Staatssekretär Krämer: „Kommunikation des Klinikums ist inakzeptabel“

Wiesbaden. Kritik am Informationsverhalten des Klinikums Fulda hat der Staatssekretr im Hessischen Sozialministerium, Gerd Krmer, heute im

Wiesbaden. Kritik am Informationsverhalten des Klinikums Fulda hat der Staatssekretr im Hessischen Sozialministerium, Gerd Krmer, heute im Sozialpolitischen Ausschuss geuert.

Im Klinikum Fulda waren nach einer Routineuntersuchung in zwei von zehn Wasserproben hohe Konzentrationen von Legionellen gefunden worden, in vier weiteren Proben wurde eine mittlere und in zwei Proben eine geringe Konzentration festgestellt. Zwei Proben waren unauffllig. Die Probenentnahme fand am 12. Juni statt, das Klinikum wurde am 20. Juni telefonisch vom mit der Untersuchung beauftragten Bro ber die Befunde unterrichtet.

Entgegen der in der Trinkwasserverordnung vorgeschriebenen unverzglichen Unterrichtung erfolgte die Benachrichtigung des Gesundheitsamtes Fulda allerdings erst am 29. Juni. Damit hat das Klinikum eindeutig gegen die bestehenden Bestimmungen verstoen sagte Staatssekretr Krmer. Auerdem hat es die Klinikleitung versumt, Mitarbeiter, Patienten und die ffentlichkeit ber die Befunde zu informieren.

Diese Information erfolgte erst auf Empfehlung des Sozialministeriums und einer schriftlichen Verfgung des Gesundheitsamtes Fulda am 5. Juli. Staatssekretr Krmer verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass eine Meldepflicht laut Infektionsschutzgesetz (IfSG) an die oberste Landesbehrde (also das Sozialministerium) nur dann erforderlich ist, wenn eine Infektion von Patienten durch Legionellen vorliegt. Dies sei im Klinikum Fulda allerdings nicht der Fall gewesen.

Manahmen zum Schutz der Patientinnen und Patienten

Unverstndlich ist, dass die Manahmen zum Schutz der Patientinnen und Patienten vom Klinikum Fulda erst nach Aufforderung des Gesundheitsamtes mit dem ntigen Nachdruck betrieben wurden bemngelte Staatssekretr Krmer. So seien zwar in kritischen medizinischen Bereichen wie etwa der Krebsstation und der Frh- und Neugeborenenstation bereits vor dem 29. Juni sogenannte Bakterienfilter installiert worden. Aber erst nach Intervention des Kreisgesundheitsamtes am 29. Juni seien weitergehende Manahmen ergriffen worden.

Am 5. Juli teilte das Klinikum dann mit, dass eine thermische Desinfektion (also eine Erhitzung des Wassers) nicht mit hinreichender Sicherheit und Aussicht auf Erfolg mglich sei. Daraufhin ordnete das Kreisgesundheitsamt weitergehende Schutzmanahmen an. Dazu gehrten ein Duschverbot, die weitere Installation von Bakterienfiltern, die Stilllegung von Waschbecken in kritischen Bereichen und weitere umfangreiche Trinkwasseruntersuchungen. Zudem hat das Sozialministerium dem Kreisgesundheitsamt empfohlen, eine Begehung und Beurteilung der Anlage durch externe Gutachter zu veranlassen. Das Gesundheitsamt forderte daraufhin Experten des Hessischen Landesprfungs- und Untersuchungsamtes (HLPUG) in Dillenburg an, die am 6. Juli in Fulda eintrafen. Bis zum 10. Juli waren von den zwei Teams 170 Proben genommen worden. Zudem werden weitere 90 Proben auf weitere Keime untersucht.

Empfehlungen zur Krankenhaushygiene

Staatssekretr Krmer verwies darauf, dass es das vornehmste Ziel des Klinikums sein msse, die Patientinnen und Patienten zu heilen und vor Schaden zu bewahren. Das Land Hessen habe bereits im Jahr 2002 in einem Merkblatt zur Durchfhrung der Trinkwasserverordnung insbesondere auf die Legionellen-Problematik in Krankenhusern hingewiesen. Zudem htten die Kliniken die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zur Krankenhaushygiene einzuhalten sowie die anerkannten Techniken in der Krankenhaushygiene zu beachten. Zudem gebe es seit dem Jahr 2001 Empfehlungen des Landes Hessen zur Umsetzung der Krankenhaushygiene.

Zusammenhang mit Salmonellen-Infektionen

Ein zunchst vermuteter Zusammenhang mit der Salmonellen-Infektion im Klinikum Fulda, in deren Verlauf die Kche geschlossen wurde, hat sich nicht besttigt, da die Kche weitestgehend vom restlichen Wassersystem abgekoppelt wurde.

Was sind Legionellen?

Bei Legionellen handelt es sich um im Wasser lebende Bakterien. Etwa 90 Prozent der Erkrankungen werden von der Legionellen Art Legionella pneumophila verursacht. Dabei handelt es sich um eine Sonderform der Lungenentzndung, die in 10 bis 20 Prozent der Flle zum Tode fhrt. Ausgelst werden kann die Infektion, wenn legionellenhaltige Wassertrpfchen zum Beispiel beim Duschen eingeatmet werden und in die Lunge gelangen. Gefhrdet sind insbesondere Personen mit einem geschwchten Immunsystem, ltere Menschen sowie Kinder.

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