Sturm im Wasserglas

Knzell/Fulda. Will man ein Fazit ausnahmsweise mal vorneweg ziehen, dann muss schon die Frage erlaubt sein: Wozu die ganze Aufregung? Jene

Knzell/Fulda. Will man ein Fazit ausnahmsweise mal vorneweg ziehen, dann muss schon die Frage erlaubt sein: Wozu die ganze Aufregung? Jene, die in erster Linie von dem Aufklrungsmusical Nase, Bauch und Po angesprochen werden sollten, Kindergarten- und Vorschulkinder nmlich, waren hellauf begeistert und machten munter mit.

Schlimme Worte wie Schwangerschaft, Busen und Muttermilch kamen vllig schmuddelfrei und allenfalls in Nebenstzen vor. Zwei vorsichtshalber anwesende Ersthelferinnen von den Maltesern mussten auch nicht eingreifen. Keinem Kind wurde es schlecht. Und die Boykotteure waren erst gar nicht erschienen und entzogen sich somit einer kritischen Diskussion.

Viel Wirbel gab es diese Woche um das Musikmrchen vom Spren und Berhren fr Kinder ab 4 Jahren (so der offizielle Titel), welches die Bundeszentrale fr gesundheitliche Aufklrung (BZgA) vergangenen Mittwoch um 9 und 11 Uhr gleich zweimal im Gemeindezentrum Knzell auffhrte. Schon im Vorfeld waren die Wellen hochgeschlagen, besorgte Eltern, konservative Verbnde, wie die Aktion Lebensrecht fr Alle, und auch Fuldas Bischof Heinz Josef Algermissen hatten wegen einer ihrer Auffassung nach zu einseitigen Ausrichtung des Stcks auf die krperlichen Aspekte der Sexualitt (siehe nebenstehende Erklrung) zu einem Boykott aufgerufen.

So waren denn von den gut 800 ursprnglich angemeldeten Kids rund 250 weniger erschienen, nmlich all jene aus den katholischen Kindergrten nicht. Was die Veranstalter Margit Hartmann, Vorsitzende des donum vitae-Regionalverbandes Osthessen, Eckard Schroll von der BZgA, Heide Aust, Geschftsfhrerin von SMOG (Schule machen ohne Gewalt), Die Wilde 15 und Thorsten Herchenhein von der Gemeinde Knzell in Vertretung von Brgermeister und Schirmherr Peter Meinecke (CDU) beim besten Willen nicht verstehen konnten.

Margit Hartmann hatte vor vier Jahren die Pilotveranstaltung in Regensburg besucht, war von der kindgerechten Aufarbeitung des Themas beeindruckt und hatte sich darum bemht, das Projekt in die Region Fulda zu holen. Zumal es ihrer Auffassung nach zu wenig Aufklrungsmaterial zu diesem Thema gibt. Die Resonanz bei den Multiplikatoren Erzieherinnen und Lehrern sei im Vorfeld bei Workshops ausnahmslos positiv gewesen.

Auch Heide Aust brachte eindeutig zum Ausdruck, dass SMOG nicht zuletzt unter dem Aspekt der Gewaltprvention sehr gerne diese Veranstatung untersttzt und mit Helfern und Stnden vor Ort begleitet habe.

Thorsten Herchenhein, Jugend- und Seniorenbetreuer in Knzell, betonte, dass die Gemeinde auf politischer Ebene uneingeschrnkt zu dieser Veranstaltung gestanden und keinen Grund gesehen habe, nach der Kritik die Schirmherrschaft abzulehnen.

Eckard Schroll von der BZgA, selbst katholischer Theologe, konnte sich die ganze Aufregung nicht erklren: Solche Reaktionen waren fr uns neu und an den vorausgegangen 57 Veranstaltungsorten von Rostock bis Mnchen selbst in einem noch konservativeren Umfeld auch nicht vorgekommen. Schroll bedauerte, dass von den Kritikern niemand die Gelegenheit wahrgenommen habe, sich vor Ort, vor allem aber im Vorfeld richtig ber das vorgetragene Stck zu informieren. Ich glaube, wir wren uns in fast allen Dingen einig gewesen. Denn wir haben alle das gleiche Anliegen: Den Schutz und die Behtung der Kinder, die Begleitung und Unterstztung von Eltern und Erziehern.

Viele erwachsene Zuschauer wollten sich nicht direkt gegenber der Presse uern im Gemeindezentrum Knzell waren jedoch Statements wie folgende zu hren: Das war berhaupt kein Schweinkram, Die Kirche hat sich schon immer verheddert, wenn sie sich diesbezglich einmischen wollte, oder: Das war wie ein Sturm im Wasserglas.

Astrid Kaminski, Leiterin der Villa Kunterbunt aus Burghaun, fand, dass vor allem jene am heftigsten und lautesten protestiert htten, die am wenigsten mit der komplexen Materie vertraut seien. Dieses Theaterstck will die Botschaft vermitteln, dass Kinder lernen mssen, mit ihren Gefhlen und dem eigenen Krper umzugehen, vor allem aber Nein sagen drfen, wenn sie keine Ksse, Berhrungen oder krperliche Nhe von oder zu Erwachsenen wnschen. Kinder haben Sexualitt und wenn Erwachsene das Wort Sexualitt hren, dann verbinden sie in aller Regel damit etwas ganz anderes.

Den befragten Kleinen jedenfalls hat das Kindermusical ausgesprochen gut gefallen. Die Jungs fanden Br Paule Po und Balduin Bauch am besten, Mdchen die schchterne Fee Nanu und ihre Freundin Nina Nase, alle gemeinsam die tolle Musik und die lustigen Tnze. Und das mitgebrachte Frhstck aus Mamis Brotbox schmeckte zwischen durch auch. Wozu also die ganze Aufregung?

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