Ein Stück vom Himmel - Dank Palliativ-Team: Amelie konnte zuhause sterben

Kassel. Sie wurde nur neun Jahre alt. Amelie Studenroth starb an einem bösartigen Hirntumor. Das kleine Mädchen war die erste Patientin des Palliati

Kassel. Sie wurde nur neun Jahre alt. Amelie Studenroth starb an einem bösartigen Hirntumor. Das kleine Mädchen war die erste Patientin des Palliativ-Teams des Klinikums Kassel.Es war ein schöner Frühlingstag im Jahr 2010 als Amelie diese Welt viel zu früh verlassen musste. "Meine Frau ist mit unserer Tochter Isabelle noch spazieren gegangen", erinnert sich Vater Robert an den schweren Tag. "Ich habe diese zwei Stunden genutzt und habe mich zu ihr gelegt. Sprechen konnte sie nicht mehr, nur noch kuscheln."Es sollten die letzten Stunden sein. Wenig später starb Amelie. Am Bett war ihre Familie, auch ihre Schwester Isabelle. "Ich glaube, sie hat auf Isabelle gewartet. Sie wollte sich wohl verabschieden. Dann ist sie ganz ruhig in die andere Welt gegangen."Amelie war ein lebensfrohes Mädchen. Sie wohnte mit ihren Eltern, ihrer Schwester und natürlich dem Hund in einem gemütlichen Holzhaus in Dörnberg. Niemand ahnte die ersten Jahre, was für ein schweres Schicksal ihr beschieden war."Im Urlaub vor ihrem ersten Schuljahr habe ich erstmals bemerkt, dass sie leichte Probleme beim Laufen hatte", erinnert sich Mutter Petra. "In der ersten Schulwoche fiel es richtig auf."Nie wird sie diesen Montag vergessen, an dem sie mit Amelie ins Klinikum gefahren ist. "Eigentlich sollte die Untersuchung nur kurz dauern, doch nach Stunden stand fest, Amelie hat einen Gehirntumor", ist sie heute noch geschockt. Noch länger dauerte es, herauszufinden, dass der unbekannte Tumor bösartig war. Auf Operationen folgten Bestrahlungen in der Schweiz, Chemo in Kassel. "Ich mache diese Chemo", hatte die kleine Amelie selbst beschlossen. "Auch wenn sie mir nicht hilft. Aber vielleicht lernen die Ärzte auf der Welt, anderen Kindern zu helfen, wenn der unbekannte Tumor wieder auftaucht."

"Amelie hat mit meinem Mann immer wieder darüber gesprochen, dass sie nicht aufgeben will", denkt Mutter Petra an ihre tapfere kleine Tochter. "Viermal hat sie sich operieren lassen. Mein Mann war in der ganzen Bundesrepublik auf Hirntumortagungen. Und immer hat Amelie zuhause auf ihn gewartet und gefragt, ob es etwas Neues gab."

Zur letzten Tagung in Amelies Leben fuhr die ganze Familie. Nach Stuttgart. Während draußen die Cannstatter Wasen gefeiert wurde, saß Amelie in ihrem Rollstuhl ganz still im Hörsaal und hörte zu. "Ich will sehen wie die Leute arbeiten. Wenn ich den Tumor überleben sollte, möchte ich Krebsspezialistin werden", hatte sie beschlossen.Zur letzten Operation musste sie nach Kiel. Der Tumor hatte gestreut. Die Wunde verheilte nur schwer. Zehn Wochen musste Amelie im Krankenhaus bleiben. Dann kam sie mit ihrer Familie zurück nach Hause.Genau da kamen Dr. Thomas Völker und die Direktorin Michaela Nathrath und boten Hilfe an. Amelie sollte als erstes Kind von einem PalliativTeam zuhause begleitet werden."Amelie war all die Jahre nie traurig, trotzig. Nie hat sie gefragt, warum ausgerechnet sie so krank sein muss", denkt Petra Studenroth an den Oktobertag 2009 zurück. "Alles hat sie geduldig mitgemacht. Doch hat sie gesagt: Ich will nicht mehr ins Krankenhaus. Und durch die Hilfe des Teams konnte ich ihr sagen: O.k. Du brauchst nicht mehr ins Krankenhaus. Es war ein unglaubliches Gefühl. Da ist jemand und hilft. Tag und Nacht. Du bist mit Deinen Ängsten und Sorgen nicht allein. Und gerade ein Kind braucht hohes Vertrauen zum Arzt. Das Palliativteam hat uns ein Stück vom Himmel geschenkt."Aus dieser Sicherheit heraus konnte die Familie eine letzte schöne Zeit für ihre kleine Tochter gestalten. Die Angst, man könne etwas falsch machen, war nicht mehr da. "Ohne Hilfe hätte ich die seelische Ungewissheit gar nicht ertragen", ist Mutter Petra heute noch dem Ärzteteam, den Schwestern und Pflegern, der Musiktherapeutin und der Erzieherin dankbar. "Wir wurden darauf vorbereitet, was auf uns zukam. Für uns war klar, wenn man so einen Schicksalsschlag erleiden muss, muss unsere Tochter bei uns zuhause sterben können. Und auch nach dem Tod unseres Kindes wurden wir nicht allein gelassen.""Die Zeit war sehr schwer, aber die wertvollste und intensivste meines Lebens", weiß sie heute. "Es waren unglaublich viele glückliche Momente dabei. Und auch für die Mädchen war es wichtig, zusammen zu sein. Und wenn ich heute davon erzähle, dann nur, weil Amelie es gewollt hätte. Sie wollte immer anderen helfen, auch wenn man ihr selbst zum Schluss nicht mehr helfen konnte."

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