Streit um die Zukunft des Auerweihers

Die störungsempfindlichen Brutvogelarten Eisvogel und auch Graureiher haben nach Aussage von Lothar Herzig das Aueweihergebiet verlassen und nicht mehr gebrütet.
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Die störungsempfindlichen Brutvogelarten Eisvogel und auch Graureiher haben nach Aussage von Lothar Herzig das Aueweihergebiet verlassen und nicht mehr gebrütet.

Fuldaer Aueweiher und Landesgartenschau 2023.

Schwere Vorwürfe richtet Lothar Herzig, bis zu seinem Rücktritt Mitglied des Naturschutzbeirates in Fulda und amtierender Kreisbeauftragter der Staatlichen Vogelschutzwarte, an die Adresse der Stadt Fulda: Mit Beginn der Sanierungsarbeiten und der Zusammenlegung beider Aueweiher sei der von Ornithologen und dem „NABU“ befürchteten Biodiversitätsschaden eingetreten. Die im faunistischen Gutachten zur Fuldaer Landesgartenschau (LGS) 2023 erfassten störungsempfindlichen Brutvogelarten Graureiher und Eisvogel hätten das Aueweihergebiet verlassen und nicht mehr gebrütet.

„Da die Stadt Fulda für diesen Schaden zweifelsfrei verantwortlich ist und haftet, sollten nun die Naturschutzverbände klären, wie dieser Schaden eingeklagt und saniert werden kann“, so Herzig. Er schreibt weiter: „Unsinnigerweise begannen die Baggerarbeiten während der Vogelbrutzeit, also in einer Zeit in der Bürger aufgerufen sind, sich an die Artenschutzgesetze zu halten und keine Hecken und Bäume zurückzuschneiden“.

Das jüngste katastrophale Hochwasserereignis im Südwesten Deutschlands zeige die immense Bedeutung von ökologisch intakten oder renaturierten Flussauen als Retentionsraum für Fließgewässer. Seit nunmehr 40 Jahren fordern führende Fließgewässerwissenschaftler daher, die Flußauen der Natur zu überlassen und im Rahmen großflächiger Renaturierungen zusätzliche Retentionsräume und Biotope zu schaffen.

Herzig: „Statt die Aue zu einer arten- und damit auch erlebnisreichen Naturlandschaft zu entwickeln und innerstädtische Grünflächen und Biotope miteinander zu vernetzen, wie in der Nationalen Biodiversitätsvereinbarung beschlossen, setzt sich die Stadt Fulda kurzsichtig über das Bundesnaturschutzrecht hinweg und fällt munter weiter gesetzlich geschützte Uferbäume und -sträucher.“ Entgegen den hessischen Durchführungsgrundsätzen zu Landesgartenschauen und allen ökologischen Kenntnissen opfere die Stadt damit den Artenreichtum ihrer Aue dem Motto „Wasser erleben“ und „Beach & Fun“; das bedeute, einer kommerziellen Leistungsshow des Gartenbaugewerbes.

Die beiden letzten Überschwemmungen in der Fuldaaue sollten den Verantwortlichen eigentlich gezeigt haben, wie schnell solche Hochwasserschäden auch in Fulda eintreten könnten. Bis Wirkungen von Klimaschutzmaßnahmen spürbar sind, würden Jahrzehnte vergehen. Deshalb müssten Auen unverzüglich renaturiert statt für „Halligalli“ umgenutzt werden. „Alibiaktionen wie die Pflanzung einer Handvoll Bäume zur Klimarettung bei gleichzeitiger Fällung von 100 geschützten Auebäumen sind schlichtweg Betrug“, so Herzig abschließend.

Das sagt die Stadt

Um Stellung nehmen zu können, hat „Fulda aktuell“ die Stadt Fulda befragt. Dazu schreibt die Pressestelle – zunächst als Vorbemerkung:

„Die von Herrn Herzig in seiner Funktion als Kreisbeauftragter der Staatlichen Vogelschutzwarte Hessen erhobenen Vorwürfe und aufgestellten Behauptungen sind in weiten Teilen nicht neu und werden durch fortgesetzte Wiederholung auch nicht stichhaltiger.

Beim Gelände rund um den Aueweiher handelt es sich baurechtlich seit den 70er Jahren um öffentliche Grün- beziehungsweise Parkflächen, die nun dringend einer Sanierung und Aufwertung bedürfen. Herzig möchte den Eindruck vermitteln, dass es sich um eine einzigartige wilde Naturlandschaft handelt, die nun angeblich verloren geht – dies ist nicht der Fall.“

Zu den Vorwürfen

„Im vorausgegangen Genehmigungsverfahren zur Sanierung des Aueweihers und den damit verbundenen Eingriffen wurde vorab geprüft, welche Beeinträchtigungen die Bauvorhaben der Gewässersanierung der Aueweiher sowie die Maßnahmen der LGS auf die dort vorkommende Fauna in der Aue haben können. Durch die Festsetzung von Vermeidungs-, Minimierungs- und Ausgleichsmaßnahmen sowie vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen wurden den zu erwartenden Beeinträchtigungen im naturschutzrechtlichen Rahmen Rechnung getragen. Die Baumfällungen fanden beziehungsweise finden außerhalb der Vogelbrutzeit statt, so dass keine Brutvögel oder Fledermäuse zu Schaden kommen.

Der Bauzeitenplan der Baumaßnahme ist so gestaffelt, dass Erdarbeiten nicht gleichzeitig ablaufen, wodurch eine erhebliche Störung vermieden werden soll. Alle Arbeiten am Aueweiher werden durch eine Ökologische Baubegleitung überwacht und begleitet. Darunter zählt unter anderem auch die Beobachtung der ansässigen Brut- und Rastvögel. Vor Beginn der Erdbauarbeiten an der Mittelinsel fand im April eine Begehung im Hinblick auf potentielle Brutgeschäfte statt. Genauer betrachtet wurden hierbei unter anderem Brutaktivitäten von Graureihern. Dabei stellte sich heraus, dass keine Brutaktivitäten des Graureihers stattfanden.

Unter anderem ist ein Monitoring für die Brutvogelarten Eisvogel und Graureiher nach Abschluss der Baumaßnahme sowie während der Landesgartenschau und zwei Jahre nach der Veranstaltung vorgesehen. Sollte sich herausstellen, dass lebensraumverbessernde Maßnahmen notwendig werden, so werden diese im Rahmen der Überprüfung festgelegt und umgesetzt.

Die Stadt Fulda setzt bereits seit vielen Jahren Maßnahmen an Gewässern um, die den natürlichen Wasserrückhalt und somit eine Entlastung bei Hochwasser fördern. Hierzu gehören Renaturierungsmaßnahmen an verschiedenen Gewässern sowie das Anlegen von Rückhalteflächen. Bei den Aueweihern handelt es sich jedoch vom Ursprung her um künstlich angelegte Kiesgruben, die sich im Laufe der Jahre zu einem intensiv genutzten Naherholungsgebiet entwickelt haben. Hier sind sowohl den Belangen des Naturschutzes, des Hochwasserschutzes als auch der Naherholung Rechnung zu tragen. Alle Maßnahmen wurden einem Genehmigungsverfahren unterzogen. Neben der naturschutzfachlichen Bewertung wurden die Maßnahmen auch hydraulisch betrachtet. Hierbei zeigte sich, dass das vorhandene Retentionsvolumen durch die geplanten Maßnahmen nicht beeinträchtigt wird“.

„Halligalli“ am Aueweiher sei in keiner Form im Rahmen der Landesgartenschau vorgesehen. Es werde in den eingezäunten Bereichen zwischen April und Oktober keine lauten Massenveranstaltungen geben. Die Besucherinnen und Besucher würden an sensiblen Bereichen vorbeigeführt und könnten an einigen wenigen Stellen an das Wasser herantreten, die bereits jetzt zur Naherholung genutzt werden. Die Längsufer erhalten keine zusätzlichen Ausbauten oder Ausstellungsbeiträge, vielmehr soll hier die vorhandene Vegetation und die hohe Qualität der Umgebung auf die Gäste wirken. „Der Artenreichtum wird auf keinen Fall geopfert, im Gegenteil: Durch die Schaffung von Flachwasserzonen werden sogar neue Lebensbereiche geschaffen, die es vorher nicht gab.

Der überwiegende Teil der gut hundert gefällten Bäume befinde sich gar nicht am Aueweiher selbst, sondern unterhalb der Frankfurter Straße/Badegarten. Hier mussten für die Forderung aus einem bestehenden Bebauungsplan, den verrohrten Fuldakanal/Krätzbach wieder zu öffnen, teilweise wild aufgewachsene Weiden und Pappeln entfernt werden.

Neben den 38 „Klimawandelbäumen“ werden im „Park überm Engelshaus“ weitere 12 Hochstämme gepflanzt. Im „Garten am Sprengelsrasen“ sind außer 90 Obstbäumen noch gut. 30 Bäume im Aktionsband und auf dem Vorplatz des Torhauses vorgesehen.

Am Nord- und Südufer des Aueweihers sind 50 und auf der Fuldainsel und in der Grünfläche am Fuldakanal noch einmal rund 50 neue Bäume geplant.

Natürlich könnten neu gepflanzte Bäume einen alt eingewachsenen Bestand nicht sofort ersetzen.

Mittelfristig stünden aber den gefällten Bäumen rund 270 neue Bäume gegenüber. Dazu kommen gut fünf Hektar Wiesen aus einheimischen Saatgut und gut 750 Quadratmeter Gehölzsäume aus autochtonen Sträuchern hinzu.

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