"Bibliothek Kloster Frauenberg": Stadt Fulda nicht in Verkaufsverhandlungen eingebunden

OB Wingenfeld bedauert Entwicklung / Arbeitsgruppe gebildet und "konzertierte Aktion" im Gespräch

Fulda - Die Stadt Fulda hat in der Debatte um den Verkauf der Frauenberger Klosterbibliothek durch den Franziskaner-Orden noch einmal ihr Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht, dass sie in den Verkaufsprozess nicht eingebunden war, und gleichzeitig erste Schritte eingeleitet, um Bestände, die verkauft wurden und für die Region von Bedeutung sind, möglicherweise doch noch dauerhaft zu sichern.

Wie Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld mitteilt, hat sich eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Stadt Fulda sowie der Hochschul-, Landes- und Stadtbibliothek gebildet, um in Abstimmung mit dem Bistum Fulda die inzwischen in Sachsen lagernden Teile der Bestände der Klosterbibliothek zu sichten und dabei auszuloten, ob und wie zumindest die für die Kloster-, Stadt- und Regionalgeschichte relevanten Bücher angekauft und gesichert werden können. OB Wingenfeld kann sich dabei eine „konzertierte Aktion“ verschiedener regionaler Institutionen und Akteure sowie von engagierten Privatleuten vorstellen.

Grundsätzlich gelte es jetzt, dafür zu sorgen, dass alle Beteiligten an einem Strang zögen, so der OB. „Die vielen Reaktionen auf den Verkauf von Teilen der Bibliothek zeigen, dass den Fuldaerinnen und Fuldaern der Frauenberg und seine Bücherschätze sehr am Herz liegen. Diesen positiven Impuls gilt es zu nutzen, um nun eine fundierte Sichtung und Bewertung der Bestände sowie die Sicherung der wichtigsten Teile in die Wege zu leiten“, sagte Wingenfeld.

Wie vor Kurzem berichtet, sorgt  die Tatsache, dass die fast 400 Jahre alte "Bibliothek Kloster Frauenberg" in Fulda an ein Antiquariat bei Leipzig verkauft worden ist, für viel öffentlichen Wirbel in Fulda. Dem Bistum zufolge ist sich die Deutsche Franziskanerprovinz mit Sitz in München ihrer kulturellen Verantwortung für wertvolle Buchbestände in ihren Bibliotheken bewusst. "Sie sieht sich allerdings - mit Blick auf Personal, Finanzen und Räume - nicht mehr in der Lage, alle Bibliotheksstandorte und den gesamten Buchbestand selbst zu erhalten". Darüber hinaus seien die Bibliotheksräume Bestandteil der vertraglichen Verpflichtungen zwischen „antonius“ und den Franziskanern gewesen. Deshalb wurde für die "Bibliothek Frauenberg" in Fulda eine Zukunftslösung gesucht, die den Orden entlastet und zugleich das kostbare Erbe der Vergangenheit sichert. Dabei habe das Bistum Fulda den Orden aktiv unterstützt.

So seien die bedeutendsten Handschriften, Rara und Inkunabeln der ehemaligen Provinz- und Studienbibliothek der Thüringischen Franziskanerprovinz auf dem Frauenberg als Dauerleihgabe von der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Fulda übernommen worden. Für die Bibliothek wurde die Ideallösung favorisiert, sie an ihrem Standort zu belassen und als Außenmagazin der Seminarbibliothek zu betreuen. Auch die Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Fulda könne künftig nicht ständig in dem Sinne wachsen, dass sie komplette weitere Buchbestände (etwa aus aufgelösten Klöstern oder Nachlässen von Priestern) übernimmt. Diese Problematik stelle sich deutschlandweit.

"Als Alternative wurde daher eine Übernahme aller Drucke bis zum Jahr 1850, aller Bestände zur franziskanischen Geschichte („Franciscana“), aller Bestände zur Fuldaer Geschichte („Fuldensia“) in Aussicht gestellt. Die Verkaufabsicht war bisher nicht Bestandteil der Gespräche. Weitere kostbare Buchbestände aus dem Orden und der Region ("Francisana" und "Fuldensia") sind nach wie vor auf dem Frauenberg untergebracht".

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