Theo Waigel an „Point Alpha“: Deutsche Einheit war ihren Preis wert

Kranzniederlegung an der Gedenkstätte „Point Alpha“ unter anderem mit dem ehemaligen Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel
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Kranzniederlegung an der Gedenkstätte „Point Alpha“ unter anderem mit dem ehemaligen Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel

Mit einem Festakt und einer Kranzniederlegung ist an der Gedenkstätte „Point Alpha“ an der hessisch-thüringischen Landesgrenze 31 Jahre Deutsche Einheit gefeiert worden. Der Einigungsvertrag war am 3. Oktober 1990 offiziell in Kraft getreten. Die Nachkriegszeit war endgültig beendet, ein historischer Wendepunkt für Deutschland und der Beginn einer neuen Ära für Europa und die Welt. Festredner war der ehemalige Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel.

Rasdorf/Geisa. Als Mitgestalter und prägende Figur ist Waigel zweifelsohne einer der prominentesten Zeitzeugen der Deutschen Einheit. Als Finanzminister unter Bundeskanzler Helmut Kohl machte er sich an die Bewältigung der Aufgabe, die staatliche Einheit wiederherzustellen und eine zentral gelenkte Planwirtschaft in eine Wirtschaft zu transformieren, die den Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft folgt. Dafür gab es weder Lehrbücher noch Vorbilder. Die Wegstrecke erwies sich als weitaus steiniger als anfangs gedacht. Die DDR war bei ihrem Zusammenbruch schlichtweg pleite, ihre Betriebe kaum wettbewerbsfähig, Rechnungen in Milliardenhöhe unbezahlt.

Die Probleme nahmen gewaltige Dimensionen an. Waigel präsentierte und jonglierte in der Gedenkstätte mit Zahlen, machte Rechnungen auf, um schließlich zu dem Schluss zu kommen: „Wenn man alles zusammenrechnet, hat die Einheit in 30 Jahren über zwei Billionen Euro gekostet. Es hat länger gedauert, war teurer als angenommen. Aber es war den Preis wert. Dieser 3. Oktober 2021 ist ein Tag des Glücks und der Dankbarkeit.“ Für seine Rede, die wie von ihm gewohnt mit humorvollen Spitzen garniert war, erhielt der 82-Jährige viel Beifall.


„Traditionell wollen wir hier an der historischen Grenze zwischen Freiheit und Unfreiheit gedenken, erinnern und den Raum für Begegnungen schaffen. Der 3. Oktober ist nicht nur der wichtigste gesamtdeutsche Feiertag, sondern ein Freiheitstag für Deutschland, der nie in Vergessenheit geraten darf “, hatte der Stiftungsratsvorsitzende Dr. Stefan Heck, bei der Begrüßung der Gäste aus Politik, Gesellschaft und Kirche im ehemaligen US Camp gesagt. Heck, der in seinem Amt als Staatssekretär zugleich als Vertreter der Hessischen Landesregierung fungierte, übermittelte die Grüße von Ministerpräsident Volker Bouffier.


„Gemeinsam sind wir stärker“, zu diesem Schluss kam Brigadegeneral Jed J. Schaertl, von U.S. Army für Europa und Afrika, und betonte, dass die USA weiterhin als verlässlicher Verbündeter zur Sicherheit Europas beitrage und die gemeinsamen Werte verteidige. Für ihn sei Point Alpha nicht nur ein Symbol für die Überwindung der deutschen Spaltung, sondern stehe auch für die Anerkennung des Dienstes der stationierten US-Regimenter für Frieden und Demokratie.

Schließlich rekapitulierte Sebastian Leitsch, Vorstandsvorsitzender der „Point Alpha Stiftung“, die Herausforderungen für die Gedenkstätte in den zurückliegenden Monaten. Durch den Lock-Down habe das Team die Gedenkstätten- und Akademiearbeit neu denken und die Kompetenzen in der digitalen Welt deutlich erweitern müssen. Dabei sei bewusst geworden, dass man Online zwar ein großes Publikum erreichen könne, aber es nur begrenzt gelänge, die Zuhörenden so bewegend anzusprechen, wie direkt vor Ort in der Gedenkstätte.


Bis es soweit war, dass „zusammenwuchs, was zusammengehörte“, waren über 40 Jahre lang viele Opfer zu beklagen, an die bei der Kranzniederlegung unter Mitwirkung der Kyffhäuser- und Reservistenkameradschaft Grüsselbach mit dem Vorsitzenden Alfred Gollbach an der Spitze im Vorfeld am Denkmal der deutschen Teilung und der Wiedervereinigung gedacht wurde. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt durch das Blechbläserensemble des hessischen Landespolizeiorchesters unter der Leitung von Gerhard Schultheis, das mit Stücken wie „Trumpet Voluntary“, „Circle of life“ oder „The Liberty Bell“ unterhielt.

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