Sorge um Obdachlose in diesem Corona-Winter

Ein Interview mit Bereichsleiter der Wohnungslosenhilfe, Torsten Hammer, des „Caritasverbandes für die Regionen Fulda und Geisa“.

Fulda - Gerade für wohnungslose Menschen ist diese Zeit des Jahres keine Einfache. Die Tage werden kürzer, kälter und dieses Jahr kommen auch noch die Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen hinzu. Welche Möglichkeiten bleiben obdachlosen Menschen da noch? Und finden sie dieses Jahr überhaupt einen Schlafplatz? „Fulda aktuell“ hat mit dem Bereichsleiter der Wohnungslosenhilfe, Torsten Hammer, des „Caritasverbandes für die Regionen Fulda und Geisa“ gesprochen und bei der Pressestelle der Stadt Fulda nachgefragt.

Die Stadt Fulda verfügt aktuell über drei eigene Gebäude zur Unterbringung von Wohnungslosen mit einer Kapazität bis zu insgesamt 60 Personen sowie über ein weiteres Gebäude als Notschlafstelle.

Mit Blick auf die Corona-Pandemie wurden von der Stadt Fulda drei Wohneinheiten für „Quarantänisierungen“ von wohnungslosen Menschen eingerichtet. Aufgrund verschiedener Größen (Ein- bis Vierzimmerwohnungen), ist es möglich, sowohl Einzelpersonen als auch Mehrpersonenhaushalte unterzubringen.

In den Obdachlosenunterkünften erfolgen derzeit vorrangig, auch in Mehrbettzimmern, nur Einzelbelegungen. Im Übernachtungsheim wird darauf geachtet, dass bei Zuordnung der Schlafplätze die Personenanzahl in einem Schlafsaal so gering wie möglich gehalten wird.

Fulda aktuell: Was hat sich in der Corona-Zeit in Unterkünften für Obdachlose verändert?

Torsten Hammer: „In unserer Einrichtung „Haus Jakobsbrunnen“ gibt es seit der Corona-Pandemie ein verschärftes Hygienekonzept und eingeschränkten Zugang. Besucher müssen sich nach Eintritt ins Haus die Hände desinfizieren. In den Räumlichkeiten der Tagesstätte und Fachberatung sowie allen Fluren und im Treppenhaus besteht Maskenpflicht.

Auf den Tischen der Tagesstätte wurden Plexiglasscheiben angebracht. Toiletten und Türklinken Lichtschalter, Treppenhandläufe und andere Kontaktflächen werden regelmäßig desinfiziert. Für die Wohnheimbewohner besteht von außerhalb ein absolutes Besuchsverbot. Das Einhalten der Hygieneregeln ist nicht immer leicht für unsere Bewohner. Sie gehen oft sorglos mit der Pandemie um und verstehen nicht immer die vorgegeben Regelungen. Trotzdem setzen wir innerhalb des Hauses großen Wert auf den Mindestabstand und die Maskenpflicht“.

FA:  Gibt es Änderungen im Tagesangebot?

Hammer: In unserer Tagesstätte dürfen sich nicht mehr so viele Personen gleichzeitig aufhalten und die Öffnungszeiten sind eingeschränkt, weil wir durch die Hygienevorkehrungen und zur Durchsetzung der Hygieneregeln nicht genügend Personal haben. Viele unserer ehrenamtlichen Helfer gehören aufgrund des Alters und von Vorerkrankungen zur Risikogruppe und können nicht eingesetzt werden. Wohnungslose Menschen können sich tagsüber aber auch außerhalb unserer Öffnungszeiten zum Aufwärmen in der Tagesstätte aufhalten. Zu den Tagesangeboten muss auch die ‚Vinzenzküche‘ genannt werden. Aufgrund ihrer beengten Räumlichkeiten kann die ‚Vinzenzküche‘ die Hygienevorschriften nicht einhalten und somit kein Essen mehr in den eigenen Räumen ausgeben. Der ‚Caritasverband für die Regionen Fulda und Geisa‘ kooperiert daher mit den Vinzentinerinnen. Zurzeit gibt es einmal in der Woche ein warmes Essen in der Tagesstätte.

Ab dem 30. November ist dann der „HOT Truck“ in Fulda unterwegs. Es ist ein Kooperationsprojekt des ‚Caritasverband für die Diözese Fulda‘ und des ‚Caritasverbandes für die Regionen Fulda und Geisa‘, unterstützt vom Team ‚Nelles -Catering‘. Das Essen wird jeden Tag von den Vinzentinerinnen frisch zubereitet.

FA: Führt der Umstand der Corona-Zeit in Einrichtungen zu Platznot?

Hammer: In unserem Wohnheim ‚Haus Jakobsbrunnen‘ sind nur acht von zehn Zimmern belegt. Auch in den städtischen Notunterkünften und dem Städtischen Übernachtungsheim ist noch genügend Kapazität vorhanden.

FA: Wie schätzen Sie die Lage für Obdachlose in Fulda ein?

Hammer: In Fulda gibt es nicht sehr viele Wohnungslose die draußen schlafen. Die Lage ist nicht mit der in Großstädten zu vergleichen. In Fulda gibt es mehr „verdeckte Wohnungslosigkeit“. Diese Bezeichnung gilt für Menschen, die keinen eigenen Wohnraum haben und oft im Wechsel bei verschiedenen Freunden und Bekannten unterkommen. Das Gute ist, im Übernachtungsheim und auch im Haus ‚Jakobsbrunnen‘ ist noch Platz.

Aktionstag im Garten des „Haus Jakobsbrunnen“: Die Helfenden Petra Matuszewski, Christine Frauendorf und Ulrike Siuda (von links).

FA: Gibt es auch genügend Anlaufstellen zum Aufwärmen?

Hammer: Hier müssen wohnungslose Menschen Einschränkungen hinnehmen. Zurzeit gibt es nicht die Möglichkeit, sich in der ‚Bahnhofmission‘ oder in öffentlichen Cafès aufzuwärmen. Allerdings bietet die ‚Bahnhofsmission‘ zurzeit vormittags heiße Getränke und „Stullen“ ‚to go‘ an. In der Tagesstätte im ‚Haus Jakobsbrunnen‘ können sich Wohnungslose ganztägig aufhalten und aufwärmen. Dieses Angebot wird zurzeit aber noch wenig genutzt. Vielleicht kommen mehr, wenn es noch kälter wird.

FA: Was hat sich in der Corona-Zeit noch für Obdachlose verändert?

Hammer: Durch die eingeschränkten Öffnungszeiten in den Behörden geht vieles langsamer. Für eine Anmeldung in der Meldebehörde muss man bis zu zwei Wochen auf einen Termin warten. Ohne die Meldebescheinigung kann man aber keine Sozialleistungen beantragen.

FA: Haben sie Sorge um die Obdachlosen dieses Jahr?

Hammer: Sorge habe ich, dass sich unser Klientel anstecken könnte. Viele von ihnen gehen sorglos miteinander um und halten nicht immer die Hygieneregeln ein. Einige sind gesundheitlich angeschlagen oder haben Vorerkrankungen, sind starke Raucher und haben sicherlich nicht das beste Immunsystem. Diese Menschen gehören zur Risikogruppe.

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