Stets unter Strom: "Sued.Link"-Trasse führt durch "lokalo24"-Land

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Nord-/Osthessen. Die geplante Stromtrasse von Nord nach Süd soll die Landkreise von Kassel bis Bad Kissingen durchqueren. Mit "Zwischenruf".

Nord-/Osthessen. Wenn eine 800 Kilometer lange Stromtrasse von der See bis fast zu den Alpen geplant wird, dann ist klar, dass die Stromleitungen zwangsläufig durch zahlreiche bewohnte Gebiete laufen müssen. Die nun von den Betreiberfirmen "TenneT" und "TransnetBW" im Rahmen des größten Projektes innerhalb der "Energiewende" geplante Trasse ruft zahlreiche Gegner des geplanten Verlaufes auf den Plan.

Von Nord nach Süd

"TenneT" und "TransnetBW" sagen, dass die Trasse notwendig sei, um die Stromversorgung durch erneuerbare Energien zwischen Norden und Süden Deutschlands auszugleichen. Zudem müsse die Stilllegung mehrerer Atomkraftwerke kompensiert werden. Auf den Leitungen soll Windstrom von der Küste transportiert werden. Die Gleichstromverbindung soll nach derzeitigem Planungsstand vom schleswig-holsteinischen Brunsbüttel bis nach Großgartach in Baden-Württemberg führen und wird als "Sued.Link" bezeichnet. Die Fertigstellung ist zum Jahr 2022 geplant.

Dabei führt der "Sued.Link" auch durch Hessen, im Speziellen durch die Landkreise Kassel, Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg und Fulda sowie den angrenzenden bayerischen Landkreis Bad Kissingen. Von Norden (Warburg) kommend führt die geplante Trasse an Wolfhagen, Fritzlar, Homberg, Neuenstein, Kirchheim, Niederaula und Schlitz vorbei, ehe sie den Landkreis Fulda erreicht. Unter anderem über Lehnerz, Böckels, Dirlos, Rothemann und Uttrichshausen über den Volkersberg grob an der Autobahn 7 weiter Richtung Süden führen.

Netzausbau-Projekt

"Sued.Link ist eines der bedeutendsten Netzausbauprojekte Europas und das wichtigste Infrastrukturprojekt der Energiewende", sagte Lex Hartman, Mitglied der Geschäftsführung von "TenneT". Rainer Joswig, Mitglied der Geschäftsführung der "TransnetBW", fügte hinzu: "SuedLink bildet damit das Rückgrat für eine sichere Stromversorgung im Süden Deutschlands und ist Grundlage für eine funktionierende Wirtschaft und Gesellschaft".

Geplant ist von beiden Unternehmen, Informationsveranstaltungen in den Gemeinden entlang der geplanten Trasse zu initiieren. "Die beiden Übertragungsnetzbetreiber forderten die klare Unterstützung des notwendigen Netzausbaus und der großen Stromverbindungendurch die Politik auf Landes- und Bundesebene", schreiben die Betreiber auf ihrer Internetseite. Bis dahin würden "TenneT" und "TransnetBW" die bereits geplanten Informationsveranstaltungen für Bürger und Gemeinden entlang des vorgeschlagenen Trassenkorridors aufschieben.

"Der vorgeschlagene Korridor für ,SuedLink’ ist nicht in Stein gemeißelt", stellte Hartman klar. "Wir stehen ganz am Anfang der Planungen, noch weit vor Beginn des Genehmigungsverfahrens. Der Trassenkorridor steht noch nicht fest und wir brauchen das Feedback der Bürger und Gemeinden, um diese wichtige Verbindung gut planen zu können."

Feedback erwünscht

Und das Feedback der Bürgerinnen und Bürger wird kommen. Denn schließlich möchte niemand in der Nähe einer Starkstromtrasse leben oder arbeiten.

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Bitte nicht im (eigenen) Garten

Dass die geplante Stromtrasse durch unsere Region zahlreiche Gegner aus den Plan rufen wird, ist eine Selbstverständlichkeit. Denn niemand möchte an seinem Häuschen oder Arbeitsplatz vorbei Starkstromleitungen haben, deren gesundheitliche Gefahren nicht wirklich bekannt sind. Einmal abgesehen vom optischen Faktor, denn statt auf Wald und Wiese in wenigen Jahren auf metallene Ungetüme blicken zu müssen, dürfte kaum einem Hausbesitzer gefallen. Doch auf der anderen Seite wollen wir – zumindest die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger – die Energiewende. Und damit ist es wohl auch verbunden, dass der im Norden durch Seewind produzierte Strom bis in den Süden gebracht werden muss.

Eigentlich ist es die übliche Diskussion, die uns immer wieder spaltet. Wir wollen den bisherigen Komfort mit Strom zu jeder Zeit und an jedem Ort – aber wenn die Trasse dafür an meinem Häusle vorbeiführt, dann wollen wir es nicht mehr. Oder: Jeder möchte mit seinem Handy überall telefonieren und mit seinem Tablet jederzeit ins Internet – aber bitte keinen Mobilfunk-Sendemast in Sichtweite. Die Bedenken der Anwohner sind verständlich, denn durch eine unschöne Stromtrasse verliert auch der Wert der Grundstücke und Häuser. Doch das war und ist bei allen Bau-Projekten gleich. Ob Autobahnen, Umgehungsstraßen oder eben Stromleitungen – immer gibt es Diejenigen, die das befürworten und Andere, die das zwar haben möchten – aber nicht im eigenen Vorgarten.

In Bad Hersfeld gibt es derzeit einen handfesten Streit über den geplanten Bau von Windrädern im Stadtwald. Diejenigen, die in der Nähe wohnen, haben sich auf die Fahnen geschrieben, den Bau auf jeden Fall zu verhindern – Energiewende hin oder her. Andere, die ebenso dort wohnen, aber die Meinung vertreten, dass Windräder umweltfreundliche Energie liefern, werden offen angefeindet. Die Stadtverordneten Bad Hersfelds haben übrigens den schwarzen Peter nun an das Regierungspräsidium Kassel weitergeschoben, das am Donnerstag darüber entschieden hat, dass die Windräder gebaut werden dürfen.

In der Region wird es ebenfalls zu zahlreichen Protesten kommen. Verständlicherweise. So einfach, wie sich das "TenneT" und "TransnetBW" vielleicht vorstellen mögen, wird es nicht sein. Und ob 2022 als Fertigstellungsjahr der "Sued.Link" feststeht – ich glaube nicht daran. Aber wie Lex Hartmann von "TenneT" selbst sagte: "Die Trasse ist nicht in Stein gemeißelt." Die Anwohner des derzeitigenTrassenverlaufes dürfen hoffen. Und diejenigen, die dort leben, wo Alternativen verlaufen könnten, haben noch etwas Zeit für ihre Proteste.

Letztendlich ist die Energiewende eine gute Sache. Wie sie von Bund, Ländern und Unternehmen umgesetzt wird, dürfte in den kommenden Jahren für reichlich Zünd- und Diskussionsstoff sorgen.

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