Sparkasse Fulda: Positives Geschäftsjahr 2011

Fulda. Wachstum im Kundengeschäft, stabile Ergebnissituation und solide Eigenkapitalbasis: Für die Sparkasse Fulda ist die Bilanz des Geschäftsjahr

Fulda. Wachstum im Kundengeschäft, stabile Ergebnissituation und solide Eigenkapitalbasis: Für die Sparkasse Fulda ist die Bilanz des Geschäftsjahrs 2011 erfreulich ausgefallen. "Osthessens Marktführer ist gut gerüstet für die Herausforderungen der Zukunft", zeigte sich Vorstandsvorsitzender Alois Früchtl beim Jahrespressegespräch optimistisch. Landrat Bernd Woide darf als amtierender Verwaltungsratsvorsitzender zusammen mit Oberbürgermeister Gerhard Möller auf eine Sparkasse bauen, die das wirtschaftliche Geschehen in der Region gleichermaßen stabilisieren wie fortentwickeln kann. Zuverlässig, ortsnah und kundenorientiert soll die Sparkasse weiterhin bleiben. Konsequenterweise setzten Früchtl und seine Vorstandskollegen Uwe Marohn und Horst Habermehl die Brille des Bilanzbuchhalters beim Pressetermin ab und erläuterten wichtige Entwicklungen des Jahres 2011 aus der Perspektive der Kunden.

Wann gibt es wieder mehr Zinsen für Geldanlagen?

Der Sparkassenvorstand rechnet zumindest im ersten Halbjahr 2012 nicht mit einem durchgreifenden Anstieg des Zinsniveaus. Ein gewisser Teil der Kunden denke offensichtlich ähnlich. Uwe Marohn berichtet von einer vorsichtig zunehmenden Bereitschaft, sich bei der Geldanlage auch auf nie-drigem Renditeniveau wieder auf feste Laufzeiten einzulassen. "Bei den Sparkassenbriefen hatte die Sparkasse im Jahr 2011 einen Zuwachs von mehr als 70 Mio EUR. Ein großer Teil davon kam aus Anlageformen, bei denen die Kunden binnen drei Monaten oder sogar täglich über ihr Geld verfügen können."

Von einer Trendwende im Kundenverhalten mochte Marohn gleichwohl nicht sprechen. "Die meisten Menschen tendieren weiterhin dazu, ihre Rücklagen auch um den Preis niedriger Zinsen flüssig zu haben." Auf dem Tagesgeldmarkt sei der Wettbewerb nach wie vor hart. Manche Geschäftsbanken würben um neue Privatkunden, weil sie am Kapitalmarkt kaum mehr zum Zuge kämen. Trotzdem stieg das Einlagenvolumen der Sparkassse im Jahr 2011 – auch dank hoher Termingelder gewerblicher Kunden – per saldo um 43 Mio EUR auf knapp 2,7 Milliarden EUR (+ 1,6 Prozent). Das deutlich lebhaftere Wertpapierkundengeschäft mit einbezogen, lag der Zuwachs des von der Sparkasse betreuten Geldvermögens sogar bei 70 Mio EUR (+ 2,7 Prozent). In diesen Zahlen, so Uwe Marohn, komme das nachhaltige Vertrauen der Kunden in ihre Sparkasse zum Ausdruck.

Spürt die Sparkasse im Kreditgeschäft mit Unternehmen einen Konjunkturabschwung?

Die Sparkasse kann bestätigen, was schon die Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Fulda ergab: Osthessens Wirtschaft ist in einer ausgezeichneten Verfassung, die Kapazitäten vieler Betriebe sind nach wie vor gut ausgelastet. Das schlug sich im Jahr 2011 auch in der Bereitschaft nieder, langfristig zu investieren. Die Sparkasse sagte an Unternehmen und Selbständige mehr als 230 Mio EUR neue Darlehen zu – so viel wie seit Jahren nicht mehr. Das Kundenkreditvolumen wuchs trotz hoher (Sonder-)Tilgungen um mehr als 69 Mio EUR (+ 4,1 Prozent).

Die immer wieder "heraufbeschworene oder herbeigeredete" Kreditklemme, so Alois Früchtl, werde es zumindest bei den Sparkassen nicht geben. Ihre komfortable Eigenkapitalsituation erlaube es, das Kreditvolumen weiter auszuweiten. Geschäftsbanken hingegen würden sich teilweise von risikoreicheren Engagements trennen, um die aufsichtsrechtlichen Eigenkapitalanforderungen zu erfüllen. Die Sparkassen-Finanzgruppe habe ihren Marktanteil bei den Unternehmenskrediten mittlerweile auf 43 Prozent, bei Krediten an das Handwerk sogar auf 66 Prozent steigern können. "Auf die Stärke der Sparkasse ist Verlass", ließ der Sparkassenvorstand keinen Zweifel an der Bedeutung des gewerblichen Kreditgeschäfts. Für Alois Früchtl bildet die funktionierende Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen den Kern des besonderen öffentlichen Auftrags der Sparkasse. Zurückhaltend beurteilt er allerdings neue aufsichtsrechtliche Vorgaben, die das mittelständische und das langfristige Finanzierungsgeschäft im Ergebnis eher verteuern. Das könne die in Deutschland bewährte Finanzierungskultur unter Umständen schwächen.

Immobilien: Ist "Betongold" auch in Fulda gesucht?

Die Finanzierung des Wohnungsbaus hat sich auch im Geschäftsgebiet der Sparkasse Fulda merklich belebt. Die Darlehenszusagen im Jahr 2011 erhöhten sich im Vorjahresvergleich um mehr als 40 Prozent auf 125 Mio EUR. Die starke Nachfrage nach Immobilien resultiert allerdings nur am Rande aus der Sorge um stabiles Geld, glaubt Vorstandsmitglied Uwe Marohn. Wichtigster Beweggrund seien die historisch tiefen Zinsen für Baukredite. Die Luft nach unten werde aber  immer dünner. Wer bauen, ein Haus oder eine Wohnung modernisieren wolle, solle damit nicht allzu lange zögern. Noch profitiere Deutschland als "Europas sicherster Hafen" von der Risikoscheu an den Kapitalmärkten; die Zinsen verharrten deshalb auf dem derzeit niedrigen Niveau. Je mehr die Märkte aber zur Ruhe kämen, desto mehr würden sie sich von Bundesanleihen und deutschen Pfandbriefen wieder trennen. Das könne dann das Signal für steigende Langfristzinsen sein. Die anziehenden Preise für Immobilien in guten Lagen drücken nach Meinung von Marohn nicht nur die höhere Nachfrage nach Immobilien aus. Sie spiegelten auch wider, dass über mehrere Jahre zu wenig Wohnungen in Deutschland gebaut wurden. Eine "Blase" wie in anderen europäischen Landern sei aber nicht zu befürchten. Marohn: "Der auch für Osthessen abzusehende demografische Wandel lässt die Bäume auf dem Immobilienmarkt nicht in den Himmel wachsen."

Ist die Sparkasse von der Staatsschuldenkrise betroffen?

Die Staatsschuldenkrise hat sich im operativen Geschäft der Sparkasse Fulda bisher nicht bemerkbar gemacht. Nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden Alois Früchtl sind die meisten international agierenden Unternehmen der Region wie die deutsche Wirtschaft insgesamt nur am Rande von der Krise in Südeuropa betroffen. "Der deutsche Export steht zum Glück auf vielen Füßen", wies Früchtl auf andere weiterhin stabile Absatzmärkte wie Osteuropa oder Asien hin.

Die Sparkasse selber hat nur indirekt und in kaum nennenswertem Umfang Positionen in den südeuropäischen Krisenstaaten Europas. Die Kundeneinlagen, die die Sparkasse nicht als Kredite an heimische Kunden vergeben kann, legt sie überwiegend in öffentliche Anleihen und andere Wertpapiere erstklassiger Bonitäten bei deutschen Adressen an. Insgesamt hielt die Sparkasse zum Bilanzstichtag Eigenanlagen (incl. Liquidität) in Höhe von ca. 1,5 Milliarden EUR.

Inwieweit berührt die "Energiewende" das Sparkassengeschäft?

Nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Alois Früchtl steht hinter der Finanzkrise, der Staatsschuldenkrise und der Diskussion um eine verantwortbare Energieversorgung die gleiche Frage: Wie schließen wir aus, auf Kosten der nachkommenden Generationen zu leben? Natürlich strahlten die Antworten auf diese Frage auch auf die Kreditwirtschaft aus. Schließlich finanziere sie einen Großteil der erforderlichen Infrastruktur-Investitionen. Die Sparkasse Fulda, so Früchtl, habe im Geschäftsjahr 2011 vor allem über die KfW-Gruppe ca. 24 Mio EUR zinsgünstige Förderkredite zugesagt, die einen Beitrag zur "Energiewende" lieferten. Davon entfielen etwa 40 Prozent auf die Nutzung erneuerbarer Energiequellen sowie 60 Prozent auf Energieeffizienz in Unternehmen und Wohnhäusern. Früchtl: "Am liebsten beschäftigt sich die Sparkasse - getreu ihrem Namen – mit dem Energiesparen. Die Energie, die wir nicht verbrauchen, muss nicht aufwändig produziert und nicht kompliziert über womöglich neue Leitungen transportiert werden. Energiesparen hat noch einen zu geringen Stellenwert. Für Unternehmen und Verbraucher ist Energieeffizienz der beste Schutz gegen steigende Preise."

Eine "Riesen-Resonanz", so Vorstandskollege Uwe Marohn, habe die Sparkasse in den letzten Wochen mit dem Angebot an Hauseigentümer gefunden, Wärmebilder der eigenen Immobilie (Thermografie) zu einem stark vergünstigten Preis erstellen zu lassen. 530 Objekte haben heimische Energieberater mit Infrarotkameras und klammen Fingern im Januar und Februar abgelichtet. Derzeit händigt die Sparkasse die Bilder im Rahmen gesonderter Informationsveranstaltungen zusammen mit den Energieberatern an die Kunden aus. "Wenn sich der Eigentümer daraufhin für eine energetische Sanierung seines Hauses entscheidet, vermittelt ihm die Sparkasse für die Finanzierung das passende Förderprogramm", sagt Marohn. "Die Kunden können von reduzierten Zinssätzen, tilgungsfreien Anlaufjahren oder Tilgungszuschüssen der KfW profitieren."

ChipTAN-Verfahren: Ist Online Banking jetzt wirklich sicher?

Die Sparkasse hatte die Umstellung ihrer Online-Kunden auf das ChipTAN-Verfahren mit Einsatz eines TAN-Generators bis Ende des vergangenen Jahres reibungslos abgeschlossen. Die allermeisten Kunden, so Vorstandsmitglied Horst Habermehl, hätten Verständnis dafür aufgebracht, dass mehr Sicherheit einen (kleinen) Preis haben dürfe. Es bleibe gleichwohl wichtig, die üblichen technischen Vorsichtsmaßnahmen zu beachten (Firewall, Virenschutz) und sich im Internet außerhalb des verschlüsselt-gesicherten Online-Banking-Bereichs auf keinen Fall auf die Eingabe von PIN‚s und TAN’s einzulassen. Online-Kriminalität werde immer raffinierter. Auch das neue Authentifizierungsverfahren, zeigt sich Habermehl überzeugt, wird nicht das Ende der Entwicklung sein. Online-Banking setzt sich auch bei den Privatkunden der Sparkasse immer weiter durch. Zum Ende des Jahres 2011 waren schon mehr als 36 Prozent der 91 000 Privatgirokonten für das Online-Banking freigeschaltet.

Verdrängt Online Banking die Filialen?

Für Sparkassenvorstand Horst Habermehl gibt es kein Entweder – Oder, sondern nur ein Sowohl – Als auch. Die Filialen bleiben nach seinen Worten das Rückgrat des Sparkassengeschäfts. "Hier entstehen die Kontakte und das Vertrauen, das die Kunden langfristig von der Sparkasse überzeugt." In den letzten zehn Jahren habe die Sparkasse, so Habermehl, im Zuge einer "Runderneuerung" über 10 Mio EUR im Filialnetz investiert, davon 1,5 Mio EUR im Jahr 2011. "Das hätten wir nicht gemacht, wenn wir nicht an den Wert der Filialen glauben würden." Deren Zukunft liege vor allem in der qualifizierten Beratung. Zahlungsverkehr und Service hingegen verlagerten sich auf Internet und Telefon. Das zentrale Kundenservicecenter der Sparkasse in Hünfeld nehme schon wenige Monate nach seinem Start 5 000 Anrufe wöchentlich entgegen; die meisten Anfragen und Anliegen der Kunden ließen sich gleich am Telefon erledigen.

Grundsätzlich, so Horst Habermehl, wird das Filialnetz der Sparkasse seinen derzeitigen Zuschnitt behalten. Kleinere Veränderungen seien – wie schon in den Vorjahren – nicht ausgeschlossen. "Sparkasse muss sich mit den Lebensgewohnheiten der Kunden verändern". Als positives Beispiel nennt Habermehl die Verlagerung der Filiale in Mittelkalbach ins neue Nahversorgungszentrum am Ortsrand. Investitionsschwerpunkte im Jahr 2012 seien die Filialen Tann und Wallweg (Fulda). Laut Habermehl wird auch der Umbau der Filiale Rabanussstraße in Fulda bald beginnen. Ab Mai wird das dortige Filialteam seine Kunden übergangsweise in einem gegenüber gelegenen Container beraten und bedienen. Das Filialgebäude selbst hatte die Sparkasse im vergangenen Herbst an die ÜWAG verkauft.

Dank an Kunden, Träger und Mitarbeiter

Der Sparkassenvorstand kann mit dem Ergebnis eines Geschäftsjahrs nur das präsentieren, was sich aus der Unterstützung vieler entwickelt hat: Die Kunden haben der Sparkasse einmal mehr Treue und Vertrauen geschenkt. Die Träger Stadt und Landkreis Fulda sowie der Verwaltungsrat gaben mit sachkundigem Verständnis für den besonderen öffentlichen Auftrag nachhaltige Unterstützung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, so Vorstandsvorsitzender Alois Früchtl, hätten die geschäftspolitischen Ziele engagiert, kompetent und zuverlässig in die Praxis umgesetzt.

Daten und Fakten aus dem Geschäftsjahr 2011

31.12.2010           31.12.2011

Geschäftsvolumen             3 370 Mio EUR      3 431 Mio EURBilanzsumme                      3 246 Mio EUR       3 304 Mio EUR

Kundeneinlagen                 2 621 Mio EUR       2 664 Mio EURKundenwertpapiere          469 Mio EUR          480 Mio EUR

Kundenkreditvolumen   1 685 Mio EUR        1 754 Mio EUR

Investitionen                           4,6 Mio EUR         3,2 Mio EUR

Beiträge                                      988 000 EUR    839 000 EUR

Girokonten                                102 800 Stück    103 300 Stückdavon "Online"-Konten           38 600 Stück      41 300 Stück

Depotkonten                                  7 900 Stück     7 900 Stückdavon "Online"-Konten              2 100 Stück    2 200 Stück

Barein- und -auszahlungen      3 385 000 Stück    3 397 000 Stückdavon an Kassen                              830 000 Stück    754 000 Stückdavon an Geldautomaten          2 555 000 Stück    2 642 000 Stück

Mitarbeiter/innen im Jahresdurchschnitt    777    760davon Auszubildende                                                56    54

Filialen (incl. SB-Standorte)                                   58    57Geldautomaten                                                           74    73Kundenserviceterminals                                          45    45

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