Tanzschule kämpft sich durch die Pandemie

Tanzschule Philipp Conradi bleibt voller Hoffnung
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Tanzschule Philipp Conradi bleibt voller Hoffnung

Philipp Conradi im Interview mit Fulda aktuell.

Fulda. Es gibt viele Dinge die die Menschen in der Corona-Zeit vermissen: Die Zeit mit ihren Freunden in Bars, die sorgenfreie Shoppingtour durch die Geschäfte oder aber auch ihrem Lieblingshobby nachzugehen – wie Beispielsweise dem Tanzen.

Tanzen bietet vielen Menschen einen idealen Ausgleich zum Alltag. Man knüpft soziale Kontakte, es kann das Selbstbewusstsein fördern und es werden laut Gesundheitsratgebern Glückshormone freigesetzt.

Doch wie halten sich Tanzschulen in dieser schweren Zeit über Wasser? „Fulda aktuell“ hat mit Philipp Conradi, dem Inhaber der „Tanzschule Philipp Conradi“ gesprochen: Über den Lockdown, schwere Zeiten aber auch über tolle Ideen und Hoffnungen.

„Unsere Tanzschule ist 2019 von Petersberg/Böckels nach Fulda/Rodges in die Karrystraße 1 gezogen, um uns zu vergrößern. Dann kam im Frühjahr 2020 der erste Lockdown und im November gehörte unsere Tanzschule zu den ersten Bereichen die durch den ‚Lockdown light‘ erneut schließen mussten. Das ist finanziell eine sehr schwierige Zeit. Man fühlt sich von der Politik alleingelassen. In der politischen Diskussion werden wir nicht erwähnt. Das schwierigste ist, dass es keine Planbarkeit gibt. Bei uns sind vorher nie Kurse ausgefallen. Wenn ein Kursleiter ausfällt, übernimmt ein anderer aus dem Team den Kurs. Da ich meinen Kunden immer eine Verbindlichkeit und Sicherheit vermitteln konnte, tut es mir jetzt unendlich leid, keine Kurse vor Ort geben zu können. Finanzielle Einnahmen fehlen seit Monaten durch nicht stattfindende Kurse (Hochzeitstanzkurse, Workshops, Jugendtanzkurse etc.). Und die versprochenen Hilfen der Regierung bleiben aus!

Hätten wir nicht so treue Tanzschüler, Freunde und einen tollen Vermieter, gäbe es in diesem chaotischen, politischen Lockdown die Tanzschule nicht mehr. Ich bin seit zehn Jahren selbstständig und habe mir alles selbst erkämpft. Es macht mich unheimlich traurig, wenn meine Arbeit umsonst gewesen wäre. Seit dem ersten Lockdown habe ich ein Hygienekonzept für unsere Tanzschule erarbeitet und viel Geld und Zeit investiert um mit Abstand, Lüftungslagen, Desinfektionsspendern und Nachverfolgungszetteln die Tanzschule für unsere Tanzschüler wieder öffnen zu können. Mir persönlich war von Anfang an sehr wichtig, dass meine Schüler hier vor dem Virus geschützt sind“, so Conradi.

Weiter sagt der Inhaber: „Über uns sollte in der Politik diskutiert werden. Ich weiß, dass es schwierig ist, aber es müssen Öffnungsstrategien her. Für viele Menschen ist die Tanzschule und die regelmäßigen Tanzstunden sehr wichtig – sei es für die Gesundheit, der gemeinsame soziale Umgang oder auch für die Seele. Das sollte ernst genommen werden. Nicht umsonst gibt es Dinge wie Tanztherapien – tanzen hilft den Menschen. Ich würde mir für unsere Kunden wirklich wünschen, dass wir endlich wieder aufmachen dürfen. Wir wurden als erstes geschlossen, also sollten wir auch als erstes wieder aufmachen dürfen. Das tanzen wurde den Menschen lange genug weg genommen“.

Trotz der Pandemie sind Conradi und sein Team sehr aktiv und lösungsorientiert. So finden elf feste Tanzkurse und verschiedene Workshops über die Onlineplattform „Zoom“ statt. „Damit das menschliche Miteinander nicht auf der Strecke bleibt, gibt es sonntags eine gemütliche ‚Talkrunde‘ bei ‚Zoom‘. Jedes Mitglied kann daran teilnehmen. Es macht Freude zu sehen, dass Alt und Jung mit viel Spaß und Freude Online dabei sind.

Vor einigen Tagen haben wir eine Umfrage bezüglich des anstehenden Interviews gestartet. Von dem ‚Feedback‘ meiner Tanzschüler und Eltern war ich überwältigt“, erzählt Conradi.

„In diesen Feedbacks vermissen alle das gemeinsame Tanzen. Kinder, Jugendliche und viele erwachsene Tanzpaare vermissen ihre Freunde in der Tanzschule. Und besonders wurde das Hygienekonzept hervorgehoben“, berichtet Conradi.

„Wir haben eine tolle ‚Community‘, auf die wir uns verlassen können, wir halten zusammen und dafür bin ich sehr dankbar. Die ‚Feedbacks‘ haben mich wieder motiviert, nicht aufzugeben und trotz aller Widrigkeiten nach vorne zu schauen. Dennoch sollte die Politik dringend individuelle Öffnungsstrategien liefern “, sagt Conradi.

Im Dezember hatte Conradiden „WeLoveToDance - Award“ ins Leben gerufen. Die Jury bestand aus Sergiu und Regina Luca (bekannt durch Let`s Dance /RTL), und Sabrina und Philipp Conradi. Der Wettbewerb war international. Tänzer aus der ganzen Welt konnten ihr Talent und ihre Kreativität unter Beweis stellen. „Es hat so viel Freude gemacht, sich all diese Videos anzuschauen. Da wird einem klar, wie wichtig tanzen ist, und wieviel es den Menschen bedeutet. Tanzen ist Kultur. Tanzen ist Gemeinschaft und Nähe. Tanzen ist Liebe. Und deshalb wünsche ich mir für alle, dass wir so schnell wie möglich gemeinsam im Tanzsaal tanzen“, so Conradi.

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