Fronten in Tann weiter verhärtet

Konflikt zwischen Kirchenvorstand und Gemeindemitgliedern: Anonymes und Warten auf Konsequenzen

Tann - Viele Hoffnungen waren in eine Versammlung der evangelischen Kirchengemeinde Tann gesetzt worden, die vor genau vier Wochen im vollbesetzten Saal der „Rhönhalle“ stattfand. Das Treffen war aufgrund einer Unterschriftensammlung zustande gekommen, um den Konflikt zwischen Mitgliedern des Kirchenvorstandes und engagierten Gemeindemitgliedern zu entschärfen, die dieses Zerwürfnis öffentlich gemacht hatten.

Mittlerweile aber scheint klar, dass das Treffen, an dem auch Propst Bernd Böttner (Hanau) und Dekan Bengt Seeberg (Fulda) teilgenommen hatten, die Wogen nicht hat glätten können. So macht seit Kurzem ein Fragenkatalog die Runde bei lokalen Medien – darunter auch bei „Fulda aktuell“ – , anonym unterzeichnet mit „Besorgte Tanner Bürger“. Darin werden ausschließlich persönliche Vorwürfe unter anderem gegen den früheren Pfarrer Kai Kleina laut, gegen die „selbsternannten engagierten Gemeindemitglieder“, die die Unterschriftenaktion initiiert hatten, und gegen Bürgermeister Mario Dänner. Dieser betonte auf Anfrage unserer Zeitung, sich nicht zu dem Schreiben äußern zu wollen: „Das ist schon heftig und unsäglich!“

Dass die Atmosphäre in dem Rhönstädtchen sehr aufgeheizt ist, zeigen Gespräche mit verschiedenen Tannern, die unsere Redaktion in den letzten Tagen geführt hat. Und ähnlich wie die erwähnten „Besorgten Tanner Bürger“, die „aus Selbstschutz ihre Namen nicht nennen können“, möchten auch diese lieber anonym bleiben.

Die Gemeindeversammlung, so die einhellige Meinung, habe nicht viel gebracht, da die Verantwortlichen „nicht wirklich Stellung genommen, sondern sich vornehmlich und unkritisch selbst gelobt haben“. Mit diesem Verhalten werde Artikel 21 der „Grundordnung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck“ ad absurdum geführt, wonach die Kirchenvorsteher „...nach Kräften dazu beizutragen sollten, dass in der Gemeinde Glaube und Liebe wachse”. Man warte immer noch auf Konsequenzen, die aus dem Fehlverhalten gezogen werden müssten. Die einhellige Überzeugung lautet, dass es nur einen Neuanfang geben könne, wenn der gesamte Kirchenvorstand zurücktrete. Wollten die Mitglieder weiter tätig sein, könnten sie sich ja einfach wieder aufstellen lassen.

 Wie die jüngsten Recherchen von „Fulda aktuell“ ergeben haben, gibt es offenbar eine ganze Reihe von Gründen, die einerseits zum Weggang von Pfarrer Kleina, andererseits zum Entstehen der gegenwärtigen Situation geführt haben. Zu nennen ist beispielsweise der von vielen als „Mobbing“ empfundene Umgang mit dem langjährigen Kirchenvorstandsmitglied Karl-Heinz Rommel, der als Schwiegervater des Pfarrers aus dem Gremium ausscheiden musste, beleidigende Äußerungen („Satanisten“) eines Lektors und Kirchenvorstandsmitglieds sowie schließlich das ominöse „Kirchenchorkonto“, das auch bei der Gemeindeversammlung eine Rolle gespielt hatte.

Dieses Konto hatte Kantor Thomas Nüdling angelegt und auf seinen Namen laufen lassen, weder Pfarrer Kleina noch der Kirchenvorstand hatten Einsicht. Unter anderem dank Spendengeldern belief sich dieses Konto auf eine Summe in unbekannter Höhe inklusiv Rücklagen, wobei es angeblich nie einen Kontoauszug gegeben habe. Uwe Bornscheuer, Leiter des Kirchenkreisamtes Fulda, hatte bei besagter Zusammenkunft in der „Rhönhalle“ bestätigt, dass seine Behörde zusammen mit Nüdling die Transferierung der Guthaben auf kirchliche Konten veranlasst habe, so dass die Mittel und ihre Verwendung nun erst jetzt ordnungsgemäß in der Finanzwirtschaft der Kirchengemeinde nachgewiesen werden könnten und unter Aufsicht des Kirchenkreisamtes stünden. Besonders hier erwarten die betreffenden Mitglieder der Gemeinde personelle und disziplinarische Konsequenzen.

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