Sorge um Preiskrieg

Von HANS-PETER EHRENSBERGEROsthessen. Welche Chance hat das traditionelle regionale Lebensmittelhandwerk berhaupt noch in Zukunft im Preis

Von HANS-PETER EHRENSBERGER

Osthessen. Welche Chance hat das traditionelle regionale Lebensmittelhandwerk berhaupt noch in Zukunft im Preiskrieg mit den groen Lebensmitteldiscountern?

Diese Frage stellt sich mit groer Sorge und Skepsis die Kreishandwerkerschaft Fulda und ganz speziell die Bcker-Innung. Auf einer Pressekonferenz appellierten Innungsobermeister Joachim Michel, Kreishandwerkerschaft-Geschftsfhrer Manfred Schler und Pressereferent Dr. Herbert Bttner an die ffentlichkeit und den Verbraucher, bewusst auf Vielfalt und Qualitt zu setzen und nicht vordergrndig auf Tiefstpreise und Bequemlichkeit.

Der Kampf der Bauern um adquate Milchpreise ist noch lange nicht zu Ende. Und auch auf dem Wurstsektor wurden erneut die Preise fr zahlreiche Produkte gesenkt. Da wurde kurz vor Weihnachten bekannt, dass ein Marktfhrer im Sden der Republik zuknftig auch frische Backwaren, sprich Brtchen, zu Discountpreisen anbieten will. Und es drfte nur eine Frage der Zeit sein, wann die brigen Discounter folgen werden.

Die Frage stellt sich, ob das traditionelle und regionale Lebensmittelhandwerk noch eine Chance hat und ob wir in Zukunft berhaupt noch Bcker finden werden, bei denen wir frische Brtchen kaufen knnen. Und welche Folgen von Umsatzeinbuen ber eine niedrigere Ausbildungsquote bis hin zu Betriebsschlieungen auf uns zukommen werden, wenn ein Stck Ess- und Ernhrungskultur sang- und klanglos dem Preiskrieg geopfert wird, beklagte Innungs-Obermeister Michel.

Brtchen sind fr unsere Bcker sozusagen das tglich Brot, formulierte Manfred Schler und drckte die Sorge aus, dass in zehn bis 15 Jahren Brot und andere Backwaren berall gleich schmecken. Er wolle keine Verbraucherschelte betreiben, gleichwohl deutlich darber aufklren, dass wir an Qualitt vor Ort verlieren und die Nhe zum Bcker verloren geht, wenn wir nicht bereit sind, fr bessere und vielfltigere Produkte auch mal einen Euro mehr zu bezahlen.

Manfred Kremer, Geschftsfhrer des Vereins Natur- und Lebensraum Rhn, pldierte eindringlich fr die Nachvollziehbarkeit regionaler Wirtschaftskreislufe. Vom Landwirt ber den Mller bis hin zum Bcker mssen wir auf die tollen, vielseitigen und individuellen Produkte und Spezilitten unserer Heimat aufmerksam machen. Kremer sieht gerade darin eine Chance fr das heimische Lebensmittel-Handwerk, einen Kontrapunkt zu dem zu setzen, was gegenwrtig bei den Discountern abgeht.

Wie die Entwicklung weitergehe, liege in erster Linie in den Hnden der Konsumenten. Die msse man eindringlich ber mgliche Konsequenzen aufklren. Preislich knne das regionale Bckerhandwerk jedenfalls nicht dagegenhalten. Einig war man sich in der Beurteilung, dass traditionelle Strukturen, ber die das Bckerhandwerk im Landkreis Fulda noch verfgt, gefhrdet seien oder sogar bald wegbrechen knnten.

Als Antwort und Reaktion wollen Kreishandwerkerschaft, Innung und Biosphrenreservat Rhn in diversen zielgerichteten Aktionen schon im Kindergarten beginnend vermehrt auf die vielfltigen Leistungen und Angebote der rtlichen Bckerbetriebe aufmerksam machen. Eine erste Gelegenheit zur Demonstration heimischer Bcker-Strke bietet sich schon am 16. Mai in Poppenhausen zu diesem Termin findet nmlich der erste Rhner Brotmarkt statt.

+++ HINTERGRUND +++

Qualitt und Vielfalt: Das Bcker-Handwerk

Noch gibt es etwa 14.500 Bcker in Deutschland. Noch hat die Branche etwa 290.000 Beschftigte und rund 36.000 Auszubildende. Und noch verfgt die Bundesrepublik ber die grte Auswahl an Backwaren weltweit. ber 300 Brotarten und 1.200 Sorten an Kleingebck werden bei uns angeboten. Gleichwohl zirka 1.000 Betriebe pro Jahr bundesweit verloren gehen.

Gerade die Region Fulda ist berregional bekannt fr qualitativ hochwertige Lebensmittel. Deshalb zhlt die hiesige Bcker-Innung (identisch mit dem Landkreis Fulda) mit ihren 1.100 Beschftigten in 41 Mitgliedsbetrieben auch zu den groen in der Branche (hessenweit an dritter Stelle). In der Region gibt es noch viele kleine Familienbetriebe, in denen Inhaber und Mitarbeiter sich mit dem Betrieb und der angebotenen Ware (bis zu 200 unterschiedliche Backartikel pro Tag) identifizieren, die sichere Arbeitspltze bieten und in denen berproportional stark ausgebildet wird (derzeit etwa 140 Azubis in Verkauf und Produktion).

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