„TCRAT“: Ganz neue OP-Methode im Klinikum

Gruppenbild mit dem früheren Fuldaer Landrat Fritz Kramer Mitte), dem „Patienten Nr. 26“: Links sein Operateur, Professor Dr. Hilmar Dörge, rechts Professor Dr. Volker Schächinger.
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Gruppenbild mit dem früheren Fuldaer Landrat Fritz Kramer Mitte), dem „Patienten Nr. 26“: Links sein Operateur, Professor Dr. Hilmar Dörge, rechts Professor Dr. Volker Schächinger.

Vorreiter bei völlig neuer Bypass-Operation / Ex-Landrat Kramer als Patient

VON BERTRAM LENZ

Fulda. Als erste Klinik in Deutschland hat die „Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie am Klinikum Fulda“ eine neue minimal-invasive Bypass-Operation eingeführt: Bei der so genannten „TCRAT“ Total Coronary Revascularisation via left Anterior Thoracotomy) können über lediglich einen kleinen seitlichen Schnitt zwischen der vierten und fünften Rippe alle nötigen Bypasse an die erkrankten Herzkranzgefäße Koronarchirurgie) gelegt werden. Klinikdirektor Professor Dr. Hilmar Dörge hat als erster Herzchirurg in Deutschland diese neue Methode seit November 2019 bei gut 80 Patienten erfolgreich durchgeführt.

Beweggrund war ein Vortrag des ukrainischen Mediziners Professor Oleksandr Babliak in Frankfurt/Main gewesen, den Dörge zum Anlass genommen hatte, gemeinsam mit seinem Oberarzt Dr. Christian Sellin nach Kiew zu reisen, um dort bei vier Operationen zu hospitieren.

Die Verengung der Herzkranzgefäße, auch koronare Herzkrankheit KHK) genannt, ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die tödlich verlaufen kann. Die Herzkranzgefäße liegen wie ein „Kranz“ um das Herz und versorgen den Herzmuskel mit Sauerstoff. Kommt es zu einer Verengung der Herzkranzgefäße, wird der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt – es kann zu einem Herzinfarkt oder Herzschwäche kommen. Können verengte Herzkranzarterien nicht mehr durch eine koronare Intervention wie einen Stent durchgängig gemacht werden, ist eine so genannte koronare Bypass-Operation erforderlich. Bei der klassischen Bypass-Operation am offenen Herzen wird jedoch das Brustbein der Länge nach komplett durchtrennt Sternotomie), was für die betroffenen Patienten eine erhebliche Belastung bedeutet. Mit der neuen, von Professor Dörge im Klinikum Fulda eingeführten Technik, ist diese Operation sehr viel schonender geworden.

Dörge gesteht jedoch ein, dass die Methode sehr viel komplexer als die herkömmliche ist und den Chirurgen mehr fordert. Seiner Ansicht nach werde es vielleicht zehn Jahre dauern, bis sie sich durchsetzen kann.

Welche Vorzüge diese minimal-invasive Operation für die betroffenen Patienten, aber auch für das gesamte OP-Team hat, wurde bei einem Pressegespräch am Dienstagnachmittag deutlich. Mit dabei waren neben Dörge noch Vorstandssprecher Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel, Professor Dr. Volker Schächinger Direktor der Medizinischen Klinik I), sowie der ehemalige Landrat Fritz Kramer. Der inzwischen 83-Jährige war als „Patient Nr. 26“ im Februar 2020 nach der neuen Methode operiert worden: Bereits im Aufwachstadium habe er keinerlei Schmerzen verspürt und es als sehr großen Vorteil empfunden, dass der Brustkorb nicht habe geöffnet werden müssen, um das Brustbein längs zu durchtrennen. Dies sei auch ein großer psychologischer Vorteil, da man so schneller wieder mobil werden könne. „Ich bin dankbar“, so Kramer auf die Frage, warum er sich auf Bitten Dörges als Patient präsentiere. Laut dem Professor war der bislang jüngste Patient in Fulda ein 42-jähriger Triathlet gewesen, der älteste war 87 Jahre alt.

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