"StadtWette Fulda": Alle sind Gewinner

+

Gestern wurde die "StadtWette" mit einem großen Showabend in der Fuldaer Orangerie entschieden: 131 inklusive Projekte wurden eingereicht.

Fulda. Die "StadtWette” ist gewonnen. Und zwar ohne Verlierer. Zum 111-jährigen Bestehen der "Antonius-Bürgerstiftung” hatte Rainer Sippel, Geschäftführer des "Antonius”-Netzwerks, den damaligen Fuldaer Oberbürgermeister Gerhard Möller mit den Worten: "Wetten, dass Sie es nicht schaffen, 111 Beispiele für ein gelungenes Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung aufzuzeigen?” herausgefordert. Dieser nahm die Wette an und beim Showabend am gestrigen Freitagabend in der Fuldaer Orangerie war schnell klar: Sippel hat die Wette verloren. Denn insgesamt 131 der eingereichten Beispiele von Institutionen und Firmen erfüllten die Kriterien der gelungenen Inklusion in Fulda.

"Ich hatte befürchtet, die Wette zu verlieren, weil es noch zu wenige echte Aufgeschlossenheit geben könnte und die Menschen bei aller Hilfsbereitschaft noch allzu oft bei dem Verteilen von Almosen stehenbleiben würden”, sagte Sippel. Natürlich dürfe das erfreuliche Ergebnis der "StadtWette”nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch viele Schritte zurückgelegt werden müssten. "Aber die Wette hat gezeigt, dass in den Köpfen der Fuldaer etwas in Bewegung geraten ist.”

Möller und Sippel konnten beim Showabend auf einen gemeinsamen Sieg anstoßen, denn die Gewinner sind alle Menschen der Region. Und weil Sippel seine Wette ja letztendlich "verloren” hat, sagte er zu, seinen Wetteinsatz einzulösen. "Am 4. Oktober beim ,Agrar-Kultur-Tag’ auf dem ,Antoniushof’ in Haimbach gibt es von 11 bis 14 Uhr kostenlose Kartoffelsuppe für Alle”, rief er dem Publikum in der Orangerie zu. Die Suppe werde natürlich aus den hochwertigen "Antonius”-Kartoffeln gekocht.

Durch den Showabend, der mit Zauberern und allerlei Programm garniert worden war, führte Rudi Cerne, der Moderator der TV-Sendungen "Aktenzeichen XY” und "Aktuelles Sportstudio” in lockerer Art und Weise. Das Publikum setzte sich unter anderem aus Vertretern der Wettbeiträge sowie Freunden und Förderern des "Antonius”-Netzwerks zusammen. Rund 800 Besucher und Mitmacher waren gekommen, um bei Show dabei zu sein.

Die Jury der "StadtWette” hatte die eingereichten Beiträge gesichtet und in jeder der fünf Kategorien ein "best practice”-Beispiel ausgewählt, die als "Leuchttürme in Sachen Inklusion” gelten dürfen. In der Kategorie "Arbeit” hatte Monika Hauß-Schmid, IHK-Vizepräsidentin und ehemalige Geschäftführerin der "Werner Schmid GmbH”, den "Malerbetrieb Alexander Schleicher” in Dipperz ausgewählt. Dieser hatte den taubstummen Andrej Schönfisch eingestellt.

Bei der Kategorie "Bildung” wurde von Prof. Dr. Karim Khakzar, dem Präsidenten der Hochschule Fulda, die Fuldaer Marienschule ausgesucht. Diese hat das Ziel, Schülerinnen mit und ohne Handicap zu unterrichten. In einem schallgedichteten Klassenzimmer können nun auch Kinder mit einer Beeinträchtigung des Hörvermögens per Mikrophon und Headset unterrichtet werden.

Dr. Heiko Wingenfeld, der Nachfolger von Möller als Fuldaer Oberbürgermeister, war für die Auswahl in der Kategorie "Freizeit” verantwortlich. Er wählte die Tanzschule von Anna Feuerstein vom "Studio 82” aus. Sie möchte mit ihren Tanzkursen alle Menschen erreichen und verlässt dafür auch ‘mal dei Tanzhalle. Kindergärten, Schulen, Schlossgarten und Bahnhofsvorplatz sind Orte, an denen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung miteinander tanzen.

Felix Wessinghage ist zehn Jahre alt und kleinwüchsig. Doch das ist kein Hindernis für ihn, als Messdiener in der katholischen Kirchengemeinde St. Peter in Petersberg mitzuwirken. Dieses inklusive Projekt hatte Dr. Markus Miller, Museumsdirektor auf "Schloss Fasanerie” ausgewählt. Und last but not least hatte der Schimmstar Jan-Philipp Glania in der Kategorie "Sport” die Fußballmannschaft des Marianums” ausgewählt.

Die fünf genannten "best practice”-Beispiele wurden während des gestrigen Abends mit kurzen Filmen vorgestellt und erhielten jeweils 1.111 Euro Preisgeld bedacht.

Am Ende des Abends wurden dann noch unter den 131 Bewerbungen wertvolle Preise ausgelost – unter anderem ein "Christmas Shopping” in New York. Am Ende des Showabends gab es noch eine weitere Überraschung: Fulda ist laut dem "Deutschen Rekord-Institut” nun "Region mit den meisten inklusiven Initiativen” in Deutschland.

Wer mehr über die Teilnehmer und Gewinner der "StadtWette” erfahren möchte, findet mehr Informationen auf www.stadtwette-fulda.de im Internet.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Mehr als 200 Krippen: Ausstellung in Petersberger Johanneskirche

Sammler Jochen Weinrich präsentiert historische und moderne Krippenszenen.
Mehr als 200 Krippen: Ausstellung in Petersberger Johanneskirche

pro & contra: Jogginghosenverbot in der Schule?

Eine Stuttgarter Schule will Jogginghosen verbieten. Hans-Peter Ehrensberger und Jennifer Sippel sind geteilter Meinung.
pro & contra: Jogginghosenverbot in der Schule?

Helferinnen und Helfer für Corona-Impfzentrum gesucht

Der Landkreis Fulda sucht medizinisches Fachpersonal für das geplante Corona-Impfzentrum in der Waideshalle des Tagungs- und Kongresshotels Esperanto.
Helferinnen und Helfer für Corona-Impfzentrum gesucht

Unfall bei dichtem Nebel nahe Jossa: Mann schwer verletzt

Pkw des 69-Jährigen prallt am Samstagnachmittag gegen Baum: Fahrer von Ersthelfern befreit
Unfall bei dichtem Nebel nahe Jossa: Mann schwer verletzt

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.