Bemerkenswerte Woche: Die Tage der Rückzüge

Zwischenruf von "Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz

Das Jahr 2020 ist noch (relativ) jung und wird dennoch in die Historie eingehen als ein Jahr, in dem es binnen kurzer Zeit vier verschieden gelagerte spektakuläre Rückzüge gab: Den Anfang machte der Kurzzeit-Ministerpräsident Thüringens, Thomas Kemmerich (FDP), gefolgt von der (Noch)-Parteichefin der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer („AKK“). Am Dienstag sorgten Kardinal Reinhard Marx, der (Noch)-Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und – ja! – Jürgen Klinsmann, der Trainer des Fußballbundesligisten Hertha BSC, für entsprechende Schlagzeilen.

Während das Geschäft des Profifußballs ein schnelllebiges ist und der Klinsmann-Nachfolger sicher bald gefunden sein wird (wenn er es beim Schreiben dieser Zeilen nicht bereits ist), werden die anderen Rückzüge die Öffentlichkeit länger beschäftigen. Zumal sie ungleich bedeutsamer sind, von der „Eintagsfliege“ Kemmerich einmal abgesehen.

Kardinal Marx führt zwar das Argument ins Feld, einem Jüngeren Platz machen zu wollen, doch steht zu vermuten, dass der 66-Jährige nicht sicher gewesen ist, überhaupt wiedergewählt zu werden. Denn als treibende Kraft hinter dem Synodalen Weg, dem auf zwei Jahre angelegten Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland, wird er sich nicht nur Freunde unter seinen Amtsbrüdern gemacht haben. Darin geht es unter anderem um die Sexualmoral der Kirche, die Stellung der Frau und den Zölibat.

Und „AKK“? Die war leider erst am Ende so richtig konsequent durch ihren Verzicht auf Kanzlerkandidatur und CDU-Vorsitz. Die Ereignisse in Thüringen waren der Auslöser, aber Kramp-Karrenbauer ist als CDU-Vorsitzende schon lange vorher gescheitert. Dass ihr Durchsetzungsvermögen und Fähigkeiten fehlten, zwischen der CDU in Berlin und Erfurt eine einvernehmliche Sprachregelung zu finden, war quasi das Resultat eines Autoritätsschwundes, der fast die ganze Zeit über als Parteichefin zu registrieren war.

Nun wird es spannend sein zu beobachten, welcher Kandidat sich als erster vernehmlich aus der Deckung wagt und sich erklärt. Denn Fakt ist, dass eine Trennung zwischen Parteivorsitz und Kanzlerschaft der christdemokratischen Vergangenheit angehören sollte, weil schlicht nicht praktikabel. Mein Tipp: Friedrich Merz wird auch dank der artikulierten Unterstützung durch die Wirtschaft noch vernehmbarer als bislang mit den Hufen scharren und letztlich durchs Ziel gehen. Auch vor dem Hintergrund, damit wertkonservative Wähler von der AfD zurückholen zu wollen.

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