Ted Herold und seine Lauterbacher Zeit

Der kürzlich verstorbener Sänger Ted Herold.
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Der kürzlich verstorbener Sänger Ted Herold.

Der kürzlich verstorbener Sänger besuchte 1976 für ein Jahr das „BZL“ in der Kreisstadt.

Lauterbach. Bei einem tragischen Brandunglück ist am vergangenen Samstag in Dortmund Ted Herold gemeinsam mit seiner Ehefrau Manuela 79-jährig ums Leben gekommen. Der Sänger, der mit bürgerlichem Namen Harald Schubring hieß, galt in den 50er und 60er-Jahren als deutsche Antwort auf Elvis Presley und feierte in den frühen 80er-Jahren ein großes Comeback. Und dazwischen? Hier kommt die Vogelsberger Kreisstadt Lauterbach ins Spiel, wo Schubring/Herold von 1976 an das „Bildungs- und Technologiezentrum für Elektro- und Informationstechnik“ (BZL) besuchte und sich dort auf die Meisterprüfung in seinem Beruf als Radio- und Fernsehtechniker vorbereitete.

Vor einiger Zeit hat der jetzt so tragisch ums Leben gekommene Sänger dem Verfasser dieser Zeilen ein wenig über die Lauterbacher Episode berichtet. Um diese Verbindung aufzuzeigen, muss man freilich noch ein ganz klein wenig zurück gehen: 1960 wandelte sich das Repertoire des damals 19-jährigen gebürtigen Berliners vom Rock‘n‘Roll hin zu langsameren Stücken. „Moonlight“ entwickelte sich zum Top-Schlager und verkaufte sich über 500.000 Mal. 1963 aber unterbrach die Bundeswehr (zunächst) die Karriere.

Mittlerweile in Nauborn bei Wetzlar zu Hause, belegte er ab 1967 einen Fernlehrgang für Radio- und Fernsehtechnik. „Mein Ziel war jedoch die Gesellenprüfung, und 1970 fand ich eine feste Anstellung als Werkstattleiter in einem Geschäft“, schilderte er seinen weiteren beruflichen Werdegang.

Aus den Glanzzeiten: „Sing und Swing mit Ted“, veröffentlicht lange vor der Episode in Lauterbach. 

Gegen Mitte der 1970er-Jahre betraute man ihn mit der Konstruktion einer Umweltschutzanlage. „Durch mein festes Einkommen, geregelte Arbeitszeiten und garantierten Feierabend“ entwickelte sich weiterer beruflicher Ehrgeiz, „und der wiederum gipfelte im Besuch des ,BZL‘ in Lauterbach“. Hier bereitete sich Harald Schubring alias Ted Herold „ein Jahr lang auf die Meisterprüfung in meinem Beruf als Radio- und Fernsehtechniker vor, die ich dann im Frühjahr 1977 erfolgreich abschließen konnte“. „Ich habe damals in Lauterbach in einer kleinen Pension gewohnt, was sehr gemütlich gewesen ist“.

Für zwölf Monate wurde die Vogelsberger Kreisstadt für den damals 34-Jährigen zur zweiten Heimat: „Ich war gerne im ,BZL‘‘. Dort hatte ich nette Lehrer und auch nette Mitschüler. Und Lauterbach war ein ruhiges Städtchen. Den größten Spaß hatten wir abends auf der Bowlingbahn, wo wir auch gerne ein Gläschen tranken.“

Der berufliche Weg schien also vorgezeichnet, und Ted Herold hatte sich damit arrangiert. Bis, kurz nach seiner „Lauterbacher Meisterprüfung“ in 1977, Udo Lindenberg bei ihm anrief und fragte: „Willst Du nicht mehr?“. Lindenberg war nämlich gerade dabei, eine neue LP namens „Panische Zeiten“ herauszubringen, und ein Titel sollte von Ted Herold und seiner Zeit handeln. Der frischgebackene Meister sagte dem Deutsch-Rocker zu und trug zu einem Lindenbergschen Lied Textzeilen seines Erfolges „Ich bin ein Mann“ bei. Diese Zusammenarbeit wiederum läutete ein Comeback ein, das dem Künstler Erfolge unter anderem mit Songs wie „Bill Haley“, „Ahua“, „Die Besten sterben jung“ oder auch „Rock‘n‘Roll for President“ und „Ready Teddy“ bescherte.

In Lauterbach sollte er übrigens noch einmal zu sehen und zu hören sein, und zwar im August 2010 beim Dorffest in Maar. Zusammen mit seinem alten Rock‘n‘Roll-Rivalen Peter Kraus und „Showaddywaddy“.

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