Talibanisierung verhindern

Fulda. Gegenwrtig scheint die Mehrzahl der Bundesbrger gegen ein weiteres militrisches Engagement Deutschlands in Afghanistan zu sei

Fulda. Gegenwrtig scheint die Mehrzahl der Bundesbrger gegen ein weiteres militrisches Engagement Deutschlands in Afghanistan zu sein. Viele wrden lieber heute als morgen den raschen Abzug des Bundeswehr-Kontingents sehen. Eine entschieden andere Position vertritt der ehemalige Leiter des Militrgeschichtlichen Forschungsamtes in Potsdam, Brigadegeneral a.D. Dr. Gnter Roth. Offensiv soll die Politik sein, die Militrstrategie am Hindukusch nach vorne gerichtet, so wie sie der amtierende US-Prsident postuliert. Erst Anfang Januar hatte Barack Obama vor Pressevertretern in Washington unmissverstndlich deutlich gemacht: Wir sind im Krieg gegen Al Qaida und gegen islamistische Aufstndische in Afghanistan." Zwangslufig bedingt dieses von den Amerikanern forcierte politische und militrisch operative Handeln aus Forward Policy" sowie Forward Strategy" eine Erhhung der Zahl der Kampftruppen. Das unterstrich auch Roth bei einer Begegnung mit Fuldas Oberbrgermeister Gerhard Mller. Hintergrund des Zusammentreffens war eine abendliche Vortragsveranstaltung des frheren Bundeswehr-Generals bei der Fuldaer Sektion der Gesellschaft fr Wehr- und Sicherheitspolitik.

Krieg

Machen wir uns nichts vor und bezeichnen den Konflikt als das, was er ist", stellte der ausgewiesene Afghanistan-Kenner in Anlehnung an die Obama-uerung klar: Es ist ein vlkerrechtskonformer Krieg zur Wahrung der Menschenrechte und Menschenwrde der Afghanen und des Rechtes eines freien, souvernen Staates und der Sicherheit Deutschlands". Zugleich warnte Roth vor einem deutschen Sonderweg" im Sinne eines zgerlichen Handelns oder vorzeitigen Abzugs von Soldaten aus Afghanistan mit schwerwiegenden Rckwirkungen auf das Ansehen und die Verlsslichkeit der Deutschen in der internationalen Politik. Um eine Talibanisierung einer ganzen Region zu verhindern", vor der der russische NATO Botschafter Dimitry Rogosin in einem Beitrag in der New York Times bereits Anfang des Jahres eindringlich gewarnt hatte, setzt sich der Militrexperte fr die Konzentration aller Krfte und eine einheitliche Strategie und Fhrung durch den Oberbefehlshaber der NATO-Streitkrfte in Afghanistan, Generalleutnant Stanley Mc Chrystal" ein. Nur so knne der Einsatz fr ein freies und selbstbestimmtes Afghanistan gewonnen werden. Fr Deutschland und die Bundeswehr bedeutet dies aus der Sicht Roths unter anderem die Rekrutierung einer ausreichenden Zahl von Elitesoldaten als Voraussetzung fr einen Erfolg im Guerilla-Krieg" wie auch eine generelle Erhhung der Kampftruppen.

Tod

Die Folgen des deutschen Afghanistan-Einsatzes sind lngst auch in Fulda zu spren. Im vergangen Jahr starb ein aus der Domstadt stammender Bundeswehrsoldat an den Folgen eines Terrorangriffs. Der Tod dieses jungen Mannes hat uns alle tief betroffen", sagte Mller. Afghanistan, so der Oberbrgermeister, liegt weit weg." Da falle es schwer, verstndlich zu machen, warum die Bundeswehr in einem Land antrete, das wir gar nicht begreifen, wo die normalen Mastbe nicht existent sind." Der noch immer aktuelle Trauerfall werfe fr viele immer wieder die Frage auf: Was ist, wenn weitere Soldaten sterben?" Bitteres Fazit des tragischen Todesfalls:Wir haben erkennen mssen, nicht in den Kategorien dieses Landes zu Hause zu sein."

Demokratisierungsprozess

Ungeachtet der von Mller skizzierten allgemeinen Stimmungslage bekrftigte Roth, die Afghanen wollten alles andere als die menschenverachtende Taliban-Herrschaft und brauchten eine wirksame Militruntersttzung der NATO-Partner. Lngst sei ein demokratischer Prozess im Land in Gang gekommen. Als Beleg fhrte Roth an, dass rund 60 Prozent der Frauen zur Wahl gegangen sind, obwohl sie auf Plakaten mit drakonischen Strafen bedroht wurden. Sollten die Taliban wieder an die Macht kommen, msse jedem klar sein, was den Kollaborateuren des Westens bevorstehe.

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