstandortes Fulda wäre die logische Folge und Konsequenz. Zumal es neben Segmüller schon bestehende, vergleichbare "Giganten" am (über-)regionalen Möbelmarkt gibt: Aus Richtung Norden und Kassel mit "Finke" und "Ikea". Aus Richtung Süden (Schweinfurt, Würzburg) "XXL-Lutz", -"Neubert" und ebenfalls "Ikea". Aus Richtung Westen, auf halber "Segmüller-Strecke" bei Gründau-Lieblos "Möbel Höffner" (früher "Walther").

Und über allem schwebt das "Damoklesschwert" möglicher Arbeitsplatzverluste, mit drohender Arbeitslosigkeit in hunderte Familien hinein – allein durch die fehlende Wettbewerbssituation am Standort Fulda, der nicht mehr auf Augenhöhe mit den "Giganten" wäre. Da wäre es ratsam, wenn man auf Konzepte bauen, sich auf Gutachten und Analysen stützen könnte.

"Fulda aktuell" hat intensiv und exakt recherchiert, welche Aussagen durch Gutachten dokumentiert sind. Da gab es zuletzt mehrere – zu den innenstadt-relevanten "Kaiserwiesen" (2006) und zuletzt vom Juli 2010 die von der Stadt Fulda in Auftrag gegebene "GMA-Studie". Dabei handelt es sich um eine "Auswirkungsanalyse für ein innerstädtisches Einkaufs-zentrum in der Stadt", sprich, das bis dato ungenutzte "Löhertor-Zentrum".

Aus dieser "GMA"-Analyse leiten sich folgende Fest- und Fragestellungen ab: Eine Nutzung der innenstadt-relevanten Sortimente wird bestätigt, aber ein spezielles Gutachten zum "Emaillierwerk" konnte nicht gefunden werden. Wo doch gerade hier die in der "GMA"-Analyse aufgeführten Innenstadt-Sortimente "friedlich vereint" sind – verbunden mit vielen freien Parkplätzen. Vor diesem Hintergrund mutet die Aussage von "IHK"-Hauptgeschäftsführer Stefan Schunck zu dem Vorgang nachdenklich an. In den vergangenen Jahren haben Investoren in der Stadtregion viele Verkaufsflächen geschaffen, in den Einkaufszentren ,Kaiserwiesen’ und ,Emaillierwerk’ sowie an der ,Alten Ziegelei’ in Petersberg, um die großen Projekte zu nennen. Zitat von IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schunk: "Diese neuen Flächen haben dazu geführt, dass die Kunden-Frequenz in der Innenstadt spürbar zurückgegangen ist." ("FZ" vom 21. November, S. 11). Hallo – geht es noch? Haben die bösen Investoren etwa die guten Kommunalpolitiker überlistet? Fragen über Fragen!In der innerstädtischen Leitbranche Bekleidung/Schuhe/Sport stellt die Innenstadt den wesentlichen Versorgungsstandort in Fulda dar. Die Warengruppe Drogerie/ Parfümerieartikel, Bücher/ Zeitschriften, Hausrat/Heimtextilien sowie der sonstige Einzelhandel besitzen einen (hohen, weit über 100) Zentralisierungsgrad(lt. GMA") – somit binden und generieren diese Branchen Kaufkraft aus dem Umland für die Innenstadt Fulda.

Daher ist zu begrüßen, dass ein Expertengremium von unabhängigen Professoren der Hochschule Fulda eine Expertise erarbeitet, die aus allen vorliegenden Studien die entsprechenden Schlüsse zieht. Hierzu gehören auch eine kürzlich erstellte Trendanalyse, die Auswirkungsanalyse von "CIMA" (München), und auch das von "Möbel Buhl" beauftragte Gutachten sollte integriert werden. "Fulda aktuell" wird "am Ball bleiben".

"Randstaaten"-Meinungen

Nicht eindeutig – vielmehr im Verhältnis 3:1 – sind die Haltungen der in den "Sommerlad-Showdown" involvierten Bürgermeister. Am 5. Dezember soll die nächste (finale!?) Sitzung im "Lenkungsausschuss Interkommunales Gewerbegebiet" (hier ist ein einstimmiges Votum nötig) mit Karl-Josef Schwiddessen (Petersberg), Peter Meinecke (Künzell), Dieter Kolb (Eichenzell) und Gerhard Möller (Fulda) stattfinden. Die drei erstgenannten Bürgermeister sind pro "Sommerlad" am neuen Standort in Künzell, wie unterdessen vielfach berichtet wurde. Fuldas Oberbürgermeister ist (noch) dagegen. Er ist zwar für "Sommerlad"– allerdings an einem alternativen Standort, wie ebenfalls berichtet wurde.

Und da bleiben nur noch die "Kaiserwiesen", genauer das Areal südlich davon zwischen Bahnlinie und Bundesstraße 27. Doch schon heute sind dort zu Hauptstoßzeiten die Verkehrsströme im Kreisel ein limitierender Faktor. Und warum ein "Sommerlad" am "Kaiserwiesen"-Standort andere Effekte (positiver und/oder negativer Art) auf die Fuldaer Innenstadt haben sollte als an der Autobahnausfahrt Petersberg, erschließt sich Experten auch nicht wirklich.

Fuldas OB jedenfalls hat Frank Sommerlad vergangenen Freitag den Standort an den Kaiserwiesen angeboten, wie von mehreren Seiten bestätigt wurde. Möller möchte diese Entscheidung nicht alleine treffen und möglicherweise noch die Stadtverordnetenversammlung über das umstrittene Projekt abstimmen lassen, wird berichtet. Die endgültige Entscheidung über den möglichen "Sommerlad"-Standort an der A7 wird im Rahmen der Regionalplanung fallen.

Hinsichtlich der "interkommunalen Zusammenarbeit" zwischen Fulda und seinen Stadtrandgemeinden bleibt die weitere Entwicklung abzuwarten. Aus Künzell, Eichenzell und Petersberg waren durchaus Stimmen zu vernehmen, welche die Zielrichtung des Zusammenwirkens bisher eher als eine Einbahnstraßenregelung mit eindeutigen Vorteilen für das Oberzentrum Fulda beschrieben.

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Das aktuelle Interview: Frank Sommerlad persönlich

Fulda/Petersberg/Künzell. Zum aktuellen Sachstand des geplanten Möbelhauses im "Interkommunalen Gewerbegebiet" in Künzell stand Firmenchef Frank Sommerlad "Fulda aktuell" Rede und Antwort:

Fulda aktuell: Herr Sommerlad, was sagen Sie – erstmals in der Öffentlichkeit – zu Ihrem geplanten Projekt?Frank Sommerlad: Natürlich ist eine permanente Berichterstattung außerordentlich wichtig, um komplizierte Sachverhalte für die Bürger und Leser verständlich zu machen. Aber hier ist – ebenso natürlich – von großer Bedeutung, dass die Sachverhalte und Inhalte korrekt recherchiert und wiedergegeben werden – und das war in den vergangenen Wochen nicht immer der Fall.

FA: Wie beurteilen Sie die weitere Entwicklung?Sommerlad: Es ist erfreulich, dass in einer Reihe von klärenden Gesprächen wichtige Persönlichkeiten am Standort Fulda die strategischen Bedingungen prüfen konnten, die zu einer Verlagerung des Unternehmens "Sommerlad" geradezu zwingen. Anders wird die Zukunftsfähigkeit am Standort Fulda nicht zu gewährleisten sein. Und so ist es wirklich erfreulich, dass der sachliche Dialog mit Oberbürgermeister Möller sowie den Bürgermeistern von Petersberg, Künzell und Eichenzell nunmehr in einer Phase ist, die auch sachliche Entscheidungen ermöglichen kann. Sicher besteht hier noch Diskussionsbedarf – und ich möchte in keinem Fall diese vertraulichen Gespräche durch vorschnelle Aussagen in den Medien gefährden.

FA: Welches Zeitfenster ist für diesen Prozess noch notwendig?Sommerlad: Das ist auf den Tag genau nicht zu sagen – letztlich müssen Alternativen geprüft, rechtliche Rahmenbedingungen abgesteckt und die Möglichkeiten von Abänderungen mit den politischen Funktionsträgern diskutiert und von den Verantwortlichen entschieden werden. Auch hier bitte ich um Verständnis, meinen Gesprächspartnern in keiner Form vorgreifen zu wollen.

FA: Was würde passieren, wenn es nicht zu einer tragfähigen Einigung käme?Sommerlad: Nun – ich möchte nicht mit Panik-Szenarien aufwarten. Aber natürlich sollte eine wichtige Zuführung von kaufkraftstarken Kunden für den Standort Fulda angesichts möglicher Verdrängungsmechanismen sichergestellt werden. Wäre dies nicht der Fall, dann wären die Folgen selbstverständlich sehr schwerwiegend. Und das sollte für uns alle Verpflichtung genug sein, gemeinsam die Attraktivität des Standorts Fulda zu erhalten und weiter zu entwickeln. Wir jedenfalls werden unseren Teil dazu beitragen.

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Peripherie-PositionKolb für "Sommerlad"-Standort an der A7

Eichenzell. Die Haltung des Eichenzeller Bürgermeisters Dieter Kolb ist eindeutig: Er ist für den geplanten Standort des neuen "Sommerlad"-Möbelhauses an der Autobahnausfahrt Fulda-Mitte in der Gemarkung Künzell.

"Die Lösung ,Kaiserwiesen’, die jetzt in der Presse diskutiert wird, ist möglicherweise machbar. Aber ich bin skeptisch. Das Gelände dort ist zu eng. Und schon jetzt ist die Verkehrssituation vor Ort überlastet. Und warum in den ,Kaiserwiesen’ die Innenstadtrelevanz für Fulda nicht gegeben sein sollte, erschließt sich mir auch nicht", so Eichenzells Gemeindeoberhaupt.

Für den Fall der Fälle, dass man sich letztlich doch für den "Kaiserwiesen-Kompromiss-Standort" positionieren wollte, stellt Kolb eine eindeutige Grundbedingung: "Dann muss das Areal auch als Interkommunales Gewerbegebiet ausgewiesen werden." Für Eichenzells Gemeindeoberhaupt ist der Autobahnstandort "der optimale Standort". "Wenn man mit offenen Augen durch das Land fährt, dann sieht man eindeutig, dass alle großen Möbelhäuser an den Autobahnen liegen." Eine Innenstadtkonkurrenz sieht Kolb nicht wirklich gegeben. "Wenn man liest und hört, wer sich zu Wort und Bedenken anmeldet, dann sind die nicht in der Fuldaer City angesiedelt, sondern in erster Linie Geschäftsleute aus dem "Kohlhäuser Feld". Auch das Argument, "dass dort oben an der A7 der Einzelhandel noch weiter ausgeweitet werde", lässt Kolb nicht gelten. "Das wird nicht passieren. Da gibt es klare rechtliche Vorschriften, die das be-und einschränken."

Mit Fuldas OB Gerhard Möller und seinen Bürgermeister-Kollegen Karl-Josef Schwidd-essen (Petersberg) und Peter Meinecke (Künzell) befinde man sich im stetigen Austausch. Von Möller wisse er, dass er seine Position noch mit und in den städtischen Gremien besprechen wolle.

Abschließend fände Kolb es "außerordentlich schlecht und schade, wenn von zwei größeren Möbelsortimentern in der Stadtregion einer auf der Strecke bleiben müsste." Die Leidtragenden seien die Kunden. "In erster Linie und vor allem geht es aber um die Arbeitsplätze. Jetzt 120 bestehende und dann noch 200 neu dazukommende."  Kolbs Ratschlag an die Entscheidungsträger: "Die sollten sich in Würzburg und Kassel umschauen. Diese Standorte vertragen auch mehrere größere Möbelhäuser. Und das Sortiment Möbel geht hört eindeutig an die Peripherie!"

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