"Spur 11" führt zum Täter: Mutmaßlicher Mörder im "Fall Johanna" gefasst

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Der mutmaßliche Mörder der damals achtjährigen Johanna Bohnacker soll nun gefasst sein.

Heute gaben das Polizeipräsidium Mittelhessen und die Staatsanwaltschaft Gießen eine gemeinsame Pressekonferenz zum "Mordfall Johanna Bohnacker".

Alsfeld/Taunus. Es ist ein Fall, der über die Grenzen Hessens für Aufsehen gesorgt hat. Nach 18 Jahren soll jetzt der mutmaßliche Mörder von Johanna Bohnacker gefasst worden sein. Am Mittwoch konnte in Friedrichdorf (Hochtaunuskreis) ein 41 Jahre alter Mann von der Kriminalpolizei Gießen festgenommen werden. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Gießen wurde der vorbestrafte Beschuldigte dem zuständigen Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Gießen vorgeführt. „Es erging Haftbefehl wegen Mordes und besonders schwerer sexueller Nötigung. Im Rahmen der Haftvorführung räumte der Beschuldigte den überwiegenden Teil des Tatvorwurfs ein“, erklären die Staatsanwaltschaft Gießen und das Polizeipräsidium Mittelhessen in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Der 41-Jährige steht im dringenden Verdacht, die damals achtjährige Johanna Bohnacker am Nachmittag des 2. September1999 im Bereich eines in Ranstadt-Bobenhausen gelegenen Radweges gewaltsam in sein Fahrzeug – einen „VW Jetta“ – zerrte und sich im Folgenden an dem Mädchen sexuell vergangen zu haben. Anschließend soll er das Kind getötet und den Leichnam in einem Waldstück in der Gemarkung Alsfeld-Lingelbach abgelegt haben, wo die sterblichen Überreste am 1. April 2000 gefunden wurden.

Der arbeitslose und ledige Beschuldigte geriet durch einen Vorfall, der sich im August 2016 in einem Maisfeld bei Nidda ereignete, in den Fokus der Strafverfolgungsbehörden. Hier war der Mann zufällig von Passanten bei sexuell motivierten Fesselungsspielen mit einer 14 Jährigen ertappt worden. Im Zuge der daraufhin eingeleiteten Ermittlungen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen, konnten aufgrund des Umstands der Fesselung und des Verwendens von Klebeband Parallelen zum „Fall Johanna“ hergestellt werden.

Nachdem die Wohnräume des Beschuldigten Mitte Februar 2017 anlässlich des Übergriffs im Maisfeld durchsucht worden waren, erhärteten sich die Verdachtsmomente. Denn bei dem Beschuldigten konnte umfangreiches kinderpornografisches Bildmaterial und weitere Beweismittel sichergestellt werden.

In Absprache mit der Staatsanwaltschaft wurde daraufhin zunächst von der Polizei in Friedberg die „AG Johanna 2017“ gegründet, die kurze Zeit später beim PP Mittelhessen in Gießen mit erheblichen Personalaufwand als „SOKO Johanna 2017“ fortgeführt wurde. Gegenstand der Ermittlungen der etwa 30 Mann starken Sonderkommision war neben der Aufarbeitung sämtlicher Erkenntnisse aus den vergangenen 18 Jahren die Überprüfung der nunmehr festgenommen Person.

„Spur 11“ führt zum Erfolg

Dabei wurden umfangreiche Überwachungsmaßnahmen initiiert, zeitaufwändige digitalforensische Auswertungen getätigt, eine Vielzahl von Zeugen befragt und ergänzende Spurengutachten eingeholt. Insbesondere wurde die sogenannte „Spur 11“, also das auf einem am Leichenablageort aufgefundene Klebebandstück gesicherte Fingerspurenfragment, durch das Kriminaltechnische Institut des Bundeskriminalamts untersucht und mit den „neuen“, seit 2017 vorliegenden Fingerabdrücken des Beschuldigten verglichen. Die Sachverständigen konnten feststellen dass der Abdruck des linken Daumens des Beschuldigten im Vergleich mit der „Spur 11“ mehrere Übereinstimmungen aufweist. Sämtliche erkennbaren Merkmale des am Klebeband befindlichen Teilabdrucks finden sich auch am linken Daumen des Tatverdächtigen wieder.

Bei den Anfang 2000 durchgeführten Reihenuntersuchungen konnte der Beschuldigte hingegen nicht als möglicher Spurenverursacher erkannt werden, weil sein damals einliegender Fingerabdruck minimale Abbildungsstörungen im Randbereich aufwies und es deshalb beim Abgleich mit der Spur zu keinem Treffer kam. Darüber hinaus haben sich die Standards der daktyloskopischen Untersuchungen in den letzten Jahren fortwährend weiterentwickelt.

Des Weiteren konnten bei der bereits erwähnten Durchsuchung Anfang 2017 unter anderem auch Klebebänder in der Wohnung des Beschuldigten sichergestellt werden. Die Asservate wurden dem Hessischen Landeskriminalamt zur Untersuchung übersandt. Die Spurenexperten konnten hierbei feststellen, dass sich an den am Leichenablageort aufgefundenen Klebebandresten die gleichen Acrylfasern wie an den Klebebändern aus der Wohnung des Beschuldigten befinden.

Diese Sachbeweise, gepaart mit dem Umstand, dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt über einen „VW-Jetta“ mit „HG-Kennzeichen“ verfügte, begründet den dringenden Tatverdacht gegen den Festgenommenen, der jetzt in einer hessischen Justizvollzugsanstalt einsitzt.

Die Ermittlungen dauern an.

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