Sternennacht 2014: "Engagement für viele"

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Fulda. Die Arbeit der „IGbFD“, die einen Teil des Erlöses des kulinarischen Events erhält, dient immer der Allgemeinheit.

Fulda. Der halbe Erlös der "Sternennacht 2014" kommt in diesem Jahr dem Verein "IGbFD" zugute. Deren Mitglieder setzen sich dafür ein, dass Fulda barrierefrei(er) wird. "Interessengemeinschaft barrierefreies Fulda" lautet der komplette Name. "Wir haben den Vereien gegründet, um bauliche Barrieren in Fulda abzubauen oder gar nicht erst entstehen zu lassen und Veränderungen zu erreichen", sagt der 1. Vorsitzende Hanns-Uwe Theele.

Als Rollstuhlfahrer weiß Theele, wovon er spricht. "Ein vier Zentimeter hoher Bordstein kann für einen Rollstuhlfahrer allein ein unüberwindbares Hindernis sein", sagt er. Und auch das in Fulda sehr beliebte Kopfsteinpflaster ist nicht unbedingt Rollstuhl-geeignet. "Es ist in den vergangenen Jahren schon viel getan worden, aber es ist auch noch viel zu tun, damit wir Rollstuhlfahrer selbstständig das tun können, was alle anderen auch tun", erklärt Theele, der auch Leiter der MS-Selbsthilfegruppe Fulda und Vorsitzender des Behindertenbeirates der Stadt Fulda ist. "Dieser Beirat ist aus meiner Sicht die größte Errungenschaft unseres Vereins", sagt der Vorsitzende.

"Fulda rollstuhlgerecht"

Die Arbeit der "IGbFD" dient nicht nur den Rollstuhlfahrern, sondern auch Menschen, die auf Rollatoren angewiesen sind und Eltern mit Kinderwagen, Gehbehinderte,n Kurzzeit-Erkrankten sowie sehbehinderten und blinden Menschen. Der Verein hat das Siegel "Fulda rollstuhlgerecht" initiiert, das an Geschäfte, Gastronomiebetriebe und Arztpraxen verliehen wird, die ihre Räume inklusive Zugängen und Toiletten dementsprechend gestaltet haben. Die ausgezeichneten Einrichtungen tragen das Siegel direkt an der Eingangstür, um Rollstuhlfahrern zu signalisieren, dass dieses Geschäft, Restaurant oder Hotel nach den Kriterien der "IGbFD" zuzugänglich und nutzbar ist. "Bisher haben wir 50 dieser Siegel verteilt. Und die Nachfrage der Unternehmen, die auf uns zukommen, ist ungebrochen", freut sich die 2. Vorsitzende Petra Rödel-Ebert. Wichtig ist ihr, dass die Arbeit des Vereins immer vielen Menschen zugute kommt. Probleme Einzelner – beispielsweise ein nicht rollstuhlgerechter Zugang zur privaten Wohnung eines Betroffenen – kann der Verein, der sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert, nicht lösen.

Die Mitglieder des Vereins möchten nicht nur bauliche Barrieren beseitigen, sondern vor allem die "Barrieren in den Köpfen" durchbrechen, wie Hanns-Uwe Theele sagt. "Wir möchten andere sensibilisieren, ihre Scheu vor Menschen im Rollstuhl zu verlieren". Eine Aktion dazu ist im kommenden Jahr geplant: Ein "Rollstuhl-Parcours" – wenn möglich im "Emaillierwerk Fulda". Dort sollen nicht auf den Rollstuhl angewiesene Menschen extra aufgebaute Hindernisse wie Stufen, Schrägen oder Sand mit Rollstühlen bewältigen.

"Wir bieten Architekten bei der Planung neuer Gebäude unsere Unterstützung an, um spätere bauliche Veränderungen, die Kosten verursachen, zu vermeiden", erklärt der Vorsitzende. Zudem möchte die "IGbFD" in Kindergärten und Schulen mit den Kindern ins Gespräch kommen, um das Thema Behinderung frühzeitig zu thematisieren und die "Barrieren in den Köpfen" gar nicht erst entstehen zu lassen.

Die "IGbFD" bietet auch an, Touren mit dem Rollstuhl durch Fulda zu machen. Dabei bemerken Menschen, die nicht auf den Rollstuhl angewiesen sind, welche Hürden ihnen begegnen können: Kundenstopper, Tische und Stühle oder Auslagen vor den Geschäften werden oft zum Hindernis.

Der Verein bietet auch barrierefreie Stadtführungen an. Petra Rödel-Ebert ist eine der Gästeführerinnen in Fulda, die Touristen im Rollstuhl durch die Barockstadt führen. An einem weiteren Angebot für Fulda-Besucher arbeiten die Mitglieder der "IGbFD" derzeit: Sie erstellen Videos, die barrierefrei zugängliche Sehenswürdigkeiten Fuldas zeigen. Diese werden auf der Internetseite des Vereins installiert. In Zukunft sollen weitere Videos folgen, die auswärtigen Besuchern Tipps für Hotels, Gaststätten und weitere Sehenswürdigkeiten geben.

Selbstständig leben

"Wir haben den Verein gegründet, weil eine Gruppe immer mehr Wirkung hat als ein einzelner", sagt Theele. "Wir möchten einfach wie alle anderen auch selbstständig am Leben teilhaben und Essengehen, wo wir wollen, jederzeit Konzerte besuchen und einkaufen", sind sich die "IGbFD"-Mitglieder einig. Allein durch die Gründung des Vereins haben sie in den vergangenen knapp drei Jahren viel erreicht – nicht nur für sich, sondern für viele tausend Menschen in der Region. Weil dieses Engagement so wichtig ist, haben sich die Ini­tiatoren der "Sternennacht" entschlossen, diesem Verein die Hälfte des Erlöses der "Sternennacht 2014" am 13. November zu spenden. Die andere Hälfte geht an die "Fuldaer Tafel".

Weitere Informationen zur Arbeit der "IGbFD" und wie man Mitglied werden kann, sind auf www.igbfd.de im Internet zu finden sowie telefonisch unter der Nummer 0661/8339600 . Dort sind auch die teilnehmenden Einrichtung der der Stickeraktion "Fulda rollstuhlgerecht" einzusehen.

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