SPD/Grüne: Kein Fernverkehr

Osthessen. Die heimischen Landtagsabgeordneten Sabine Waschke (SPD) und Margaretha Hlldobler-Heumller begren die im Koalition

Osthessen. Die heimischen Landtagsabgeordneten Sabine Waschke (SPD) und Margaretha Hlldobler-Heumller begren die im Koalitionsvertrag vorgesehene Regelung zur B87n. Sie lautet: Der geplante Bau der B87n Fulda-Meiningen quer durch das Biosphrenreservat wird abgelehnt. Statt dessen werden Alternativen des vorhandenen Straennetzes unter Nutzung von Ortsumgehungen geplant. Ziel ist es, keinen Fernverkehr in die Region und das Biosphrenreservat zu bringen. Die B87n wird danach in der bisher geplanten Form zu den Akten gelegt, stellt Sabine Waschke fest.

Margaretha Hlldobler-Heumller, die Mitglied der Verkehrsverhandlungsgruppe war, zeigt sich zufrieden, diese Lsung mit ausgehandelt zu haben. Wir GRNE mussten auch bei Verkehrsprojekten schwierige Kompromisse schlieen, aber es war schnell klar, dass die B87n keine Verhandlungsmasse sein darf, berichtet sie aus den Verhandlungen. Der bisher geplante Ausbau der Bundesstrae, fr den bislang weder ein Nachweis der Notwendigkeit noch der Nachweis des Nutzens fr die Region erbracht werden konnte, wrde die Rhn in ihrer Besonderheiten nachhaltig schdigen, weil er einen starken Zuwachs des Fernlastverkehrs und damit Lrm und Staubbelstigungen fr die Rhn bringen wrde.

Sinnvolle Manahmen zur Regionalentwicklung sehen anders aus und passen sich in die bisher bestehenden Konzepte fr die Rhn an, stellen die beiden Abgeordneten fest.

Gemeinsam wollen Waschke und Hlldobler-Heumller das Biosphrenreservat Rhn intensiv weiterentwickeln und strken. Kommen mehr Erholungsuchende Touristen in die Rhn, knnten weitere gesicherte Arbeitspltze fr die heimische Bevlkerung geschaffen werden, argumentieren die Abgeordneten.

Mit einer neuen Landesregierung wird die Arbeit fr die Region intensiviert, denn es gilt sinnvolle Ausbaumglichkeiten der bestehenden Strae sowie die Fragen der Ortsumgehungen zu klren, heit es in der gemeinsamen Presseerklrung.

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BI gegen die B 87n: Breiter Protest

Die Landesregierungen von Hessen und Thringen planen, eine leistungsstarke Bundesfernstrae mitten durch das Biosphrenreservat Rhn zu bauen. Ziel des 225 Millionen Euro teuren Straenbauprojektes ist es, die Autobahnen A71 und A7/A66 beiderseits der Rhn miteinander zu verbinden. Es sollen zuknftig bis zu 20.000 Fahrzeuge vorwiegend berregionaler Fern- und Schwer-verkehr durch die Rhn rollen. Deren Lrm und Luftverschmutzung reist gratis mit durch die Rhn.

Allein fr die Rhnquerung sind dazu 1,7 Millionen Kubikmeter Erdbewegungen notwendig. Es ist der Bau von 80 Brcken, Dmmen, Bergeinschnitten und einem Tunnel von 2,5 km Lnge geplant. In dem fast unberhrten Landschaftsbild der Rhn bedeutet dies nicht nur eine ungeheure Landschaftszerstrung, sondern auch die Zerstrung einmaliger artenreicher Lebensrume. Die Trasse raubt den Rhnern deshalb nicht nur Lebensqualitt, sondern auch Zukunftschancen.

Die Brgerinitiative gegen den Bau der B87n will deshalb die Menschen zusammenbringen, deren Lebensumfeld durch die Trasse gefhrdet wird und die nicht hinnehmen wollen, dass die Rhn durch den drohenden Transitverkehr zerstrt wird. Die Zielsetzung der Initiative ist es daher, die ffentlichkeit ber die Konsequenzen der Planungen aufzuklren, einen breiten Protest gegen die Planungen aufzubauen und die Politik gemeinschaftlich zum Stopp der Planungen aufzurufen.

Als Alternative zum Bau der geplanten Trasse sieht die Initiative den Bau einzelner Ortsumgehungen, die den aktuellen Verkehr aus den Gemeinden nehmen, aber keinen zustzlichen Transit- und Schwerlastverkehr in das Naturparadies Rhn bringen.

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Sieg fr die RegionBI: B 87n ntzt nur dem Schwerverkehr

Rhn. Ein Verzicht auf den Bau der B87n bedeutet nach Ansicht der Brgerinitiative (BI) Keine Trasse Fulda-Meiningen einen Sieg fr die Region: Statt dass die Rhn als eines der artenreichsten Mittelgebirge Europas mit weitgehend intakter Landschaft fr die Interessen einzelner Wirtschaftsunternehmen geopfert wrde, knnte sie sich ohne zerschneidende Bundesfernstrae weiterhin als Modellregion fr nachhaltiges Wirtschaften im Einklang mit der Natur etablieren.Es wre naiv zu glauben, dass der Bund 225 Millionen Euro fr einige tausend Pendler ausgibt (die in der Fuldaer Zeitung am 28.10.2008 genannten 186 Millionen Euro Baukosten sind seit Anfang dieses Jahres nicht mehr aktuell), schreibt die BI. Dies zeige die Kosten-Nutzen-Kalkulation der B87n, in der die regionalen positiven Effekte mit 120.000 Euro pro Jahr beziffert sind gegenber jhrlich 15 Millionen Euro Nutzen fr den Gtertransportverkehr.

Zur Aussage des Hauptgeschftsfhrers der Industrie- und Handelskammer (IHK) Fulda, Stefan Schunck, dass die B87n nicht mehr Fernverkehr in die Region ziehen werde, verweist die BI darauf, dass es sich bei der B87 um eine Bundesfernstrae handelt, die von Frankfurt/Oder ber Leipzig bis nach Ilmenau am Thringer Wald verluft und zwischen Leipzig und Torgau gerade vierspurig ausgebaut wird. Zusammen mit den neuen Autobahnen A71 Erfurt-Schweinfurt und A66 Fulda/Frankfurt/Main wrde die B87n durch die Rhn eine Diagonale durch ganz Deutschland vervollstndigen helfen. Eine rein binnenrumliche Nutzung wre nach Ansicht der BI ausgeschlossen.

Mehrere Studien zum Thema regionale und wirtschaftliche Effekte des Fernstraenbaus htten ergeben, dass kein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Niveau der Straeninfrastruktur und der wirtschaftlichen Entwicklung festgestellt werden kann. Die Ergebnisse dieser Studien werden auch am heutigen Mittwoch im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit dem Titel Jobmaschine Straenbau? von Verkehrsexperten im Hofbieberer Gemeindezentrum vorgestellt.

Die BI betont, sie untersttze die Forderung einzelner Ortschaften nach Ortsumfahrungen. Allerdings ist eine Bundesstrae keine Ortsumgehung, auch wenn sie so verkauft wird. Tatschlich werde damit nur ein Problem durch ein anderes ersetzt.

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Ruhe fr die RhnInfoabend von B'90/DIE GRNEN zur B87n

Rhn. Straenbau bringt Arbeitspltze ist ein oft verwendetes Argument der Ausbaubefrworter, unter anderem auch der Industrie- und Handelskammer, um den Neubau von Infrastruktur voranzutreiben.

In der Rhn wird dieses Argument immer im Zusammenhang mit der geplanten Bundesstrae B 87n von Fulda nach Meiningen bemht. Die Begrndungen sind oft diffus, deswegen bringt es mehr Klarheit, die Frage wissenschaftlich zu errtern, stellt die Landtagsabgeordnete und wirtschaftspolitische Sprecherin von BNDNIS 90/DIE GRNEN Margaretha Hlldobler-Heumller fest. In Kooperation mit den GRNEN in Hofbieber und der GRNEN Landtagsfraktion Hessen hatte Hlldobler-Heumller zu einer Podiumsdiskussion nach Hofbieber eingeladen.

Prof. Dr. Matthias Gather (Institutsdirektor an der FH Erfurt, Institut Verkehr und Raum) informierte in einem Einfhrungsvortrag ber die Ergebnisse seiner Forschungen. Schwerpunkt seines Vortrages war die Frage, ob die geplante B 87n als Rhnquerung tatschlich die Rhn strken und welche Auswirkungen sie auf die lokale Wirtschaft haben knnte. Es kann empirisch nicht nachgewiesen werden, dass der Ausbau und die dadurch bessere Erreichbarkeit die regionale Entwicklung strkt, so Gather im Fazit seines Vortrags.

Peter Hettlich, Bundestagsabgeordneter von BNDNIS 90/DIE GRNEN und stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses fr Verkehr, Bau und Stadtentwicklung erluterte verschiedene Aspekte von Verkehrspolitik: Der Bundesverkehrswegeplan, indem auch die B 87n aufgenommen ist, basiert auf Prognosen von erhhtem Verkehrsaufkommen, die zum Teil schon jetzt berholt sind. Zudem mss man bedenken, dass das Umweltrisiko auf der vorgesehenen Trassenfhrung der B 87n auf 77 Prozent der Strecke sehr hoch und auf 13 Prozent hoch ist.Kaum eine Strae in Deutschland bringt ein noch hheres Risiko mit sich!, wies Hettlich in seinen Ausfhrungen hin.

Zum Schluss stellte Frank Kaufmann, Mitglied des Landtags und Sprecher fr Finanzen, Verkehr und Landesentwicklung fr BNDNIS 90/DIE GRNEN die Formulierungen im Koalitionsvertrag von BNDNIS 90/DIE GRNEN und SPD bezglich der geplanten Bundesstrasse B 87n dar.

Wer die Rhn strken will, darf sie nicht ihres Kapitals berauben, das in Ruhe, unzerstrter und ursprnglicher Natur sowie einer unglaublichen Artenvielfalt besteht, resmierte Hlldobler-Heumller den Abend, der mit zahlreichen Fragen und Diskussionsbeitrgen einer interessierten und engagierten Zuhrerschaft einher ging.

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