Tattoo-Farben: Bunter Körperschmuck ist erst einmal passé

Alle Tattoofarben außer schwarz, weiß, grau und – derzeit noch blau und grün – dürfen per EU-Verbot nicht mehr verwendet werden.
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Alle Tattoofarben außer schwarz, weiß, grau und – derzeit noch blau und grün – dürfen per EU-Verbot nicht mehr verwendet werden.

Die REACH-Verordnung („Regulation concerning the Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals“) der Europäischen Union (EU) regelt seit dem Jahr 2007 den Umgang mit chemischen Stoffen. Durch diese Verordnung sind seit Anfang Januar fast alle Tattoofarben verboten.

Fulda. Die EU begründet das damit, dass beim Tätowieren oder beim Microblading „zwangsläufig eine Verletzung der Hautbarriere“ erfolge und somit chemische Stoffe unter die Haut gelangten. „Einige dieser Stoffe haben gefährliche Eigenschaften, die ein potenzielles Risiko für die menschliche Gesundheit darstellen“, heißt es in der Begründung.

Bisher ausgenommen sind neben schwarz, weiß und grau, für die es bereits EU-konformen Ersatz gibt, nur die Farben „Blue 15:3“ und „Green 7“, bei denen eine Übergangsfrist bis Januar 2023 gilt. Laut der „ECHA“ (Europäische Chemieagentur) sollen in den betroffenen Tattoofarben gefährliche Stoffen enthalten sein, die „beispielsweise Hautallergien auslösen oder zu genetischen Mutationen und Krebs führen“ könnten. Und weiter: „Die Beschränkung betrifft zum Beispiel Chemikalien, die Krebs oder genetische Mutationen verursachen, fortpflanzungsgefährdende Chemikalien sowie Hautallergene und Reizstoffe.“

Das EU-Verbot beeinträchtigt auch die Arbeit von Michaela Gallwas in ihrem Fuldaer Studio.

Rund 7.000 Tattoostudios gibt es in Deutschland. Eines davon betreibt Michaela Gallwas in Fulda-Zell. „Meine Kundinnen und Kunden haben mit absolutem Unverständnis reagiert“, sagt sie. „Ich hatte nie Probleme mit den Farben. Es gab keine Hautreaktionen oder Ähnliches, und ich tätowiere seit fast 14 Jahren. Bei den alten Farben wusste jeder Tätowierer, dass diese gut waren und wie sie in ein paar Jahren in der Haut aussehen. Jetzt müssen wir alle mit den neuen Farben arbeiten und abwarten, wie sie sich verhalten. Dies ist für uns Tätowierer sowie die Kunden ein Probelauf“, so Gallwas. Doch noch ist der Markt für EU-konforme Tattoofarben sehr klein. Es gibt Ersatzfarben, aber die sind viel teurer als die bisherigen. Und sie sind für die Studios schwer zu bekommen.

„Schwierig wird es nochmal im Januar 2023., wenn die beiden Pigmente blau und grün verboten werden. Diese kommen natürlich auch in schwarz vor. Ich hoffe das es bis dahin wirklich neue Farben, auch Schwarz, geben wird“, so Gallwas. Allerdings gibt es laut Jan Hartman vom „Bundesverband Tattoo“ für diese Farbtöne derzeit keine Alternativen. Damit könnten ab Anfang des kommenden Jahres 65 Prozent der Farben dauerhaft verschwinden.

Der „Bundesverband Tattoo“ hat eine Petition bei der EU eingereicht. Damit sollen die Pigmente Blue 15:3 und Green 7 erhalten werden. 177.803 Unterstützer haben die Petition bereits unterschrieben. Sie ist über www.bundesverband-tattoo.de zu erreichen.

Nicht nur das EU-Verbot sondern auch die Corona-Pandemie hat Tätowierern wie Michaela Gallwas in den vergangenen Monaten das Leben schwer gemacht: „Es sind ja nicht nur Farben die teurer geworden sind. Es hat einen unglaublichen Anstieg im Bereich Hygiene gegeben. Handschuhe, Desinfektionsmittel, Schutzlaken und ähnliches kosten etwa doppelt soviel wie vor der Pandemie. Das wirkt sich natürlich auf die Preise aus.“ Einige hundert Euro hat Gallwas verloren, da sie die alten Farben entsorgen musste.

Dads Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) informiert unter www.safer-tattoo.de über alles, was Menschen, die sich ein Tattoo stechen lassen möchten, wissen sollten. Laut einer Umfrage tragen 17 Prozent der Deutschen Tattoos. „Wie sich Tattoofarben und besonders die Farbpigmente im Körper auf die Gesundheit auswirken, ist noch wenig erforscht. Eine offizielle Liste mit sicheren Bestandteilen von Tattoofarben oder eine Zulassung gibt es nicht“, so das BMEL.

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