Wegweisendes Projekt: "take off" begleitet in Fulda Mütter mit Migrationshintergrund

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Seit 2015 unterstützt der "AWO Kreisverband Fulda" Mütter mit Migrationshintergrund auf dem Weg in die Arbeitswelt / Von Vertrauen geprägte Atmosphäre

Fulda - Müttern mit Migrationshintergrund fällt die Jobsuche oft schwer. Obwohl viele dieser Frauen gut qualifiziert sind und gerne arbeiten wollen, finden sie weit seltener einen Job als andere Mütter. Mit dem Projekt Stark im Beruf „take off“ unterstützt der "AWO Kreisverband Fulda" seit 2015 erfolgreich diese Frauen auf ihrem Weg in die Arbeitswelt. Kooperationspartner ist das Kommunale Kreisjobcenter des Landkreises Fulda.

Das Angebot richtet sich an Mütter mit Migrationshintergrund im Alter zwischen 20 und 55 Jahren. Auch Mütter mit einem anerkannten Asyl- und Flüchtlingsstatus werden angesprochen. Momentan nehmen an dem Projekt Frauen aus elf unterschiedlichen Ländern teil. Sie stammen aus Syrien, Afghanistan, Marokko, Pakistan, Russland, der Ukraine, Kroatien, Moldawien, Weißrussland, Kasachstan und Bulgarien.

Verantwortlich für das Fuldaer AWO-Projekt Stark im Beruf „take off“ sind Diplom Sozialpädagogin Viktoria Braun und Sozialbetreuerin Margarita Schewinski. Beide haben selbst Kinder und Migrationshintergrund, kennen die Bedenken der Teilnehmerinnen aus eigener Erfahrung. „Wir sehen bei ihnen die gleiche Unsicherheit, die wir am Anfang auch hatten, als wir nach Deutschland kamen, und finden es deshalb besonders wichtig, die Frauen in dieser Phase aufzubauen, zu unterstützen und zu coachen“, sagt Viktoria Braun. „Mit dem Projekt wollen wir die Mütter bei ihrer beruflichen (Neu-)Orientierung unterstützen und ermutigen, erste Schritte umzusetzen.“

In einer geschützten und von Vertrauen geprägten Atmosphäre werden die Teilnehmerinnen ermuntert, ihre bisherigen Erfahrungen und Wünsche, Vorstellungen und Ängste zu formulieren. Im Rahmen von Gruppen- und Einzel-Coachings werden Kompetenzen festgestellt sowie Selbstbewusstsein und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gestärkt, um für jede einzelne Frau eine konkrete und realistische Erwerbsperspektive zu entwickeln. Die Teilnehmerinnen erhalten Kenntnisse über die Gepflogenheiten am Arbeitsmarkt, Betriebsstrukturen und Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

Sie erfahren, was sie mit ihren beruflichen Abschlüssen anfangen beziehungsweise welche Beratungs-, Unterstützungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sie in Anspruch nehmen können. „In Fragen zur Anerkennung von ausländischen Bildungsnachweisen vermitteln wir unsere Teilnehmerinnen an einen unserer weiteren Kooperationspartner, die mobile Anerkennungsberatung im IQ Landesnetzwerk Hessen, wo sie kompetent beraten werden“, erklärt Margarita Schewinski, die die sehr gute Zusammenarbeit lobt.

Zu weiteren wichtigen Bausteinen des Projekts gehören Berufskunde und Bewerbungstraining, Betriebsbesichtigungen und Exkursionen. Im Rahmen von passgenauen Praktika kann bisher Erlerntes angewendet beziehungsweise können neue Lernerfahrungen gewonnen werden. Diese haben einen entscheidenden Einfluss auf die Motivation der Teilnehmerinnen und ebnen den Weg in eine persönliche und berufliche Zukunft. „Praktika sind ein wichtiges Element vor allem bei Frauen, die weder in ihren Heimatländern noch in Deutschland Berufserfahrung hatten und bisher ausschließlich Hausfrauen und Mütter waren. Bei uns findet die erste Berufsorientierung statt“, sagt Viktoria Braun.

Wer Näheres über das Projekt wissen möchte, das auch Umwelterziehung, Interkulturelle Kompetenz, gemeinsames Kochen in Verbindung mit Ernährungs- und Hygieneinformationen und vieles mehr umfasst, der kann sich direkt unter der Telefonnummer (0661) 24909050 informieren.

Die Teilnahme am Projekt ist freiwillig und beschränkt sich auf maximal zwölf Monate. Der Einstieg ist bei freien Plätzen jederzeit möglich, da das Team den Schwerpunkt auf individuelle Planung und Flexibilität setzt. Die Durchführung erfolgt an vier Vormittagen (9 bis 12.15 Uhr) pro Woche, der Freitag ist ein Selbststudientag. Hier bearbeiten Frauen eigenständig Fragestellungen zu den vermittelten Lernbausteinen.

„Unsere größte Herausforderung liegt darin, Betriebe zu sensibilisieren, Mütter mit Migrationshintergrund als Chance zu erkennen“, sagt Viktoria Braun. „Der wichtigste Schritt, dieses Ziel zu erreichen, liegt in unserem Engagement, die von uns betreuten Frauen soweit zu bringen, dass sie selbst ihre eigene Stärken und Fähigkeiten kennen und sich selbstbewusst präsentieren können.“ Das gelingt dem Team gut, wie die bisherige Bilanz zeigt: 60 Prozent der Mütter, die am Projekt teilgenommen haben, wurden für den Arbeitsmarkt aktiviert, haben einen Arbeitsplatz erhalten, absolvieren eine schulische oder berufliche Bildung oder erlangen eine Qualifizierung. „Wir haben unseren Antrag für die zweite Förderperiode gestellt und sind zuversichtlich ab Januar 2019 unser Projekt fortführen zu können“, sagt stolz Margarita Schewinski.

Das Projekt wird im Rahmen des Programms „Stark im Beruf - Mütter mit Migrationshintergrund steigen ein“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und den Europäischen Sozialfond gefördert.

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