Was tun bei Sturzfluten infolge von Starkregen?

Besonders stark betroffen war im vergangenen Jahr Margretenhaun.

Untere Wasserbehörde beim Landkreis Fulda: Wetterbericht verfolgen und mögliches Treibgut verstauen

Fulda - Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller, Sturzfluten, die Holz und Strohballen mit sich reißen: Wenn es in kürzester Zeit sehr stark regnet und regelrechte Wassermassen vom Himmel fallen, kann das vielerlei Auswirkungen auf die Einwohner im Landkreis Fulda haben. Die Untere Wasserbehörde des Kreises informiert über Ursachen und Folgen und steht hierzu auch im Dialog mit dem Fachdienst Landwirtschaft.

Aufgrund des voranschreitenden Klimawandels nehmen Extremwetterlagen zu. Von Starkregen ist die Rede, wenn lokal begrenzt in kürzester Zeit sehr hohe Niederschlagsmengen abregnen. Meist entladen sich bei Starkregenereignissen enorme Regenmengen in Form von sommerlichen Gewittern und können damit prinzipiell überall auftreten. Sie sind zudem nicht wie Hochwasserereignisse immer an eine Gewässernähe gebunden. 

Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) berichtet, dass die Stärke von Niederschlagsereignissen heute schon größer ist als noch vor 30 Jahren. Das machte sich auch im Landkreis Fulda bereits bemerkbar: 2018 und 2019 waren insbesondere die Gemeindegebiete Dipperz, Petersberg, Hofbieber, Künzell und Burghaun betroffen. Die Auswirkungen des Starkregens sind immens: Straßen und Unterführungen werden geflutet, Keller laufen voll, wodurch Kurzschlüsse entstehen oder Heizöllagerungen aufgeschwemmt werden und auslaufen können.

Die durch Starkregen verursachten Sturzfluten verfügen über hohe Strömungskräfte und können Treibgut wie Holz, Heu- und Silageballen mit sich reißen. Dieses Material kann sich dann an Durchlässen, Brücken und Engstellen sammeln und durch einen Rückstau das umliegende Gelände überfluten. Aber auch auf landwirtschaftlichen Flächen selbst kann es zu Erosionen kommen und Bodenmassen in umliegende bebaute Gebiete abschwemmen. 

Dabei wird häufig vor allem der fruchtbare, humusreiche Oberboden abgetragen, der Nährstoffe wie Phosphat und Pflanzenschutzmittelrückstände enthält. Gelangt all das in Fließgewässer, kann dies zu messbaren Pflanzenschutzmittelrückständen führen und bei stehenden Gewässern zur Überdüngung beitragen. Um sich besser auf die Auswirkungen von Starkregenereignissen einstellen zu können und Schäden vorzubeugen, wurde im Rahmen des Projektes „Klimawandel in der Praxis – Starkregen und Katastrophenschutz in Kommunen“ (KLIMPRAX) den hessischen Kommunen nun erstmals ein Instrumentarium zur Verfügung gestellt. 

Erarbeitet wurde eine hessenweite Starkregen-Hinweiskarte, die künftig besonders gefährdete Gebiete ausweist. Des Weiteren kann auf Anfrage der Kommunen beim HLNUG eine Fließpfadkarte zur Verfügung gestellt werden, die Ableitungswege des Wassers bei Starkregen aufzeigt. Aufbauend auf diesen Daten obliegt es den Kommunen – als dritten Schritt – Ingenieurbüros zu beauftragen, kommunale Starkregen-Gefahrenkarten aufzustellen. Eine finanzielle Förderung wird durch das Land Hessen in Aussicht gestellt. 

Die Untere Wasserbehörde des Landkreises weist daraufhin, dass Ablagerungen wie Holz, Strohballen oder Grasschnitt aus Überschwemmungsgebieten und aus den Uferbereichen entfernt werden sollten, um die Ableitungswege des Wassers möglichst frei zu halten. Aus landwirtschaftlicher Sicht empfiehlt es sich beispielsweise Schlaggrößen zu begrenzen, um die sogenannten erosiven Hanglagen zu verkürzen oder auf gefährdeten Flächen entsprechende Erosionsschutzstreifen einzusäen. 

Hilfreich ist zudem, den Wetterbericht regelmäßig zu verfolgen. Dazu gibt es sogenannte Warn-Apps für das Smartphone, die kostenfrei von unterschiedlichen Anbietern zur Verfügung gestellt werden. Dazu gehören unter anderem die WarnWetter-App des Deutschen Wetterdienstes, hessenWARN und NINA.

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